Fans von Tennis Borussia Berlin. Quelle: imago images/ Matthias Koch
Bild: imago images/Matthias Koch

Gerichtsverhandlung - Der Konflikt bei Tennis Borussia nimmt vorerst ein Ende

Seit Monaten streiten die aktive Fanszene von Tennis Borussia Berlin und Investor Jens Redlich darüber, wer den Verein leitet. Am Mittwoch hat sich nun das Amtsgericht Charlottenburg damit befasst - und den Machtkampf beendet.  Eine Chronologie des Konflikts.

Januar - Mitgliederversammlung

Am 30. Januar kam es bei Tennis Borussia zu der Mitgliederversammlung, die den Verein durchrüttelte und seitdem beschäftigt. In der Versammlung hatten die Vereinsmitglieder sich mehrheitlich dafür ausgesprochen, die von Investor und Vorstandsvorsitzenden Jens Redlich  aufgestellten Mitglieder in den Aufsichtsrat zu wählen.

Gerade langjährige Vereinsmitglieder hatten mit dieser Wahl allerdings ihre Probleme: Kurz vor Beginn der Versammlung waren viele ihnen unbekannte Personen dem Verein beigetreten. Es stimmten etwa doppelt so viele Mitglieder wie gewöhnlich ab. Viele TeBe-Anhänger beschuldigten Redlich, Personen aus seinem Bekanntenkreis erst kurz vor der Versammlung in den Verein aufgenommen zu haben, um diese für seine Mitstreiter abstimmen zu lassen und so seine Macht im Klub weiter auszubauen.

Februar - Fanboykott und "Caravan of Love"

Es folgte ein Boykott der aktiven Fans, die das Mommsen-Stadion und auch die Auswärtsspiele nach der Mitgliederversammlung nicht mehr besuchten. Zu sehr ging ihre Meinung mit der von Jens Redlich auseinander, zu sehr sahen sie ihren Verein und sein Gefüge in Gefahr. Stattdessen unterstützten sie an den Wochenenden Sportklubs in ganz Deutschland. Unter dem Motto "Caravan of Love" besuchten sie zunächst ein Spiel des Kreisligisten Blau-Weiß Friedrichshain, anschließend Partien in ganz Deutschland – darunter nicht nur Fußballspiele.

Juni - Fortschreitende Eskalation der Auseinandersetzung

Jens Redlich zeigte sich von den Protesten unbeeindruckt, sah sich stets als rechtmäßig gewählten Vorstandsvorsitzenden und arbeitete eng mit dem im Januar gewählten Aufsichtsrat zusammen. Vielmehr gaben ihm Anfang Juni diffamierende Aufkleber und Schmierereien zu denken, die immer wieder in der Straße rund um sein Wohnhaus auftauchten. Für ihn ein Eingriff in seine Privatsphäre und eine neue Stufe der Eskalation zwischen ihm und den Fans von Tennis Borussia. Viele der Anhänger distanzierten sich zwar von dem Vorfall, führten Protest und Boykott aber fort.

Juli - Rücktritt Redlichs oder doch ein Putsch?

Ende Juli kam es dann zum Höhepunkt des Konflikts zwischen Redlich und der TeBe-Fanszene. In einer Vereinsmitteilung hieß es, Jens Redlich sei als Vorstandsvorsitzender von Tennis Borussia vorzeitig zurückgetreten, sein Amt übernähme Günter Brombosch. Tatsächlich ist Redlichs Name im zuletzt am 24. Juli geänderten Vereinsregister nicht mehr zu finden. Auch andere Führungspositionen wurden neu besetzt. Jens Redlich, der in dieser Zeit in den USA weilte, stritt seinen Rücktritt im Verein ab. "Ich habe nur gehört, dass Menschen die Geschäftsstelle gekapert haben sollen", erklärte Redlich den Machtwechsel bei TeBe und sprach von einem "Putschversuch".

August - Die aktiven Fans kehren ins Mommsenstadion zurück

Am 16. August besuchte die aktive Fanszene von Tennis Borussia erstmals wieder ein Heimspiel ihres Vereins. Sie sahen in der Entmachtung Redlichs eine für sie erfolgreiche Wende des Konflikts. Beendet sehen sie den Konflikt aber weiterhin nicht. Zwar feierten die Fans die Rückkehr ins Mommsen-Stadion und den Sieg ihrer Mannschaft, die Wogen bei TeBe sind aber noch ganz und gar nicht geglättet.

Auch Jens Redlich saß an diesem Freitagabend im August im Charlottenburger Mommsen-Stadion und schaute das Spiel. Er sieht sich übergangen, lehnt die Entscheidungen des Vereins weiter ab und musste sich bei der Gerichtsverhandlung am doch geschlagen geben. Es ist wohl vorerst der letzte Akt: Jens Redlich wird nicht als Vorstandsboss zurückkehren. Somit ist sein Rücktritt vom Rücktritt gescheitert.

Sendung: rbbUM6, 10.09.19, 18:00 Uhr

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