Die Choreographie der Union-Fans zum Heimspiel gegen den BVB. Quelle: imago images/Matthias Koch
Bild: imago images/Matthias Koch

Interview | Filmemacher Nico Schmolke - Union in der Bundesliga: "Die Lust ist größer als die Skepsis"

Der 1. FC Union Berlin hat schon drei Spieltage in der Bundesliga absolviert. Nico Schmolke hat die Fans zu den Spielen begleitet. Was überwiegt unter den Anhängern: Euphorie oder Abneigung gegen den Millionenzirkus? Wir haben mit dem Filmemacher gesprochen.

rbb|24: Herr Schmolke, wie entstand die Idee zu Ihrem Film "Eisern in der ersten Liga"?

Nico Schmolke: Die Grundidee war zu schauen, wie sich bei einem Verein wie Union Berlin, der seine Tradition sehr betont und in den Vordergrund stellt, gewisse Dinge möglicherweise verändern. Den Verein beschäftigt diese Thematik gefühlt schon seit zehn Jahren. In diesem Sommer kam mir dann die Überlegung, filmisch zu zeigen, wie sich die Fußballkultur bei Union möglicherweise durch den Aufstieg in die erste Liga wandelt. Hat das überhaupt einen Einfluss? Wenn ja, was verändert sich?

Wie lief die Protagonistensuche?

Protagonisten für den Film zu finden war einfach. Ich bin zwar kein Unioner, komme aber aus Treptow-Köpenick. Ich bin auf die Schule gegangen, die heute den Chor für das Weihnachtssingen stellt. Viele meiner Bekannten sind also eng mit Union verbunden und konnten Kontakte herstellen. Wirklich losgegangen ist es dann beim DFB-Pokalspiel gegen Halberstadt, als ich mit Fans in einer Köpenicker Kneipe über die Idee zum Film gequatscht habe. Anschließend war ich bei Veranstaltungen in der Alten Försterei. So haben sich Kontakte gebildet.

Auch der Verein war von Anfang an informiert. Union wird natürlich gerade überrannt von Presseanfragen - da besteht ein deutschlandweites Interesse. Daher haben wir für den Film mit dem Verein kaum zu tun gehabt. Sie haben uns aber gewisse Freiheiten gegeben, um eng an der Thematik arbeiten zu können. Wir konnten bei den ersten beiden Heimspielen im Stadion drehen und auch mit Vereinsmitarbeitern und Spielern sprechen.

Entstanden ist ein 30-minütiger Film. Genug Zeit um die Komplexität innerhalb der Union-Fanszene abzudecken?

Natürlich ist es nur ein Einblick in dieses ganze Milieu. Mir ist aber schon aufgefallen, dass die Fans total unterschiedlich sind. Du hast total einfache Leute, die ihr Herz auf der Zunge tragen - wie man so schön sagt - aber auch Leute aus dem akademischen Milieu. Die haben beim Fußball ihren gemeinsamen Nenner gefunden. Klar gibt es aber noch viel mehr Facetten, die ich gar nicht abdecken konnte.

Ich hoffe, es ist trotzdem gelungen, das besondere Klima bei Union zu zeigen. Es geht weniger darum, ein gutes Spiel zu sehen und sich unterhalten zu lassen. Vielmehr gehen Menschen bei Union zum Fußball, um ihre Familie und Freunde zu treffen. Das Ergebnis ist dann fast egal. Die 15 Minuten Standing Ovations nach dem schlechten Spiel gegen Leipzig waren da sicher ein gutes Beispiel.  

Also ist die Freude an der Bundesliga größer als die Skepsis, dass sich der Verein wandeln könnte?

Die Lust ist definitiv größer. Dass neue Teams kommen, dass die Auswärtsfahrer in neue Stadien fahren können. Man nimmt das jetzt mindestens ein Jahr mit, hat dann aber auch kein Problem, wenn es wieder in die zweite Liga gehen sollte. Natürlich gibt es aber auch Skeptiker. Es gibt kaum noch Spieler, die schon vor fünf Jahren bei Union gespielt haben. Geld spielt eine größere Rolle, es gibt einen neuen Hauptsponsor. Ein gewisser Wandel wird also auch bei den Fans gesehen. Es besteht aber ein Grundvertrauen in die Vereinsführung, dass ein Ausverkauf der Vereinsideale nicht stattfinden wird.  

Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Gibt es im Mai einen zweiten Film, in dem Sie die Fans auf dem Weg zum Klassenerhalt verfolgen?

(Lacht) Klar ist eine Fortsetzung eine Überlegung wert. Natürlich muss man aber erstmal gucken, wie dieser Film bei den Zuschauern ankommt. Mich interessiert es, ob sich die Unioner repräsentiert sehen und in dem Film wiederfinden. Ob sich eine Fortsetzung dann mit dem Klassenerhalt beschäftigen würde, liegt an der Mannschaft und muss man abwarten.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jonas Bürgener. Es handelt sich um eine redigierte Fassung.  

Sendung: Eisern in die 1. Liga, 12.09.19, 21:15 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 1.

    Lieber rbb,

    Sie berichten immer in einer Art Lobeshymnen bzw immer sehr positiv über Union. Das erweckt den Eindruck des Verlustes der Neutralität. Die waren einer der wenigen Sender, der erst gar nicht erwähnt hat, das Union Fans beim Union Drachenboot rennen Helfer der dlrg angegriffen haben. Das ist komisch

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