Hertha-Trainer Ante Covic und Spieler Javairo Dilrosun lachen (Quelle: imago images/Metodi Popow)
Audio: Inforadio | 28.09.2019 | Astrid Kretschmer | Bild: imago images/Metodi Popow

Vor dem Spiel gegen Köln - Coach Covic hofft auf beflügelte Hertha

Am Sonntag gastiert Hertha BSC im Kellerduell beim 1. FC Köln. Trainer Ante Covic hofft, dass der erste Saisonsieg gegen Paderborn seine Spieler angespornt hat. Die Anspannung ist aber nach wie vor sichtbar. Von Astrid Kretschmer

Trainer Ante Covic ist ein wenig überrascht - sagt dann aber lachend: "Ja nett, dass sie danach fragen, wie es mir menschlich ging". Für einen kurzen Moment lässt der 44-Jährige den Blick in das Innenleben eines jungen Bundesliga-Trainers zu. Es ging um seinen ersten Saisonsieg als Hertha-Chefcoach - der hat wohl auch bei Covic einige Verkrampfungen gelöst. "Ich glaube jeder, der diesen Job beginnt, weiß, was kommen kann. Man sollte nicht so blauäugig sein und denken, dass es immer in eine Richtung geht. Man muss auch im Sport damit rechnen, dass es im Sport solche Phasen im Leben geben wird. Darauf war ich vorbereitet", gibt Covic zu.

Erster Saisonsieg beflügelt

So eine Phase ist der missglückte Saisonstart des mit viel höheren Erwartungen in die Saison gegangenen Hauptstadt-Klubs. Die ersten drei Punkte gegen den Aufsteiger SC Paderborn am letzten Wochenende - am 5.Spieltag. Erleichterung ja, aber keine Zufriedenheit. "Auffällig ist", sagt Covic, "dass wir uns mehr zutrauen unter der Woche jetzt". Ruhe, durchatmen, weiterarbeiten im Training.

In der Vorbereitung auf das nächste Keller-Duell beim 1.FC Köln (Sonntag, 18 Uhr) gingen seine Profis zum Teil sichtbar aggressiv zu Werke -  da flogen auch mal die Fetzen. "Zwei Tage durchatmen ist menschlich", glaubt Ante Covic. "Wichtig war für mich, dass ab Dienstag, Mittwoch der gesamte Fokus auf Köln liegt. Dass wir eine gute Atmosphäre in der Kabine besitzen ja - aber das darf sich auf dem Platz natürlich nicht widerspiegeln, in dem wir dort Händchen haltend rumrennen", fordert Covic.

Köln soll Herthas neue Aggressivität zu spüren bekommen

Kein "Händchen halten". Die Hertha-Akteure, die das Spiel in die Hand nehmen sollen, bleiben bislang unter ihren Möglichkeiten - wie Grujic oder Duda. Über eine gesunde Aggressivität  sollen auch die zuletzt arg zu kurz gekommenen spielerischen Elemente mehr zum Zuge  kommen. Hertha-Profi Davie Selke spricht aus, was von der Mannschaft erwartet wird. "Ich glaube, von mir und den Jungs wird erwartet, in der Phase einfach Gas zu geben, gegen den Ball zu arbeiten, für die Mannschaft zu ackern, Gras zu fressen", gibt sich der Stürmer  kämpferisch. "Dass man wieder die Lockerheit bekommt, die Leichtigkeit auch auf dem Platz, um unser Spiel dann durchzudrücken", so Selke.

Der Konkurrenzkampf um die Startplätze kommt dem Hertha-Coach da gerade recht. "Dazu dienen diese Trainingseinheiten", erklärt Covic. "Ich glaube, das haben alle Spieler verstanden. Jeder Spieler, der auf dem Platz ist weiß, dass es keine geschenkten Minuten gibt, sondern hart erarbeitete Minuten." Der 1. FC Köln hat auch erst einen Saisonsieg auf dem Konto und sogar noch einen Punkt weniger als Hertha. Wichtig sei, dass der Konkurenzkampf nach wie vor da sei, so Covic, denn am Wochenende werde seiner Mannschaft auch nichts geschenkt.

So lief der Saisonstart für Union und Hertha

Sturm-Flaute bei Hertha

Zuletzt hatte sich das Stürmer-Karussel bei Hertha heftig gedreht. Fünf Spiele und bislang nur ein Tor eines nominellen Stürmers. Dodi Lukebakio hat es in München erzielt, saß gegen Paderborn 90 Minuten auf der Bank. Covic hatte Selke gebracht. Vedad Ibisevic hat momentan die Joker-Rolle. Routinier Salomon Kalou ist abgemeldet.

Covic hofft, dass in Köln der Knoten platzt. Jetzt habe man es geschafft, als Mannschaft Erfolg zu haben, sagt Covic. "Ich hoffe, dass überträgt sich auf die Stürmer, dass die dann mit einer gewissen Leichtigkeit in Köln auftreten und wir Stürmer-Tore dort feiern dürfen", hofft der Trainer. Vieles spricht dabei für einen Startelf-Einsatz von Davie Selke. Hertha könnte erstmal abwartend agieren und auf Konter setzen - dabei könnte Selke dann seine Schnelligkeit ausspielen.

Preetz warnt vor Köln

Hertha-Trainer Covic muss in der Defensive wohl umstellen: Der belgische Innenverteidiger Dedryck Boyata stand nach seinen Wadenproblemen zwar am Freitag wieder auf dem Übungsplatz, sein Mitwirken im Wettkampf aber ist fraglich. Covic erwartet ein "emotionales und umkämpftes Spiel" in Köln. Zumal die Hertha-Verantwortlichen den FC nicht als typischen Aufsteiger einstufen.

Manager Michael Preetz warnt davor, die Kölner nur nach den Resultaten einzuordnen. Köln sei "ein Bundesligist", so Manager Michael Preetz, daran ändere auch nichts, dass sie ein Jahr in der 2. Liga gewesen seien. "Sie hatten den besten Zweitligasturm aller Zeiten", befindet Preetz. "Und auch jetzt haben sie eine Angriffsformation, die mehr als konkurrenzfähig ist".

Covic ist gefragt

Angriff ist die beste Verteidigung - in dieser Gemengelage muss Trainer Ante Covic die bisherige Stürmer-Flaute, das lahmende Mittelfeld und die Erwartungshaltungen intern und extern moderieren. Fest steht: Bei einem weiteren Sieg würde Covic wohl gerne gefragt werden, was das mit ihm persönlich macht. 

Sendung: rbb UM6, 27.09.2019, 18 Uhr

Beitrag von Astrid Kretschmer

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