Urs Fischer gestikuliert am Spielfeldrand. (Quelle: imago images/Bernd König)
Bild: imago images/Bernd König

Union vor der Bundesligapartie in Leverkusen - Die Chance da nutzen, wo eigentlich keine ist

Am Samstag heißt es mal wieder David gegen Goliath. Champions-League-Teilnehmer gegen Aufsteiger. Der 1. FC Union muss nach Leverkusen. Doch der übermächtig wirkende Gegner ist angeschlagen. Die Chance für David auf eine Überraschung.

"Ich werde nie schwach", antwortet Urs Fischer bestimmt und wie aus der Pistole geschossen. Ein Grinsen kann sich der Schweizer dabei trotzdem nicht verkneifen. "Ich bin immer davon überzeugt, wenn ich etwas mache - schwach werde ich sicher nicht." So forsch kennt man den stets besonnen Cheftrainer des 1. FC Union normalerweise nicht. Der 53-Jährige lächelt erneut. Eigentlich hatte ein Journalist bei der wöchentlichen Spieltags-Pressekonferenz nur nach den Einsatzchancen des nach einer Verletzung wiedergenesenen Stürmers Marcus Ingvartsen gefragt - und ob der Trainer bei der Aussicht auf einen Einsatz "schwach werden würde".

Doch Urs Fischer nutzt die Gelegenheit, irgendwie ganz beiläufig, um ein Statement zu setzen. Keines in Richtung Konkurrenz, keines mit großem Getöse. Eines für die anwesenden Journalisten: Ich habe alles im Griff. Und genau diesen Eindruck vermittelt nicht nur der folgende Kurz-Monolog, sondern die gesamte Pressekonferenz. Der Aufsteiger aus Köpenick scheint bereit und gewappnet für den Auswärtskick beim Champions-League-Teilnehmer Bayer Leverkusen.

Parallelen zum Spiel gegen Dortmund

"Ich glaube wir haben gegen große Mannschaften gezeigt, was wir können", berichtet der Fußballlehrer selbstbewusst. Jedem Union-Anhänger werden bei solchen Sätzen wohl die Jubelszenen aus dem Spiel gegen Borussia Dortmund (3:1) wie ein etwas surrealer Spielfilm vor dem inneren Auge ablaufen. Das Stadion An der Alten Försterei stand Kopf - die Sensation und der erste Bundesligasieg waren geschafft. David hatte Goliath ein Bein gestellt. Dass es zwischen der Heimpartie gegen den Vizemeister und der Auswärtspartie beim Vorjahresvierten Parallelen gibt, liegt auf der Hand. Wieder ist Union der krasse Außenseiter. Wieder geht es gegen eine internationale Spitzenmannschaft. Und wieder "erwarten wohl nicht viele, dass wir da was holen", skizziert der Coach die Ausgangslage.

"Da liegt unsere Chance." Es wird also erneut der Klassiker, der Evergreen im Fußball: Groß empfängt Klein - nur dass der Favorit in diesem Fall mit angeknackstem Ego in die Partie geht. Bayer Leverkusen hat nach starkem Saisonstart mit zwei Siegen schon zu Saisonbeginn die Ergebnis-Achterbahn bestiegen. Es folgte nur ein Punkt aus den letzten zwei Partien, darunter die im Endeffekt heftige 0:4-Niederlage in Dortmund. Die Konsequenz: Der Absturz auf den achten Tabellenplatz. Am ersten Spieltag der Königsklasse hagelte es zudem eine unerwartete 1:2-Heimniederlage gegen Lokomotive Moskau. "Ich glaube nicht, dass das einen Einfluss auf Leverkusen hat", relativiert Fischer die Situation beim Gegner. "Sie werden nicht mit gesenktem Kopf auf das Spielfeld kommen." Was soll er auch anderes sagen? Doch dann schiebt er nach: "Wir müssen dafür sorgen, dass es einen Einfluss bekommt." Da blitzt es wieder kurz hervor, das Selbstbewusstsein des Underdogs.

"Wir müssen uns etwas zutrauen"

Immer wieder reibt sich der Schweizer die Hände, als würde er in dieser Sekunde einen Plan aushecken. Doch wer Fischer kennt, der weiß: Der Plan steht schon längst. "Wir müssen als Mannschaft verteidigen", gibt er zu Protokoll. Nun ja, wenig aussagekräftig. Generell lässt sich der Ex-Basel-Coach ungern in die Karten schauen. "Wir müssen uns etwas zutrauen", gibt er als Marschroute vor. Auch diese Aussage eher business as usual. Der Hobby-Angler lobt des Gegners "starkes Umschaltspiel und Wahnsinns-Schnelligkeit". Zwei Akteure werden nicht dabei helfen können, diese Qualitäten in den Griff zu bekommen: Neven Subotic (gesperrt) und Grischa Prömel (verletzt) werden nicht zum Aufgebot gehören. Ansonsten sind alle Mann an Bord. 

2.500 Eiserne werden mit nach Leverkusen reisen. Bislang setzte es gegen Bayer bei zwei Aufeinandertreffen immer Niederlagen. Aber, für Union gilt es eine ganz andere Serie aufrechtzuerhalten. Noch sind die Köpenicker in der Vereinsgeschichte ohne Auswärtsniederlage in der Bundesliga - zugegeben, bislang mussten die Hauptstädter ausschließlich in Augsburg (1:1) antreten. Aber immerhin. Es wird für den 1. FC Union also im Endeffekt darum gehen die Chance dann zu nutzen, wenn es auf den ersten Blick vielleicht gar keine gibt.

Sendung: rbb um6, 19.09.2019, 18 Uhr

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Antwort auf [erwin] vom 20.09.2019 um 09:15
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1 Kommentar

  1. 1.

    tippe mal auf ein 3 zu 0 für LEV

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