Die Union-Spieler bedanken sich nach dem Abpfiff beim Publikum (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Audio: Inforadio | 28.09.2019 | Nikolaus Hillmann | Bild: imago images/Matthias Koch

1:2-Pleite gegen Frankfurt - "Wir sind Union Berlin, wir machen immer weiter!"

Union Berlin erlebt die harte Realität der Bundesliga. Der Verein steckt im Tabellenkeller. Gegen Frankfurt setzte sich die Pleitenserie fort. Anders als in Leverkusen stimmten zwar Einsatz und Leidenschaft - doch an anderer Stelle haperte es gewaltig. Von Johannes Mohren

Es klang fast ein bisschen trotzig. "Wir sind Union Berlin. Wir machen immer weiter. Auch wenn die nächste Niederlage kommt", sagte Marvin Friedrich im Innenraum des Stadions An der Alten Försterei. Minuten nach Schlusspfiff stand er inmitten eines Pulks von Journalisten, die ihm ihre aufnahmebereiten Smartphones entgegenstreckten. Ausgelaugt wirkte er, natürlich auch enttäuscht - und gleichzeitig doch glaubhaft unerschüttert. Das 1:2 gegen Eintracht Frankfurt und die dritte Niederlage in Folge hin oder her.

Ruhe strahlte der 23-Jährige aus. Was er sagte - und wie er es tat -, unterstrich den Köpenicker Realitätssinn. "Wir wissen, wo wir herkommen. Uns war klar, dass die Bundesliga etwas ganz Hartes für uns ist." Er wählte damit am Freitag kurz vor 23 Uhr fast dieselben Worte wie Neven Subotic - der Mann, mit dem er zuvor mehr als 90 Minuten in der Innenverteidigung geackert hatte. "Wir müssen einfach zur Kenntnis nehmen, dass es eine verdammt schwierige Saison sein wird. Das wussten wir schon vorher. Jetzt erleben wir es."

Einsatz und Kampfbereitschaft passen

An mangelnder Leidenschaft hatte es an diesem Abend nicht gelegen. "Wir haben gefightet. Das war Union-like. Davon haben wir immer geredet", sagte Christopher Trimmel. Und es hätte dem Kapitän des Aufsteigers wohl niemand im Stadion widersprochen. Bei der Auswärtsniederlage in Leverkusen war noch eine merkwürdige, ja erschreckende fußballerische Apathie bemängelt worden. Ein frühzeitiges Ergeben in die Niederlage, das danach niemand so wirklich erklären konnte und akzeptieren wollte.

Nun brachten die Köpenicker wieder die Tugenden auf den Platz, die eigentlich zur DNA des Vereins gehören, wie die Hymne von Nina Hagen. Der Einsatz passte, die Kampfbereitschaft auch. Oder um es mit dem Reizwort zu sagen, das in den vergangenen Tagen in kaum einer Debatte fehlte (Marco Reus - "Das geht mir auf die Eier" - möge seine Verwendung verzeihen): Das Team von Urs Fischer zeigte genau die Mentalität, die der Trainer vor der Partie eingefordert hatte.

Ode an die Fußball-Kämpfer

Die Zuschauer machten mit. Lautes Raunen bei jedem Zweikampf. Schnell die ersten Schieber-Rufe aus einer der Ecken von Sektor 3. Es war bei der Freitagabend-Premiere eiserne Flutlicht-Atmosphäre im allerbesten Sinne. Die Spieler in Rot-Weiß teilten aus und steckten ein. So wie Ken Reichel, der nach wenigen Sekunden demonstrierte, dass Union auch schmerzhaften Situationen nicht gedachte aus dem Weg zu gehen: Auf der linken Seite hatte er erst unangenehmen Kontakt mit dem Gegner und dann mit dem Rasen - aber eben auch einen Freistoß rausgeholt.

Wir haben gefightet. Das war Union-like. Davon haben wir immer geredet.

Christopher Trimmel, Kapitän von Union Berlin

Überhaupt wurde zunächst mehr Fußball gerummst als gespielt. Es war nichts für Ästheten des Sports. Ganz sicher jedoch eine Disziplin, in der Subotic, Trimmel und Co. das bessere von zwei Teams waren, die beide nicht zurücksteckten - und so die Anfangsphase dominierten. Es wäre nun die Grundlage, eine Ode an die Köpenicker Fußball-Kämpfer zu schreiben. Sie ist vielfach geschrieben worden. Und sie hätte fraglos auch ein weiteres Mal ihre Berechtigung.

Fußballerisch dringend ausbaubedürftig

Doch zu Punkten reichte es nicht. Schade eigentlich für Union. Es macht die Sache deutlich komplizierter, denn es ist der (auch zuvor schon erbrachte) Beweis dafür, dass Mentalität alleine oft nicht genügt. So waren es fußballerische Unzulänglichkeiten, die die Köpenicker ab und an defensiv in Bredouille brachten und noch deutlich öfter - und augenscheinlicher - auf dem Weg nach vorne ausbremsten. Versprungene Bälle und ungenaue Pässe beim Einzelnen, aber auch fehlende Abstimmung im Team.

"Wir müssen die ganze Energie und Kraft, die wir haben, in einen Spielfluss bringen", sagte deshalb auch Subotic. "Ich glaube, dass das der nächste Schritt in unserer Entwicklung sein muss, damit wir auch in der Bundesliga bestehen." Mit sechs Toren aus sechs Spielen - allein drei davon im Spiel gegen Dortmund - ist die Trefferquote ausbaufähig. "In der Offensive haben wir sicherlich noch Potenzial, um als Mannschaft wachsen zu können. Wir haben uns wenige Chancen wirklich zu Ende herausgespielt."

Mehr Mut - und das schon früher?

Gegen Frankfurt hieß es lange Zeit: Sebastian alleine im Sturm. Der Schwede - Nachname Andersson - Unions torgefährlichster Mann, rieb sich auf. "Seb hat gefühlt 300 Zweikämpfe gewonnen. Er war quasi Verteidiger, nur dass er vorne gespielt und die Bälle gehalten hat", sagte Subotic. Immer wieder erreichten ihn lange Bälle. Immer wieder schirmte er sie gegen die Verteidiger ab. Doch für eine sinnvolle Weiterleitung und den - schnellen - Weg nach vorne, fehlten meist die Anspieloptionen. Zum einen, weil die offensiven Außen oft lahmten. Zum anderen, weil Christian Gentner zwar regelmäßig auf der Zehner-Position auftauchte, aber in dieser Rolle nicht glücklich wurde. 

Was möglich wäre (aber natürlich mehr Risiko bedeutet), zeigte sich, als das Spiel fast schon verloren war. Nach den Toren von Bas Dost (48.) und André Silva (62.) brachte Urs Fischer neue Sturm-Power. Erst kam Sheraldo Becker, kurz darauf auch Anthony Ujah. Und plötzlich häuften sich die Abschlusssituationen, der Druck wuchs - und Ujah traf (86.).

"Wir sind Union. Wir machen immer weiter."

Der Mut der letzten Viertelstunde könnte dabei als Orientierung dienen: Damit - im Idealfall - zu Einsatz und Leidenschaft künftig auch offensiver Spielfluss und Tore kommen. 

Sendung: rbb UM6, 28.09.2019, 18 Uhr

Beitrag von Johannes Mohren

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