Bob Hanning zeigt sich an der Seitenlinie enttäuscht über die Leistung der Füchse gegen Minden. Quelle: imago inmages/Bernd König
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Video: rbbUM6 | 05.09.19 | 18:00 Uhr | Sebastian Meyer | Bild: imago images/Bernd König

Füchse unterliegen Minden - "Es war das schlechteste Spiel in den letzten 15 Jahren"

Im Spiel gegen den bis dahin sieglosen TSV GWD Minden erlebten die Füchse Berlin den Tiefpunkt eines bisher ohnehin ernüchternden Jahres. Die Mannschaft enttäuschte maßlos. Auch mit etwas Abstand fällt das Urteil von Manager Bob Hanning verheerend aus.  

Die Blicke der Handballer der Füchse Berlin waren leer - mit 25:29 verlor die Mannschaft von Velimir Petkovic am Mittwochabend nach einem schlechten Auftritt gegen den TSV GWD Minden, der in Berlin seinen ersten Saisonsieg feierte. Velimir Petkovic und Bob Hanning fanden bereits nach dem Spiel deutliche Worte, übten massive Kritik an der Mannschaft. Auch am Tag nach dem Partie sind der Frust und die Enttäuschung beim Füchse-Manager noch nicht vergangen.

rbb|24: Bob Hanning, gegen Minden ist eine Menge schief gelaufen. Nach dem Spiel waren Sie beinahe sprachlos. Wie groß ist der Frust über die gezeigte Leistung am Tag nach dem Spiel?

Hanning: Der Ärger ist riesengroß. Auf der einen Seite ist man traurig, auf der anderen Seite wütend über das, was man sehen musste. Bei uns hat gar nichts gepasst. Es passiert natürlich mal im Sport, dass es zu solchen Ereignissen kommt. Trotzdem war es in den letzten 15 Jahren das schlechteste Spiel, das ich erleben musste. Mit Ausnahme eines jungen Spielers, Tim Matthes, war es ein Offenbarungseid aller anderen - es ist so nicht hinnehmbar, wie die Mannschaft aufgetreten ist.

Wie erklären Sie sich den schlechten Auftritt des Teams?

Ich muss ganz ehrlich sagen: Man kann sich das gar nicht erklären. Wir waren in einer Situation, in der keiner in der Lage und bereit war, entgegenzusteuern. Es war über die Abwehr, den Gegenstoß, bis zum Angriff einfach nur schlecht. Es gab ganz, ganz wenige gute Lösungen im Spiel: Die Wurfkraft aus dem Rückraum war nicht existent, die technischen Fehler haben sich damit verbunden gehäuft, was zu Gegenstoßtoren geführt hat. Insgesamt sorgt das natürlich für Frust innerhalb der Mannschaft. Jeder versucht etwas und trotzdem rutscht man in eine Art Treibsand hinein und kommt da nicht mehr heraus. Wir müssen akzeptieren, dass so etwas im Sport manchmal passiert, trotzdem ist es für uns nicht akzeptabel.

Die Saison ist erst drei Spiele alt. Man konnte aber auch erst einen Sieg feiern. Wie groß ist die Hoffnung, die Wende zu schaffen?

Ich sehe vor allem kritisch, dass die Leistungen in der Rückrunde der vergangenen Saison oft ähnlich schlecht waren - deshalb sehe ich die Situation noch ein wenig problematischer. Wir haben gedacht, dass wir durch Umstellungen und Transfers mehr Stabilität in die Mannschaft bekommen. Das ist uns leider bis jetzt nicht gelungen und macht uns Sorgen. Wir hoffen alle, dass die Mannschaft jetzt eine Reaktion zeigt und wir auch Verbesserungen durch Gespräche erzielen.  Glücklich sind wir aber alle nicht und wenn ich ehrlich bin, habe ich auch keinen Plan für die nächsten Wochen. Wir suchen natürlich nach Lösungen, hoffen aber auch einfach, die Wende zu schaffen.

Nach dem Spiel kritisierten Sie vor allem die Leistungsträger und erfahrenen Spieler, die es eigentlich aus ihren Nationalmannschaften gewohnt sein müssten, voranzugehen. Auch die Jugend würde sich nicht genug anbieten. Sehen Sie die Team-Chemie bei den Füchsen in Gefahr?

Dass die Stimmung innerhalb der Mannschaft stimmt, kann ich klar bestätigen. Das haben auch die Gespräche mit der Mannschaft gezeigt. Uns nützt aber keine gute Stimmung, wenn wir auf der Platte keine Leistung zeigen. Natürlich erwarten wir von Nationalspielern wie Paul Drux oder Fabian Wiede, dass sie unsere Mannschaft führen. Fabian Wiede muss uns zeigen, dass er unser Leader ist und wir keinen neuen Leader holen müssen. Das habe ich ihm so auch gesagt. Es muss an einigen Stellschrauben gedreht werden. Jeder einzelne muss an sich arbeiten und probieren, die Situation zu verbessern. Wenn das nicht hilft, müssen wir nach anderen Lösungen suchen. Wir dürfen in dieser Krisensituation nicht die Nerven verlieren. Wenn ich allerdings merke, dass nicht alle für eine Änderung arbeiten, wird es in Berlin sehr ungemütlich werden.

Am 1. Januar beginnt bei den Füchsen die Amtszeit von Sportvorstand Stefan Kretzschmar. Gemeinsam soll der nächste Schritt gegangen werden. Jetzt geht es erst mal in die falsche Richtung. Wie wird Stefan Kretzschmar den Füchsen helfen?

Wir werden uns perfekt ergänzen. Natürlich sind wir bereits jetzt im engen Austausch über Dinge, die in der derzeitigen Situation geändert werden müssen. Stefan war nach dem Spiel gegen Minden schon bei der Mannschaft in der Kabine, er hat sich dem Team vorgestellt. Dieses erste Treffen haben sich natürlich alle anders vorgestellt. Solche schwierigen Situationen haben aber natürlich auch ihren Reiz. Wenn man Großes bewegen will, muss man auch solche Krisen meistern. Wie so oft im Leben können diese Dinge auch viel Positives bewegen. Ich sehe also auch eine Chance, bei der ich mich freue, sie mit Stefan angehen zu können. Die Zielsetzungen für die Saison sind trotz des schlechten Starts und des fürchterlichen Spiels gegen Minden weiterhin die gleichen.

Wie lange geben Sie sich und Ihrer Mannschaft noch, bis eine Wende erkennbar sein muss?

Ich will das nicht in Zeitfenstern fassen. An dem Tag, an dem ich das Gefühl habe, dass es keinen Sinn macht, mit dem einen oder anderen Spieler in die Verlängerung zu gehen, werde ich handeln. Das kann heute, morgen oder in vier Wochen sein. Ich will sehen, dass wir gemeinsam aktiv aus dieser Situation herauskommen. Ich weiß auch gar nicht, ob wir schon auf dem Boden angekommen sind. Wir haben ja noch ganz andere Spiele in der Bundesliga zu bewältigen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Sebastian Meyer. Es handelt sich um eine redigierte Fassung.

Sendung: rbbUM6, 05.09.19, 18:00 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Ganz genau, dieses Desasterspiel war der Höhepunkt einer langen Reihe von Füchse-Vorstellungen in diesem Jahr, bei denen man oft nicht mehr hinsehen wollte. Zum Beispiel die Partie gegen Wetzlar am letzten Spieltag der vergangenen Saison, bei der es um nicht weniger als die Quali für den EHF-Cup ging. Für so etwas trägt ein Trainer die Verantwortung, das ist ganz glasklar und ich bin mir sicher, da wird auch was passieren.
    Petko - bei seiner Verpflichtung ein Volltreffer und menschlich total sympathisch - scheint mit seinem autoritär-emotionalen Stil nun doch etwas aus der Zeit gefallen. Jedenfalls hat in diesem Jahr das Team unter seiner Verantwortung eine spielerische Entwicklung genommen, die den ständig formulierten Ansprüchen nicht gerecht wird. Was mich nebenbei interessiert : Hat die komische Lösung mit zwei Torhütern auf der Bank etwas mit der Stimmung im Team zu tun ? Heine ist ja doch recht ausdrucksstark, auch wenn er nichts sagt ...

  2. 2.

    Wie kann man bei einem solchen Desaster nur am Trainer festhalten? Seit der letzten Saison geht es bergab - von Petko kommen keinerlei neue Impulse, immer nur Geschwafel von "weiter so" und "Flensburg und Kiel angreifen". Es ist zum Heulen.
    Petkos Vorgänger wurde entlassen, als die Füchse richtig gut dastanden, aber nicht so schön spielten. Wo sind da die Maßstäbe? Trainerwechsel jetzt!

  3. 1.

    Vielleicht sollte man mal den Trainer hinterfragen. Er ist in erster Linie für die Leistung der Mannschaft verantwortlich. Und mit der Leistung geht es ja schon seit langem bergab.

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