Collage: Neben dem Flughafen Tegel ist ein Entwurf des geplanten Hertha-BSC Stadions platziert (Bild: imago/GünterSchneider/Hertha BSC | Collage: rbb24/Dave Rossel)
Audio: Inforadio, 06.09.2019, Sebastian Schöbel | Bild: imago/GünterSchneider/Hertha BSC | Collage: rbb24/Dave Rossel

Pläne für neues Stadion - Hertha gibt Tegel doch noch eine (kleine) Chance

Hertha und Union verfolgen beide ambitionierte Stadion-Pläne. Doch vor allem Hertha kommt dabei kaum voran. Nun saßen beide Vereine zusammen im Abgeordnetenhaus, zum Bürgerdialog. Am Ende formierte sich eine ungewöhnliche Allianz. Von Sebastian Schöbel

Fragt man Dennis Buchner, den sportpolitischen Sprecher der SPD, ist die Debatte über ein neues Hertha-Stadion im Olympiapark eigentlich beendet: Weil das vom Verein favorisierte Grundstück einer Genossenschaft nicht mehr zum Verkauf steht, so Buchner. "Und weil es aus Sicht des Senats und des Abgeordnetenhauses kein weiteres Grundstück im Olympiapark gibt, wo man dieses Stadion bauen kann."

Herthas Fans fühlen sich benachteiligt

Viele der Teilnehmer, die am Donnerstag zu Buchners sportpolitischem Dialog ins Abgeordnetenhaus gekommen sind, sehen das allerdings anders. Sie tragen die blau-weißen Vereinsfarben der Hertha und fühlen sich ungerecht behandelt. "Für mich sollte ein Sportausschuss Hertha und Union unterstützen, in allen Belangen", sagt ein älterer Hertha-Fan. Der sympathische kleine Aufsteiger in Köpenick habe es mit seinem Stadion-Ausbau allerdings gerade deutlich einfacher in der Politik als die Alte Dame mit ihrem Stadionbau in Westend - so jedenfalls lautet der unausgesprochene Vorwurf. "Und das hinterlässt bei mir den Eindruck, dass es besonders Hertha trifft", so der Fan.

Dass im Olympiapark kein Platz für eine moderne Fußballarena sein soll, wollen viele der Hertha-Fans im Saal 376 nicht glauben. Auch das Argument, dass der Denkmalschutz im Olympiapark Vorrang haben muss, akzeptieren sie nicht. Im Gegenteil: Eine moderne Arena könne doch genau der Impuls sein, den das verstaubte, marode Gelände braucht, meint eine Frau im Hertha-T-Shirt.

Der Bebauungsplan des Berliner Flughafen Tegel. Die grau-makierte Fläche zeigt, laut Plan, noch freie Fläche auf dem Flughafengelände (Quelle: rbb|24/ Mappa Pro)
| Bild: rbb|24/ Mappa Pro

Teichert: Beim Stadion ist Hertha immer auf dem Abstiegsplatz

Klaus Teichert, Chef der Hertha Stadion GmbH, hört aufmerksam zu, manchmal lächelt er und nickt. Er ist für Herthas geplante neue Arena zuständig - an diesem Abend hat er im Abgeordnetenhaus mehr Fürsprecher als sonst.

Der Verein brauche das neue Stadion dringend, sagt Teichert: für eine bessere Stimmung genauso wie für die Wirtschaftsbilanz. "Ob wir vorne spielen oder gegen den Abstieg, unser Stadion hat immer 60 Prozent Auslastung." Zu wenig also, und das wirke sich negativ auf die Wachstumschancen des Bundesligisten aus. In einem kleineren, engeren Stadion wäre das anders, so Teichert. Und so ein Stadion sei eben am besten im Olympiapark zu realisieren: Ideale ÖPNV-Anbindung durch die S-Bahn und eine gewohnte Umgebung seit den 1960er Jahren. Jetzt brauche man eben nur noch Einigkeit beim Baugrundstück, so Teichert. "Dieses Einvernehmen versuchen wir nach wie vor herzustellen und werden darin auch nicht nachlassen."

Hertha hat zu viel Platz, Union zu wenig

Im Berliner Abgeordnetenhaus sehen das die meisten Parteien allerdings ganz anders. Der Berliner Senat, allen voran Sportsenator Andreas Geisel (SPD), will lieber über den Standort Flughafen Tegel reden: Ist der Flugbetrieb dort erstmal eingestellt, soll hier ein ganz neues Quartier entstehen. Und eventuell auch mit einem neuem Hertha-Stadion. Teichert ist skeptisch. Weder sei die nötige ÖPNV-Anbindung geklärt, noch die Verträglichkeit mit den hier geplanten Gewerben und Wohnhäusern.

Christian Arbeit, Sprecher von Union Berlin, hört sich das alles weitgehend schweigend an. Sein Verein hat ganz andere Probleme. "Das ist jetzt schon eine relativ dramatische Situation", erklärt er. "Weil wir alle 14 Tage Tausende Menschen enttäuschen, die gerne kommen würden, aber keine Karten kriegen." Denn wo Hertha das "Oly" zu groß ist, ist das Stadion an der Alten Försterei für Union Berlin zu klein. Über den Ausbau verhandelt der Aufsteiger schon lange mit der Politik. "Liebe Herthaner, glaubt mir", sagt Arbeit. "Auch wir als Unioner hatten Phasen, wo wir dachten, alle sind gegen uns, keiner will uns helfen." So wie einst beim Standort für das geplante Nachwuchsszentrum der "Eisernen": Ein jahrelanger, nervenaufreibender Prozess, der bis heute nicht abgeschlossen ist. Einen Standort hat man schließlich gefunden, gebaut aber wurde bislang nicht.

Ein "eiserner" Kompromissvorschlag

Aber dann hat ausgerechnet der Unioner Christian Arbeit einen Ratschlag für den Herthaner Klaus Teichert und die Fans des Clubs. "Am Ende kann es einen schmerzhaften Punkt geben, an dem man feststellt: Ich kann noch so verliebt sein in mein Idealszenario, und es kann noch so sinnvoll sein, aber es geht nicht und ich kann es nicht durchsetzen. Und dann kommt man nur weiter, wenn man neu denkt."

Ob die Hertha dafür schon bereit ist? Vielleicht, deutet Stadion-Chef Klaus Teichert an: Man werde sich den Standort Tegel jetzt nochmal anschauen und mögliche Lösungen für den Verkehr genau analysieren. Und der Senat solle mal sagen, wo genau Hertha in Tegel bauen könnte.

Also, rein theoretisch.

Union und Hertha: Im Ringen mit der Politik vereint. Klingt fast ein bisschen zu harmonisch. Zum Glück ist in knapp zwei Monaten das Derby.

Kommentar

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Antwort auf [Steppenwolf] vom 06.09.2019 um 17:30
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42 Kommentare

  1. 41.

    Würde ich mittlerweile auch fast befürworten, auf jeden Fall nicht weiter von dem Senat vorführen lassen.
    Schade so kann man die Fussballwirtschaft auch zusammenbrechen lassen.
    Ich wäre ja für Nord-Ost Brandenburg :)

  2. 40.

    Wenn man das Stadion im westlichen Teil des Flughafens plant, könnte man doch mit der Reaktivierung der Siemens-Bahn einen Anschluss an den ÖPNV schaffen, entweder mit Shuttlebussen vom BHF Gartenfeld oder man plant gleich noch eine Verlängerung der Strecke bis zum Flughafengelände.

  3. 39.

    Berlin fördert zwar den Breitensportler, hat aber nie wirklich verstanden, dass Profivereine auch Wirtschaftsunternehmen sind. Da hapert es mit der Unterstützung. Hertha will ein eigens Stadion und wird es auch bauen. Es geht nun darum, ob Berlin den Verein unterstützt oder nicht. Diese klare Aussage erwarte ich vom Senat. Die bisherigen Aussagen sind alle viel zu weich. Und Hertha muss einen eigenständigen plan entwickeln. Ich würde etwas konkretes mit Brandenburg planen, weil ich mal davon ausgehe, dass der Senat Hertha hängen lässt. Dann soll sich eben Hertha als ein Verein für Berlin-Brandenburg vermarkten. Ein Verein für die Region.

  4. 38.

    Na klar... die vierköpfige Familie samt Gepäck für drei Wochen Urlaub nimmt den ÖPNV. Wovon träumen Sie sonst noch? Die Leute werden mit dem PKW oder einer Taxe dorthin gebracht. Muss nicht das eigene Auto sein. Aber in den Öffi sind eher die Leute mit dem Handgepäck, in der Hauptsaison ist Chaos.

  5. 37.

    Das wäre vor zwanzig Jahren noch möglich gewesen, jetzt ist im Umfeld sehr viel neuer (teilweise hochpreisiger) Wohnraum entstanden. Leider wollen die neuen Bewohner gerne zentral wohnen, aber mit der Ruhe ihrer heimatlichen Dörfer.. ALSO: no way, keine Chance!

  6. 36.

    Tegel erhalten und Hertha raus aus Berlin.
    Und weiter....

  7. 35.

    Ich würde auf dem Dreieck nördlich der s-Bahn-Station bornholmer Brücke das Stadion errichten.

  8. 34.

    Ich halte nach wie vor, einen "Neubau" des Post-Stadions nähe dem Hauptbahnhof für die beste Option - auch für An- und Abreise von Fans aus anderen Städten. Zudem würde der zentralere Standort auch mehr Zuschauer ins Stadion bringen, die evtl. den langen Weg scheuen. Mittags shoppen, Einkauf am Hbf. wegschließen und nachmittags zu Hertha ins Stadion, warum nicht?

  9. 33.

    Dann schauen Sie sich auch einmal die Passagierzahlen der von ihnen genannten Flughäfen an.
    An diese Passagierzahlen wird Berlin nicht in Jahrzehnten heranreichen und warum?
    Weil diese Flughäfen Drehkreuze ihrer nationalen Fluglinien sind!

    Der Flughafen BER wird hervorragend durch den ÖPNV erreichbar sein: S-/Regional- und Fernbahn werden direkt unter dem Terminal halten.
    Deswegen muss man nicht mit dem Pkw- wie jetzt in Tegel- anreisen!

  10. 32.

    Na dann schlagen Sie doch mal vor, wie Sie sich Herthas Arbeitsweise vorstellen. Sie stempeln Herthas Suchen nach einem geeigneten Grundstück als Arbeiten für die Tonne ab. Also müssten Sie die Arbeit komplett einstellen bzw. nach Brandenburg gehen, da es auf den ersten Blick keinen geeigneten Standort in Berlin gibt? Sollte man aufhören, nach einem Kompromiss zu suchen?
    Wahrscheinlich hat man bei Hertha mit etwas mehr Loyalität/Dankbarkeit seitens des Senats gerechnet, dafür, dass man über Jahre das Olympiastadion am Leben gehalten hat.
    Ich sage nicht, dass Hertha alles richtig gemacht hat. Vor allem in der Kommunikation lief einiges schief. Aber mMn ist der Senat in dem Thema nicht an einem Kompromiss interessiert.

  11. 31.

    Sie haben ja schön aufgelistet, was die Hertha so alles gemacht hat. Und zwar für ein Grundstück welches nicht zur Verfügung steht/ stand. Wenn man so viel für die Tonne arbeitet, weil man die Gegebenheiten nicht akzeptieren will, zeugt das für mich von einer schlechten Arbeitsweise.
    Man muss damit rechnen, dass Politiker nicht so beschränkt sind, wie manch einer denkt. Ein paar Gutachten, dass (so gut wie) alle anderen Standorte unmöglich sind, reicht dann halt doch nicht aus um seine Wünsche durchzusetzen.
    Auch das Thema Tegel, was ja nicht erst seit dem o.g. Treffen Thema sein sollte, wird ehr als Argumentation für das eigene Wunschszenario genutzt.
    Sollte es tatsächlich unterschiedliche Herangehensweisen des Senats gegenüber der beiden Vereine geben, was ich bestreite, auch weil die beiden derzeitigen Situationen und Pläne bzgl. der Stadien überhaupt nicht zu vergleichen sind, kann das höchstens an der schlechteren Zusammenarbeit mit dem Senat liegen. Arbeitsweise.

  12. 30.

    Mal abwarten, der Senat bekommt noch nicht mal die Planung der U Bahn zun sxf oder Märkische Viertel hin, da träumen Sie schon von einer Verkehrsinfrastruktur am alten TXL, träumen Sie mal weiter, Ihre Enkel werden das vielleicht erleben

  13. 29.

    Das ist richtig. Aber ich glaube, es macht einen Unterschied, ob man ein "normale" Verkehrsanbindung baut, oder eine, die jedes zweite Wochenende ca. 55.000 Menschen innerhalb von 4 Stunden hin und her transportieren muss. Im Olympiapark besteht diese Infrastruktur. Würde Hertha dort verschwinden, würde diese dort wahrscheinlich zurückgebaut werden. Alles Kosten, die man sich sparen könnte...

  14. 28.

    Was ich noch vergessen habe: Hertha hat dem Senat sogar angeboten, ein Nutzungskonzept für den gesamten Olympiapark zu erstellen. Hertha ist also bereit, die Arbeit des Senats zu übernehmen. Muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen.

  15. 26.

    Hallo Palimmm,
    der Senat hat Hertha nicht Tegel vorgeschlagen. Der Innensenator hat in einem Zeitungsinterview Tegel ins Spiel gebracht. Eine Absprache mit dem Senat hat nicht stattgefunden. Von allen mit der Nachnutzung betrauten Stellen kam sofort: Ist nicht möglich!
    Und einfach in der Zeitung etwas erzählen ist für sie "nachweisliche Unterstützung" für eine Investition von rund 300 Mio €?

  16. 25.

    Ich glaube, die wenigsten kritisieren hier Union, sondern wenn dann eher die unterschiedliche Herangehensweise des Senats in Bezug auf die beiden Fußballvereine.
    Aber warum Sie nun die Arbeitsweise der Hertha kritisieren, verstehe ich auch nicht ganz. "Union arbeitet an Lösungen", "Hertha schmollt". Hertha hat dem Senat alles angeboten, was sie verlangt haben: eine Fertigstellungsgarantie, eine Konkurrenzklausel würden sie unterschreiben, ein Ausweichgrundstück für die Mietwohnungen wurde angeboten (die der Senat aber ausgeschlossen hat, weil es eine "geschützte Grünfläche" sei, was sie jedoch bei anderen "geschützten Grünflächen, die nun bebaut sind, ziemlich wenig interessiert hatte). Alles erfüllt, und trotzdem eine Absage. Nun wird sogar der Vorschlag Tegel, der mMn eher eine Nebelkerze des Innensenators ist, ernsthaft geprüft.
    Und nun kommen Sie: was soll Hertha denn noch machen?

  17. 24.

    Ich hoffe für Hertha, dass die dortigen Verantwortlichen nicht auf die selbe Weise denken.

    Einen Standort zu finden ist Hauptaufgabe der Hertha. Der Senat untertsützt hierbei nachweislich, indem z. B. Tegel vorgeschlagen wird. Das hat aber mal so überhaupt nichts mit Union zu tun. Sie sollten als Anhänger der erste sein, der die verantwortlichen Personen bei Hertha und ihre Arbeitsweise kritisch hinterfragt.

    Wenn Sie solche Themen bewerten wollen, sollten Sie sich allerdings zunächst eine sachliche Betrachtungsweise aneignen. Sie kritisieren, dass Union Sportförderung erhält. Sollte die Hertha diese nicht erhalten, dann sind in erster Linie die Verantwortlichen der Hertha zu kritisieren, eventuell der Senat, aber keinesfalls Union.

    Wenn man beim Thema Stadion aber unbedingt eine Konkurrenz zwischen Hertha und Union herbeireden will, kann man das höchstens durch einen Vergleich der Arbeitsweisen tun: Union arbeitet an Lösungen/ Gutachten, Hertha schmollt öffentlichkeitswirksam.

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