Fans von Blau-Weiß 90 in der vergangenen Oberliga-Saison. / imago images/Sebastian Wells
Bild: imago images/Sebastian Wells

Landespokal gegen den BAK - Blau-Weiß ist heiß

Blau-Weiß 90 war einmal der erfolgreichste Fußballclub Berlins. Doch in den 1990ern kam die Pleite. Inzwischen trägt der Nachfolgeverein wieder den traditionsreichen Namen, spielt an historischem Ort. Nun will er sich im Landespokal behaupten - gegen den BAK. Von Johannes Mohren

Es war nicht einfach irgendein Umzug für Blau-Weiß 90 Berlin. "Für uns fühlt sich das schon ein bisschen so an wie eine Rückkehr zu den Wurzeln", sagt Michael Meister. Seit dieser Saison spielt der Oberligist im Volksparkstadion Mariendorf und dort wird er auch den Berliner AK im Landespokal empfangen (Samstag, 13 Uhr). Es ist ein Ort, der bei den Blau-Weißen etwas auslöst, auch bei ihrem Vorsitzenden. Die Tradition und die glorreichen Erinnerungen des Clubs, der sich Mitte der 80er Jahre bis in die erste Liga spielte, werden auf den umwaldeten Rängen greifbar - und das, obwohl er zu dieser Zeit letztendlich nie dort gespielt hat.

Anfang der 90er Jahre war genau dieses Stadion umgebaut worden: für Blau-Weiß 90 - Bundesligist der Saison 1986/87 -, der damals in der zweiten Liga spielte. Es sollte vor fast drei Jahrzehnten bereits das Zuhause werden, das es nun ist. Doch bevor der Verein überhaupt einziehen konnte, war er tot. Im wahrsten Sinne des Wortes. Die finanzielle Realität traf die chronisch blanken Mariendorfer hart. Die Lizenz war weg. Der Konkurs war nicht mehr abzuwenden. Und der Club wurde aus dem Vereinsregister gelöscht. Ende, aus, Geschichte.

"Wir sind heiß auf Blau-Weiß!"

Es ist nun also gewissermaßen ein Kreis, der sich schließt. "Wir sind jetzt da, wo wir eigentlich vor 30 Jahren mal hinwollten", sagt Meister - zumindest mit Blick auf das Stadion. Sportlich sind die Zeiten Vergangenheit, in denen Blau-Weiß 90 phasenweise die Nummer eins in Fußball-Berlin war - und abseits des Spielfelds bundesweiten Glamour versprühte. Unvergessen, ja legendär ist der Auftritt im "Aktuellen Sportstudio". In einer Zeit, in der sich auch die Nationalmannschaft noch regelmäßig mit zweifelhaften Ergebnissen ins Tonstudio verirrte, sang das Team vor Millionen TV-Zuschauern: "Wir sind heiß auf Blau-Weiß."

Nun sitzen auf den Tribünen des Volksparkstadions Mariendorf, die in den 90er Jahren errichtet wurden, um es zweitligatauglich zu machen, an den Wochenenden einige hundert Zuschauer und gucken Spiele der Oberliga Nordost. Die Gegner heißen Ludwigsfelde, Seelow oder Staaken. Und die Gegenspieler haben nicht mehr die Qualität wie im letzten Zweitliga-Jahr 1991/92. Da sahen die Fans von Blau-Weiß Mario Basler oder Bernd Hollerbach. Beim Blick zurück scheint die Gegenwart ernüchternd, in Wahrheit ist sie durchaus ein Erfolg.

Denn der Neustart nach dem Bankrott begann ganz unten in der Kreisliga C. Und als Michael Meister vor einigen Jahren als Vorsitzender übernahm, kickte das Team in der Landesliga. Es hieß auch nicht Blau-Weiß 90, sondern - seit der neuen Vereinsgründung 1992 - SV Blau Weiss Berlin. Die Traditionslinien waren sowohl im Namen als auch im Vereinsleben reichlich verwischt.

Der einst stolze Bundesligist gab ein ähnliches Bild ab wie seine Geschäftsstelle. "Sie sah jahrelang aus wie eine Baustelle", sagt Meister, "da wurde geraucht und Bier getrunken und gleichzeitig stand da ein Vater und wollte seinen Sohn anmelden. Das sind Situationen, die so nicht gehen."

Inzwischen ist die Geschäftsstelle renoviert - und das Innenleben des Vereins sei es auch, sagt Meister: "Blau-Weiß war auch zu Bundesliga-Zeiten schon im Vergleich zu Hertha BSC oder TeBe kein großer Verein, sondern klein und familiär. Und genau das kommt inzwischen wieder hoch. Wir sind auf einem guten Weg, dass man sich wieder wohlfühlt - und mit dem Club identifiziert."

Die Tribüne des Volksparkstadions in Mariendorf. / privat
Die Tribüne des Volksparkstadions Mariendorf. | Bild: privat

"Andere Fantasien entwickeln"

Ein Club, der nun auch wieder so heißt, wie vor der Pleite. 2015 erhielt er den alten Namen zurück. Es ist eine Rückbesinnung, die gleichzeitig Zukunftsvisionen beflügelt, so wie eben auch der Einzug ins Volksparkstadion. "Das Ganze hat einfach einen etwas professionelleren Charakter. Dementsprechend bewegen sich alle auch ein bisschen anders - und es erlaubt sich, wieder andere Fantasien zu entwickeln", sagt Meister.

Doch er ist kein Träumer. Sie wissen bei Blau-Weiß 90 nur allzu gut, wohin das führen kann - es ist Teil der Club-DNA. Bislang trägt Meister die finanziellen Lasten fast alleine. In der Oberliga geht das für den Unternehmer noch. "Bei uns sind alle per Mini-Job beschäftigt. Sie kriegen ordentliche Prämien - das war's dann aber auch", sagt er. In der Regionalliga sind die Gehaltsstrukturen andere, "wenn ich da was reißen will, braucht es Vollzeit-Fußballer. Und das ist dann vier bis fünf Mal so teuer." Der Wille zum Aufstieg ist durchaus da - das Geld nicht. "Wir suchen Investoren und Sponsoren", sagt der Vorsitzende. Einfach ist das nicht. "Und wir wollen nur etwas Seriöses."

Ich bin davon überzeugt, dass wir uns da nicht abschlachten lassen.

Michael Meister

Berliner AK "der klare Favorit"

Wie sich Regionalliga anfühlt, wird Blau-Weiß 90 am Samstag im Landespokal spüren, wenn der Berliner AK ins Volksparkstadion Mariendorf kommt. Ein ambitionierter Club mit dem öffentlich formulierten Ziel dritte Liga, der zuletzt aber strauchelte - und seinen Trainer entließ. Die Vorfreude bei Meister & Co. tut das keinen Abbruch. "Ein absolutes Highlight. Es ist nur schade, dass es so früh kommt. Wir würden nämlich gerne weit im Pokal kommen."

Denn auch da ist er Realist. 19:1 hatte Blau-Weiß in der ersten Runde den B-Ligisten Al-Kauthar weggefegt. Nun sind sie selbst die Kleinen - und ein Weiterkommen ist eher unwahrscheinlich. "Es wird schwer, läuferisch dagegenzuhalten." Amateure treffen auf (Halb-)Profis und damit auch vier Mal Training am Feierabend auf teils zwei Trainingseinheiten pro Tag. Da gibt es keine Ansagen von Meister - und die Ziele werden bewusst zurückhaltend formuliert: "Ich bin davon überzeugt, dass wir uns da nicht abschlachten lassen." Blau-Weiß ist heiß.

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Beitrag von Johannes Mohren

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