Spieler der türkischen Nationalmannschaft jubeln nach einem Tor mit dem Salut-Gruß (Quelle: dpa/AA/Emrah Yorulmaz)
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Video: rbb UM6 | 18.10.2019 | Dennis Wiese | Bild: dpa/AA/Emrah Yorulmaz

Nach Salut-Jubel - Berliner Fußball-Verband sensibilisiert die Vereine

Nach dem Militärgruß der türkischen Nationalmannschaft bei einem Länderspiel könnte es am Wochenende Nachahmer in den Amateurligen geben. Der Berliner Fußball-Verband will die Vereine sensibilisieren - nicht alle können die Aufregung nachvollziehen.

Das Telefon von Mehmet Matur steht in diesen Tagen nur selten still. Als Präsidialmitglied des Berliner Fußball-Verbandes ist er für die Bereiche Integration und Vielfalt verantwortlich - und arbeitet gerade eine lange Liste ab. Darauf: Die Fußballvereine der Hauptstadt, bei denen überwiegend Menschen mit Migrationshintergrund spielen.

Andere Wahrnehmung von Soldaten in der Türkei

Denn wenn am Wochenende auf den Amateurplätzen Berlins der Ball rollt, könnten Spieler den Salut-Jubel, den türkische Nationalspieler in den vergangenen Tagen wiederholt gezeigt hatten, nachahmen. Mit dem Gruß setzten sie ein politisches Zeichen zum Militäreinsatz türkischer Streitkräfte in Nordsyrien, wo diese die Kurdenmiliz YPG bekämpfen. Eine Aktion, die international kritisiert wird - und nun auch den Berliner Fußball-Verband beschäftigt.

Mehmet Matur telefoniert die Vereine ab, um Trainer und Spieler - auch im Jugendbereich - zu sensibilisieren. Die Reaktionen sind zwiegespalten. "Die Vereine wollen auch dazu beitragen, dass es nicht vorkommt. Die sehen das auch so, dass auf den Platz eigentlich keine politischen Botschaften hingehören", erklärt er. Aber wirklich verstehen können die Aufregung in Deutschland nicht alle: "Da ist schon ein Unverständnis da, weil die das ganz anders empfinden. Die Wahrnehmung zu einem Soldaten oder der Armee ist in der Türkei natürlich ganz anders als in Deutschland."

BAK-Präsident Han: "Das ist Meinungsfreiheit"

Ali Han vom Regionalligisten Berliner AK will seinen Spielern den Militärgruß nicht ausdrücklich verbieten. "Das ist Meinungsfreiheit. Jeder soll entscheiden, ob er es macht oder nicht", sagte Han, der seine Spieler über mögliche Konsequenzen seitens des Landesverbandes aufklären möchte, dem Sportinformationsdienst (SID).

Matur: "Wollen keine Trotzreaktion provozieren"

Die Folgen bei einem möglichen Salut-Jubel könnten bundesweit unterschiedlich bestraft werden. Während Landesverbände wie etwa der Norddeutsche Fußball-Verband oder der Bayerische Fußball-Verband hart durchgreifen wollen, fährt der Berliner Fußball-Verband einen softeren Kurs - und das nicht ohne Grund: "Wir wollen keine Trotzreaktion damit provozieren. Dass sie dann sagen: Jetzt zeigen wir diesen Gruß erst recht", begründet Matur.

Sollte es in Berlin zu einem Vorfall kommen, können es laut Matur zu einer Sportgerichtsverhandlung kommen. In jedem Fall erhielten die beteiligten Personen die Möglichkeit, beim Verband Stellung zu nehmen.  

Sendung: rbb UM6, 18.10.2019, 18 Uhr

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4 Kommentare

  1. 4.

    Richtig.

  2. 3.

    Einfach solche Vereine mit solchen Spielern, die meinen Erdogan und seiner unsäglichen Politik auch noch huldigen zu müssen, boykottieren und wenn man zahlendes Mitglied ist, austreten.

    Ich meine, daß es schon unter den türkischen Soldaten Verluste gab.

  3. 2.

    aus dem Sport sollte die Politik rausgehalten werden- eigentlich

  4. 1.

    Mal sehen wann der erste türkische Soldat fällt.

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