Symbolbild: Amateurfussball in Berlin (Quelle: imago images/Sebastian Wells)
Video: Abendschau | 25.10.2019 | Jörg Klawitter | Bild: Symbolbild-imago images/Sebastian Wells

Schiedsrichter-Streik - Berliner Fußball-Verband sagt alle Spiele des Wochenendes ab

Der Berliner Fußballverband hat auf die Streikankündigung der Schiedsrichter reagiert und alle Amateurspiele für das Wochenende abgesagt. Betroffen sind von der Berlin-Liga abwärts 1.600 Spiele. Grund für den Streik ist die anhaltende Gewalt gegen die Schiris.

Auf den Berliner Fußballplätzen wird es leer am kommenden Wochenende: Der Berliner Fußball-Verband (BFV) hat am Freitagnachmittag beschlossen, alle Spiele von der Berlin-Liga abwärts ausfallen zu lassen. Konkret gelte die Absage für alle vom BFV angesetzten Pflicht- und Freundschaftsspiele, für alle Spiele im BFV-Futsalbereich und für alle Spiele im Freizeit- (FVF) und Betriebssportspielbetrieb (VBF). Das teilte der BFV am Nachmittag auf seiner Facebook-Seite mit. Der Verband reagiert damit auf die Streikankündigung des Schiedsrichterausschusses von Freitagvormittag.

"Ziemlich deutliche Mehrheit"

Die Schiedsrichter der Hauptstadt hatten beschlossen, am Wochenende zu streiken - als Reaktion auf vermehrte Gewalt gegen die Schiris. Erst im September war es beim Spiel zwischen den Berlin-Ligisten Al-Dersimspor und Frohnau zu einem Übergriff auf den Schiedsrichter gekommen. "Ich kann bestätigen, dass gestern im Schiedsrichterbeirat beschlossen worden ist, am kommenden Wochenende in einen Ausstand zu gehen", sagte Jörg Wehling, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses des Berliner Fußball-Verbandes, am Freitagmorgen rbb|24. "Das haben wir mit ziemlich deutlicher Mehrheit beschlossen."

Schiedsrichter beklagen Gewalt

"Die Gewalt auf Berlins Plätzen ist in dieser Saison gegenüber der Vorsaison gestiegen",  begründete der Schiedsrichterbeirat in einer offiziellen Mitteilung des BFV vom Freitag die Entscheidung für den Streik. "Bereits jetzt nach wenigen Spieltagen haben wir 109 Vorfälle von Gewalt und Diskriminierung auf den Berliner Plätzen zu verzeichnen." In 53 Fällen seien die Schiedsrichter Opfer gewesen. "Das sind alarmierende Zahlen, hier ist Handlungsbedarf gefordert und ein deutliches Stopp-Zeichen zu setzen", sagte Wehling.

In der vergangenen Saison gab es mehr als 150 Vorfälle von Gewalt gegen Schiedsrichter in Berlin. Diese reichten von Beleidigungen über körperliche Gewalt bis hin zu einer Morddrohung. Die Folge ist unter anderem, dass Nachwuchs ausbleibt. Für die fast 1.600 Spiele pro Wochenende stünden nur 1.100 Schiedsrichter zur Verfügung, hieß es.

Schiedsrichter stellen Forderungen an den Verband

Das Thema beschäftigt die Schiedsrichter und den BFV schon länger. "Wir sind am vergangenen Montagabend in unserer Präsidiumssitzung zum ersten Mal über den Wunsch der Schiedsrichter informiert worden, dass sie ein Zeichen gegen die Gewalt auf Fußballplätzen setzen wollen", erklärt Kevin Langner, Geschäftsführer des Berliner Fußball-Verbandes dem rbb. Diesem Wunsch sei aber nicht entsprochen worden, weil damit die Mehrheit der Vereine, die friedlich und fair agiert, bestraft werde. Daraufhin beschloss der Schiedsrichterausschuss am Donnerstagabend eigenständig den Streik.

"Wir haben den Streik mit einer Reihe von Forderungen an den Verband verknüpft", erklärte Jörg Wehling am Freitagnachmittag dem rbb. Die Schiedsrichter fordern unter anderem einen Schutz durch Ordner bei allen Spielen, härtere Strafen des Sportgerichts und verpflichtende Regelschulungen für die Vereine, damit diese die Entscheidungen der Schiedsrichter besser nachvollziehen könnten.

Disput zwischen Schiedsrichtern und Berliner Fußball-Verband

In einer Telefonkonferenz am Freitagnachmittag kritisierte die Mehrheit des Präsidiums des BFV das Vorgehen der Schiedsrichter, sprach sich aber aus organisatorischen Gründen für eine Absage aller Spiele aus. "Durch das eigenmächtige Handeln des Schiedsrichterausschusses sind bereits Spekulationen, Informationen und Absprachen innerhalb der Vereine erfolgt, die nur schwer zu korrigieren sind", heißt es in der Mitteilung. Außerdem habe das Präsidium die Entscheidung des Schiedsrichterausschusses vom Donnerstagabend aufgehoben. "In meiner langjährigen Amtszeit war es noch nie notwendig, dass das Präsidium des Berliner Fußball-Verbandes eine Entscheidung eines Ausschusses außer Kraft setzen muss", so Präsident Schultz.

Auch wenn sich alle Beteiligten einig sind, dass etwas gegen die zunehmende Gewalt gegen Schiedsrichter im Amateurfußball getan werden muss: Die überraschende Streikankündigung und die anschließende Absage aller Spiele haben einen Disput zwischen Schiedsrichtern und anderen BFV-Verantwortlichen offengelegt.

Sendung: rbb UM6, 25.10.2019, 18 Uhr

Kommentar

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35 Kommentare

  1. 35.

    Wenn hart gegen die Vereine, bei denen es am Schlimmsten ist, vorgegangen wird, ist das Geschrei wegen Diskriminierung gleich wieder ganz laut....

  2. 34.

    Ich war selber mal Schiedsrichter, ja es ist nicht okay dass die Kinder darunter leiden müssen, die können nichts dafür. Aber so wie ich manche Eltern erlebt habe, ist das auch gut, dass es den Jugendbereich auch betrifft. Da haben auch manche Eltern und Trainer mal Zeit ihr Verhalten zu reflektieren

  3. 33.

    Guten Tag ,ich finde es wirklich sehr traurig das alle darunter leiden müssen .4meiner Kids sind im Verein F,D,B Spiel Gruppen .Da hätten man eine Ausnahme machen können ,somit wird die Jugend Bestraft die nichts für das ,Asoziale Verhalten der Erwachsenen Männer können .Erklären Sie mal das einen Kind.Ich möchte mich bei diesen Fussballspielern bedanken ,das Kinder darunter leiden müssen .

  4. 32.

    Wenn es der Fußball nicht schafft, seine (vor allem ehrenamtlich tätigen) Schiedsrichter zu schützen, muss er sich mittelfristig mit der Notwendigkeit auseinandersetzen, ohne Schiedsrichter fußballspielen zu lassen.
    Ich wundere mich sowieso, warum noch so viele Idealisten sich Woche für Woche freiwillig von oftmals auch noch betrunkenen "Sportfreunden" bzw. bedauernswerten Teilentwickelten beschimpfen und bedrohen lassen. Es ist eine Schande, wie die bisher allein gelassen werden und wurden. Der Streik ist überfällig.
    Es wäre wünschenswert, wenn das im ganzen Land Schule machen würde.

  5. 29.

    Hier hilft nur: Lebenslange Sperre, Vereine hohe vierstellige Geldstrafe, beim 2. Mal Ausschluss, Zivilrichter entscheidet hohe Geldstrafe und Sozialarbeit, Meldung an Arbeitgeber ( bei mir wären die Sünder ganz schnell draussen). Die Bestrafung muss richtig weh tun. Übrigens: In Singapur gibt es dafür die Prügelstrafe und die tut wirklich weh.

  6. 28.

    Sorry, aber der Bericht ist fehlerhaft. Es handelt sich nicht um einen Streik, sondern eher um eine Aussperrung. Bei einem Streik kann jeder Arbeitnehmer selbst entscheiden, ob er streiken will. Der Schiedsrichter-Beirat hat aber die Schiedsrichter weder gefragt, noch ist es freigestellt, zu streiken oder nicht, sondern die Schiedsrichter sind ungefragt einfach abgesetzt worden!

  7. 27.

    Ich habe volles Verständnis für die Schiedsrichter, denn das ist die einzige Möglichlichkeit sich zu wehren. Und zwar so, dass es jeder merkt. Tendenziell ähnliche Entwicklungen nehme ich auch von den Verbänden in meiner Umgebung wahr.
    Wenn von René die Kollektivstrafe kritisiert wird, gebe ich zu bedenken, dass die Situation über Jahre bekanntermaßen immer schlimmer wurden und trotzdem nichts passierte. Das Fass ist eben irgendwann voll.
    Die durch die Spielabsagen betroffenen fairen Vereine sollten sich besser mit den Schiedsrichtern solidarisieren, statt auf diese mit dem Finger zeigen, denn letzendlich leiden sie auch bei mit Störungen durchgeführten Spielen unter den Ausschreitungen.
    Ich finden einen solchen Schritt der Berliner Schiedsrichter für absolut angebracht.

  8. 26.

    Das ist das gleiche wie beim Lokführerstreik leider trifft es auch die die sich benehmen können.
    Die Stellungnahme des Präsidiums zeigt aber auch, dass man nicht verstanden hat was los ist. Die Flyer und Plakate fliegen bei den Vereinen noch von der letzten Kampagne umher.
    Es braucht konkrete Maßnahmen die Sicherheit der Schiris zu erhöhen und ein entschlossenes Handeln des Spottgrrichts. Lieber gestern als heute.

  9. 25.

    Berlin ist und bleibt ein Brennpunkt; hier muss mächtig aufgeräumt werden...die entsprechenden Vereine erhalten beim ersten Mal die gelbe, beim zweiten Mal die rote Karte und müssen aus dem Spielbetrieb für 1 Jahr raus.
    Schiedsrichter müssen konsequent geschützt werden, sonst gehen in einigen Jahren fußballerisch in Berlin die Lichter aus!

  10. 24.

    Vollkommen richtige Entscheidung....unglaublich was manche Menschen ohne Gehirn sich erlauben...Sport, eine der schönsten Nebensachen der Welt....schade das man bei bestimmten Begegnungen nicht mehr als Zuschauer dabei sein kann und will.....

  11. 23.

    Dann wird eben nicht gespielt. Es wird die Chinesen mehr interessieren, wenn bei ihnen ein Sack Reis umkippt...

  12. 22.

    Dann werden Sie ihrem Sohn das sachlich und emotionsfrei erklären und nicht mit den "Wölfen heulen". Bei den Eltern sollte die Vernunft Priorität haben. Andersherum erzieht man nämlich die spätere Wut, die oft dann nicht mehr kontrollierbar ist. Wir haben leider schon genug Elternteile am Spielfeldrand, die sich unflätig benehmen - um das mal noch nett auszudrücken, und das vor den Kindern. Damit meine ich nicht Sie, ich kenne Sie ja nicht. Eine Überlegung sollten Ihnen die Worte aber schon mal wert sein. MfG

  13. 21.

    An alle die sich fragen/beschweren dass alle Spiele abgesagt wurden. Aus dem Artikel wird nicht ganz ersichtlich, ob die Schiedsrichter alle Spiele bestreiken oder nicht. Es macht aber Sinn und ist in meinen Augen auch richtig alle Spiele zu bestreiken. So werden nämlich alle Vereine gezwungen Stellung zu nehmen. Es wird ja auch hier in den Kommentaren gesagt, dass es sich nur um ein paar mehr bekannte schwarze Schafe handelt. Dann muss eben die Mehrheit der Vernüftigen sagen, wir spielen nicht mehr gegen diese Vereine bzw. entsprechende Strafen gegen diese schwarzen Schafe verhängen und zur Not einfach vom Spielbetreib ausschließen. Gewalt im Fussball ist ein bekanntes Problem, aber es wird immer nur Betroffenheit geheuchelt und nichts dagegen unternommen. Die Bestreikung der Jugendspiele ist auch korrekt und die Erwachsenen sollten den Arsch in der Hose haben und ehrlich sein, wenn sie den Kindern erklären warum die Schiedsrichter keinen Bock mehr haben.

  14. 20.

    Super , tolle Schiedsrichter die wie Feldwebel Spiele leiten, werden nicht gesperrt.
    Das Niveau im Berliner Fussball ist gesunken.
    Der Berliner Fussball Verband hat auch im Vorfeld schon versagt , .
    Jetzt alle Spiele nicht leiten ? Hätte man vorher machen können.
    Die Spiele müssen auch mal nachgeholt werden , hat man nicht bedacht

  15. 19.

    Die Vereine nennen, wo die Randale an der Tagungsordnung ist. Und Suspendierung vom Sportbetrieb.

  16. 18.

    Grundsätzliche habe ich vollstes Verständnis für die Schiedsrichter. Warum aber die Kollektivstrafe? Weshalb werden die Paarungen im Jugendbereich abgesetzt? Mein Sohn spielt in der E-Jugend, hier regeln die Teams im sportlichen Fairplay unter sich ob Foulspiel oder nicht, da in der Regel keine Schieris angesetzt sind. Nun rollen bei Sohnemann die Tränen weil er am Wochenende nicht spielen darf und er hat eine mächtige Wut auf die Schiedsrichter, die er noch nie Live erlebt hat. Also Idee gut, Umsetzung klassisches Eigentor!

  17. 17.

    Es wird Zeit das Regelbereich drastisch zu ändern!
    Alle Fußballer sollten sich mal ein Spiel der Rugby WM
    anschauen. Da stehen die Spieler vor dem Schiedsrichter stramm! ! Und ausschließlich der Kapitän
    darf Anfragen!!!!!Ob er eine Frage zur srittigen Entscheidung stellen kann So wird ein Schuh drauß! !!

  18. 16.

    Doch es hat schon eine gewisse Wirkung denn alle Spiele die ausfallen müssen nachgeholt werden. Und das wird schwierig genug werden. Und hat den Effekt das der BFV versucht das sowas nicht nochmal Passiert

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