Kathy Syring beim Training; läuft mit einem Baumstamm einen Sandhügel hinauf. (Quelle: rbb/Syring)
Bild: rbb/Syring

Kokoro-Camp in Kalifornien - Brandenburgerin will trainieren wie bei den Navy Seals

Die US Navy Seals sind eine der härtesten Militäreinheiten der Welt. Die Brandenburgerin Kathy Syring trainiert für ein Camp, das daran angelehnt ist. Mit grünen Bananen - und mit Pippi-Langstrumpf-Musik. Von Philipp Laberenz

Wenn Kathy Syring an ihre Grenzen stößt, fängt sie an zu singen. Kinderlieder. "Nicht laut", sagt sie. "Nur in meinem Kopf." Unter höchsten Anstrengungen neige sie dazu, sich die Dinge einfach zu denken, sich die Welt schön zu reden, sagt Syring. "Sonst macht man bestimmte Sachen nicht". Ihr meistabgespielter Song: das Titellied von "Pippi Langstrumpf".

An Anlass mangelt es aktuell nicht für Lieder mit leichtem Text und simpler Melodie - wenn auch nur in Gedanken. Mehr als ein Jahr Vorbereitung auf eine mörderische Prüfung liegen hinter Kathy Syring. Die drahtige 34-Jährige hat für das Kokoro-Camp trainiert, einen 50-stündigen Drill, angelehnt an die "Hell Week" der US-Elitetruppe Navy Seals. Soll heißen: mehr als zwei Tage Höchstbelastung, wenig Nahrung, kein Schlaf.

Von Freitag bis Sonntag findet das Camp nun in Kalifornien statt. Steht sie die Qual durch, wäre Syring wohl die erste Deutsche, die das Camp meistert.

Probleme mit dem Luftholen

"Vor etwas mehr als vier Jahren habe ich das erste Mal davon gehört", berichtet sie. Schwarzes Sportdress, der Rücken gerade, die blonden Haare zu seinem Zopf zusammen gebunden. So sitzt Syring auf dem dunklen Sofa in ihrer sparsam eingerichteten Wohnung in Seddin bei Potsdam.

Angefangen habe alles mit einem Problem, dem Luftholen. "Die Muskulatur zwischen den Rippen war so verspannt, dass ich nicht mehr richtig atmen konnte", erzählt sie. Ein starkes Stechen bei jedem tiefen Atemzug. Sie habe lernen müssen, wieder richtig zu atmen.

So stieß sie auf den Unternehmer Marc Divine und dessen Einlassungen zu Körper und Geist. "Darum geht es auch beim Camp: die Verbindung zwischen Herz, Seele und Geist zu finden", sagt Syring.

Erste Frau bei den Fallschirmjägern

Als ehemaliges Mitglied der Navy Seals, einer Spezialeinheit der US-Navy, scheucht Divine mittlerweile die Teilnehmer des Bootcamps durch den kalifornischen Sand. Charakterbildung verkappt als funktionales Fitnesstraining. Eine typische Einheit während der 50 Stunden ist der sogenannte Murph-Test: eine Meile (1,6 Kilometer) laufen, 100 Klimmzüge, 200 Liegestützen, 300 Kniebeugen, eine Meile laufen. Das Ganze mit einer Gewichtsweste von mehr als sechs Kilo umgeschnallt sowie Militärboots an den Füßen.

Sportlich war Syring immer schon, hat Triathlon gemacht, bis es ihr zu eintönig wurde. Kraftsport war für die logische Folge. Nach dem Sportstudium arbeitet sie als Personal Trainer. Der Hang zum Militärischen war ohnehin da, knapp zwei Jahre war sie Fallschirmspringerin bei der Bundeswehr. Pionierarbeit auch dort: "Mir wurde gesagt, dass ich die erste Frau bei den Fallschirmjägern war", sagt Syring.

Vorliebe grüne Bananen

Nun also ein neues Ziel. Eine der großen Herausforderung während der Phase der Vorbereitung ist das Essen. "Ich konnte schon immer gut essen und man muss verdammt viel essen", sagt Syring. Trotzdem: die Zubereitung, das Kauen – alles koste Zeit und Nerven. Wenn sie abends nach Hause gekommen sei, das Training geschafft, Körper und Geist ermattet, sich nach Schlaf sehnend, habee sie stets noch diesen Part meistern müssen. "Dann noch eine ordentliche Ladung zu essen, war schwer".

Zehn Kilo habe sie seit dem vergangenen Jahr zugenommen, etwas mehr als 50 Kilo wiegt sie nun. Minimum für die schmale 34-Jährige. "Das war das Muss, da geht es ja auch ordentlich an die Substanz", sagt Syring. Zu einer typischen Mahlzeit gehörten Haferflocken, Obst, Nüsse und Kefir. Von allem reichlich. Ihre Vorliebe: "Grüne Bananen. Kann keiner nachvollziehen, aber ich bin absoluter Fan davon".

Kathy Syring während des Trainings. Quelle: Privat
Kathy Syring während des Trainings. | Bild: Privat

Hohe Kosten für Teilnahme

Es ist nicht unbedingt die Lust am Leiden, die Kathy Syring antreibt - die Brandenburgerin verspricht sich von der Qual vor allem, Grenzen zu verschieben. Für die Erkenntnis, wozu sie selbst in der Lage sein kann, nimmt sie das alles auf sich. Es geht ihr um Kontrolle, Konzentration und Stressmanagement. Ausnahmesituationen zu durchstehen, um daran zu wachsen.

"Selbst wenn man denkt, an seiner Grenze zu sein, hat man gerade mal 20 Prozent von dem erreicht, was man eigentlich leisten kann", behauptet sie. Der Kopf limitiert, während der Körper alles schafft, lautet ihr Mantra. "Je mehr man es schafft, seine eigenen Gedanken zu regulieren, desto weiter kommt man". Man müsse nur wollen. Und: "Vor allem wissen, warum man bestimmte Sachen macht. Wenn man das nicht weiß, zieht man das Ding auch nicht durch". Selbstregulierung ist das Stichwort. Kontrolle auf allen Ebenen – "unbezahlbar".

Der ganze Spaß dagegen verlangt schon ein gewisses Budget. Allein die Teilnahme am Camp kostet 2.000 Dollar. "Frühbucherrabatt", sagt Syring. Nicht dabei sind Flüge, Transport, Ausrüstung, Unterkünfte. So kommt schnell ein hoher vierstelliger Betrag zusammen. Aber das ist es ihr wert. Grenzgänger dürfen nicht knauserig sein.

Hinweis: In einer früheren Version des Beitrags hieß es im Teaser, Kathy Syring trainiere für die Navy Seals. Das stimmt nicht, sie traniert für das Kokoro-Camp, das sich an Methoden der Navy Seals anlehnt. Wir bitten den Fehler zu entschuldigen.

Sendung: Inforadio, 17.10.19, 16:15 Uhr

Beitrag von Philipp Laberenz

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14 Kommentare

  1. 14.

    @ Kathy ... Ich muss sie etwas enttäuschen. Ich war nie bei einer hiesigen Spezialeinheit. 2 REP 4° Cie war für 20 Jahre meine Truppe. Wie war das Camp?
    Salutations cordiales

  2. 13.

    < Und erzählen ausgerechnet Sie mirt bitte nichts vom Militär. Dafür war ich zu lange dabei. >
    Seien sie versichert - das würde ich mir nie erlauben. Jeder hat so seine Erfahrungen. Trotz unerschiedlichen Meinungen.
    Meilleures salutations.

  3. 12.

    Ihre "Ausbildung" oder worauf Sie "stolz" sind, interessiert mich nicht. Hier werden an die sieben Mal die Navy Seals in einem überaus positiven Kontext erwähnt. Man kommt sich vor, wie in der Nato-Pressestelle. Wenn das für Sie keine Werbung ist, sollten Sie das mit Ihrer Ausbildung vielleicht noch mal hinterfragen. Die Seals waren seit dem Vietnamkrieg nicht nur an etlichen weiteren völkerrechtswidrigen Angriffskriegen beteiligt sondern auch an diversen Kriegsverbrechen. Für solch eine Tuppe zu werben, ist unterste Schublade. Und erzählen ausgerechnet Sie mirt bitte nichts vom Militär. Dafür war ich zu lange dabei.

    Lesen und nachdenken!

    https://www.spiegel.de/politik/ausland/ex-us-senator-gesteht-mord-im-dschungel-von-vietnam-a-131011.html

    "...diese Tötungsorgien sind Routine geworden“, ... Zugleich seien die Zielpersonen immer weniger bedeutend geworden. „2010 haben die Jungs Straßendiebe verfolgt … "

    https://www.welt.de/politik/ausland/article142132011/Team-6-der-Navy-

  4. 11.

    Auch @ westwind
    Wo bitte ist hier die Werbung für eine "Einheit"? Es ist ein Camp, keine militärische Einheit. In dem Bericht ist lediglich eine Entsprechung enthalten - mehr nicht. Ja, ich habe eine entsprechende Ausbildung, wurde ehrenhaft verabschiedet, bin stolz drauf und nebenbei "EDV" erfolgreich abgeschlossen. Eine Sache "auf den Punkt bringen" - fehlt vielen. Man sieht die Welt danach auch mit anderen Augen - und manche Bilder gehen nicht aus dem Kopf.

  5. 9.

    Hier für eine Einheit Werbung zu machen, die an etlichen völkerrechtswidrigen Angriffskriegen beteiligt war, ist an Perfidie schwer zu überbieten. Ich möchte mich übergeben.

  6. 8.

    @rbb - bitte dranbleiben!

  7. 7.

    Chapeau!
    ... und jetzt ab in Falle. Morgen gehts los! ;-)
    Ein Song für sie
    https://www.youtube.com/watch?v=d-diB65scQU&list=LLlPsS9TwSbLvicAuHfn0zMA&index=78

  8. 6.

    Sie sprechen mir aus der Seele!!!
    Es ist wirklich „nur“ ein Camp...gerade mal ein Wochenende! Nicht annähernd mit dem zu vergleichen was Sie und unsere Spezialkräfte durchleben und meistern. Aus diesem Grund habe ich so einen Respekt vor Ihrer Leistung, ihrem Verhalten und Ihrer Lebenseinstellung! Von denen wir ALLE sehr viel lernen können!

  9. 5.

    Ich gehe davon aus, das sie "die" Kathy sind und wünsche ihnen bestes Gelingen und allen Erfolg. Der "innere Schweinhund" ist nicht zu unterschätzen, aber ich denke, das wissen sie. Ohne ihre Leistung schmälern zu wollen - es ist "nur" ein Camp.
    2e régiment étranger de parachutistes sieht anders aus.
    Beste Wünsche! Meilleurs voeux!

  10. 4.

    Hallo, leider wurde in dem Artikel nicht erwähnt, was mir eigentlich auf dem Herzen liegt. Ich bin davon überzeugt, dass wirklich JEDER mehr aus sich herausholen kann, als sie/er überhaupt für möglich hält! Mit Disziplin und Durchhaltevermögen kann man ungeahntes Potenzial freisetzen und seine selbstgesetzten Grenzen hinter sich lassen! Vielleicht braucht es zu Beginn etwas Mut den ersten Schritt zu gehen, aber der lohnt sich! ;) Möglicherweise wird man dabei irgendwie von aufkommenden Gefühlen und Gedanken zurückgehalten oder abgelenkt. Hilfreich kann es daher sein, seine Emotionen, auch in auf den ersten Blick aussichtslosen Situationen, zu kontrollieren. Unter anderem deshalb habe ich größtmöglichen Respekt vor den Spezialeinheiten der Bundeswehr/Polizei.
    Also, wenn ich mehr aus mir herausholen konnte, als ich je für möglich gehalten habe, dann können Sie das erst recht! :)
    Morgen geht es los...da wird sich zeigen inwiefern ich meine Gefühle und Gedanken im Griff habe! :D

  11. 2.

    Muss man (Frau) erstmal hinbekommen - Hut ab und "Versuch macht kluch".
    <Zu einer typischen Mahlzeit gehörten Haferflocken, Obst, Nüsse und Kefir. ... Von allem reichlich.>
    Das ist Luxus. Würmer, Wildfrüchte, Kleintiere, Marschverpflegung im Astronautenlook ist realer.
    Legio patria nostra.
    Die Leistung dieser Dame ist unbestritten, nur manche Textpassagen fand ich nicht so toll.

  12. 1.

    Super, aber ob sie als Frau bei den S.E.A.L´s auch eine Chance hat, wage ich zu bezweifeln.

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