Union-Spieler Keven Schlotterbeck hebt den Zeigefinger (Quelle: imago images / Contrast)
Audio: Inforadio | 17.10.2019 | Interview mit Keven Schlotterbeck | Bild: imago images / Contrast

Interview | Union-Spieler Keven Schlotterbeck - "Es wird Zeit, dass wir mal wieder einen Gegner schlagen"

Union Berlin wartet in der Bundesliga seit vier Spielen auf einen Sieg. Innenverteidiger Keven Schlotterbeck spricht im Interview mit Stephanie Baczyk vor dem Spiel gegen Freiburg über das mögliche Duell mit seinem Bruder Nico - und schwärmt von SC-Coach Christian Streich.

rbb|24: Herr Schlotterbeck, am Samstag geht es gegen den SC Freiburg und damit eventuell auch gegen Ihren Bruder Nico. Deswegen die erste Frage: Wer ist denn von Ihnen der bessere Fußballer?

Keven Schlotterbeck: Ich glaube, die Diskussion haben wir schon seit Jahren in der Familie. Aus meiner Sicht natürlich ich, aus seiner Sicht er. Aber ich glaube, beide können was am Ball und deshalb ergänzen wir uns. Deswegen kann man das so stehen lassen. Ich glaube, beide wissen, wer der Bessere ist.

Sie lächeln, wenn Sie über Ihren Bruder sprechen. Dabei ist das glaube ich gar keine so einfache Situation, dass man auf dem Fußballfeld aufeinandertrifft – und dann auch noch in der Bundesliga.

Nein, absolut nicht. Aber es wird Spaß machen, wenn ich gegen ihn spielen darf. Aber das wird sich dann am Samstag zeigen, ob wir beide auf dem Platz stehen. Die Trainer werden schon ihre Gründe haben, wenn wir auf dem Platz stehen oder nicht auf dem Platz stehen. Von daher: Mal abwarten, ob es dann gegen den eigenen Bruder geht.

Hinzu kommt natürlich noch, dass Sie vom SC Freiburg an den 1. FC Union Berlin ausgeliehen sind. Wie geht man damit um, wenn man dann auf einen Verein trifft, bei dem man nicht die Karriere gestartet hat, aber doch den Beginn in den Profibereich mitgenommen hat?

Ich glaube, wenn ich spielen darf, kann ich zeigen, warum sie mich zu Unrecht ausgeliehen haben. Ich glaube, es wird ein sehr spannendes Duell. Aber in den 90 Minuten stehe ich voll hinter Union Berlin. Ich wurde zu Union ausgeliehen, von daher werde ich alles für Union reinwerfen. Egal ob auf der Bank oder auf dem Spielfeld. Wir hoffen natürlich, dass wir mit einem Sieg vom Platz gehen und nach den vier Spielen, die wir verloren haben, das Spiel diesmal positiv bestreiten können.

Sie sprechen es schon an: Vier Spiele in Folge hat Union nicht gewonnen. Merkt man innerhalb der Mannschaft, dass langsam so ein bisschen der Druck steigt? Dass das Gefühl da ist, jetzt sollte man langsam mal wieder gewinnen?

Ja, klar. Ich glaube, der Druck ist in jedem Spiel groß. Es ist nicht einfach, in der Bundesliga gegen jeden Gegner zu spielen. Aber jetzt wird’s mal wieder Zeit, dass wir auf jeden Fall punkten. Wir haben jetzt vier Punkte nach sieben Spieltagen, aber die Saison ist noch lang. Wir werden noch punkten und werden auch die Klasse halten, davon bin ich fest überzeugt.

Wenn man sich die Paarung Union Berlin gegen den SC Freiburg anschaut, hätte man vor der Saison gedacht: Das ist ein Duell auf Augenhöhe. Sie sind mit Ihrer Mannschaft auf Platz 16 und der SC Freiburg auf Platz vier. Überrascht Sie das, dass der SC Freiburg so gut gestartet ist?

Nein, absolut nicht. Sie haben an den ersten Spieltagen sehr gut gespielt und haben Punkte geholt, was ihnen enorm hilft. Sie haben gerade einfach einen Lauf. Sie stehen sehr stabil, ob vorne oder hinten. Das wird ein sehr interessantes Spiel und für uns wird es Zeit, dass wir jetzt mal wieder einen Gegner schlagen. Klar, Freiburg steht gut da, aber wir werden am Samstag besser dastehen.

Ist das vielleicht auch etwas, was Ihnen und Ihren Teamkollegen zugutekommen kann? Dass Freiburg mit breiter Brust und diesem Selbstbewusstsein kommt?

Das ist schwierig. Sie werden da sein und ich weiß genau, wie der Trainer sie heiß machen wird auf das Spiel. Sie werden 90 Minuten lang komplett ackern, wie es den SC Freiburg auszeichnet. Aber da werden wir dagegenhalten. Ich glaube, es ist für keine Mannschaft leicht, hier zu gewinnen. Und wenn uns die Fans den Rücken stärken, wird es auch positiv für uns enden.

Keven Schlotterbeck im Gespräch mit Freiburgs Trainer Christian Streich (Quelle: imago/Sportfoto Rudel)Keven Schlotterbeck im Gespräch mit Freiburgs Trainer Christian Streich.

Sie kennen ja den Trainer Christian Streich. Jeder, der ihn so von außen erlebt, sagt: Mensch, eigentlich ein ganz cooler Typ. Wie ist er denn so innerhalb der Mannschaft? Ist das eher so ein cooler Lehrertyp oder wie kann man ihn sich vorstellen?

Er ist sehr emotional, aber auch sehr reif für sein Alter. Er möchte aus seiner Sicht jeden Spieler besser machen. Er ist voll da und lebt den Fußball, genießt den Fußball und möchte die Mannschaft so auf dem Platz erleben, wie er auch lebt. Und das zeigt er ihnen mit voller Energie. Und ich glaube, deswegen steht Freiburg in diesem Jahr auch so gut da.

Man hat den Eindruck, Streich verstellt sich auch nicht. Das kann er gar nicht, oder?

Er ist einfach offen und ehrlich. Er haut raus, was er gerade im Kopf hat und das macht ihn auch so sympathisch. Auch wenn es bei einem Spieler mal nicht so gut läuft, sagt er ihm offen und ehrlich die Meinung und zwei Tage später kann es sein, dass der Spieler auf einmal zehn Prozent mehr Gas gibt, weil er vielleicht mal eine kleine Ansage bekommen hat. Das macht den Trainer so einzigartig, weil er einfach hinter der Mannschaft steht und immer seine ehrliche Meinung sagt.

Ihr Bruder hat die ersten drei Spiele für Freiburg voll gespielt. Während der letzten vier Spiele saß er auf der Bank. Für Sie ist es auch so: mal spielen Sie, mal nicht, zwischendurch waren Sie auch schon gesperrt. Und jetzt haben Sie noch die Situation, dass zu den Konkurrenten in der Innenverteidigung einer dazugekommen ist: Florian Hübner, der nach langer Verletzungspause wieder fit ist. Wie gehen Sie als jüngster in diesem Gespann mit dieser Situation um?

Klar, der Druck ist schon da, wenn "Hübi" wieder zurückkommt. Aber der Trainer weiß, wie er aufstellt und am Samstag am besten in die Partie geht. Es macht riesig Spaß, mit den Jungs zu trainieren, weil wir einfach auf Augenhöhe sind und uns gegenseitig ergänzen. Ich bin froh, dass "Hübi" wieder da ist und nach so langer Verletzungspause wieder mit der Mannschaft trainieren kann. Er ist absolut eine Option für Samstag, das braucht man nicht zu verschweigen. Dann wird man sehen, wer auf dem Feld steht.

Bei der knappen Niederlage gegen den VfL Wolfsburg hat der 1. FC Union Berlin mit einer Dreierkette gespielt. Das ist dahingehend überraschend, weil man das sicher trainiert hat, aber es in den Ligaspielen so noch nicht ausprobiert hat. Wie haben Sie sich in dieser Rolle in der Dreierkette gefühlt?

Ich muss sagen, dass ich mich sehr wohl gefühlt habe, weil wir das doch sehr gut gemacht haben, ob defensiv oder offensiv. Wir haben den Ball gut laufen lassen, standen sehr gut und ich kann damit auch persönlich gut umgehen. Wir ergänzen uns hinten mit Neven Subotic und Marvin Friedrich. Warum sollte das nicht wieder klappen? Aber die Null sollte jetzt mal wieder stehen und das wissen wir auch im Team. Deshalb wird das am Samstag eine große Herausforderung.

Zum Abschluss noch eine Frage: Sie kennen ja mittlerweile die Stimmung im Stadion An der Alten Försterei. Was sagen Sie denn Ihrem Bruder, was auf ihn zukommt, wenn er hier anreist?

Ich habe ihm schon einiges erzählt. Das wird eine Feuertaufe für Freiburg. Ich glaube, die waren jetzt auch lange nicht mehr hier, nur im Zweitliga-Jahr. Aber ich glaube, die erste Liga ist nochmal was anderes, weil die Fans sich auf jedes Spiel freuen. Man hat es gegen Dortmund und gegen Leipzig gesehen: Das Stadion bebt. Die Fans stehen komplett hinter uns. Deshalb habe ich ihm viel Großartiges erzählt. Es wird eine große Herausforderung für sie.

Haben Sie das Gefühl, er hat ein bisschen Angst bekommen?

Nein, das nicht, aber ich glaube, ein bisschen Respekt wird er schon davor haben. Er wird damit gut umgehen und sich auf das Spiel konzentrieren.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Stephanie Baczyk. Der Beitrag ist eine gekürzte und redigierte Version. Das Originalinterview können Sie mit Klick auf das Audiosymbol im Header des Artikels nachhören.

Sendung: Inforadio, 17.10.2019, 6.15 Uhr

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1 Kommentar

  1. 1.

    In Liga 2 oder 3 wird es mit einem Sieg sicherlich mal klappen, alles andere ist mindestens 2 Nummern zu groß.

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