Herthas Mittelfeldspieler Per Skjelbred (imago images/Andreas Gora)
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Von Castingshow zur Bundesliga - Der ungewöhnliche Karriereweg von Per Skjelbred

Mittelfeldspieler Per Skjelbred ist einer der Gründe für Herthas jüngsten Aufschwung. Dabei ist der Norweger schon lange dabei. Auch, weil seine Karriere einst einen Anfang nahm, den es im Profifußball so vermutlich kein zweites Mal gibt.

Die Floskel vom ungewöhnlichen Fußball-Profi ist ja vor allem eines: eine furchtbare Floskel. Bei Per Ciljan Skjelbred allerdings, dem 32-jährigen Norweger von Hertha BSC, kommt man nicht umhin, sie zu benutzen.

Das fängt schon damit an, wie alles anfing. Mit 13. Im norwegischen Fernsehen. Weshalb sich Skjelbred, der sich heute nicht viel macht aus Social Media und öffentlichkeitswirksamen Auftritten, ausgerechnet bei einer Casting-Show bedanken muss, wenn er auf seine Karriere zurückblickt.

So wie als Gast im "Hauptstadtderby", dem Podcast des rbb, der sich Woche für Woche mit Hertha und Union befasst. Denn auch die Stammbesetzung um den Leiter der rbb-Sportredaktion, Dirk H. Walsdorff, und die Berliner Fußball-Legenden Axel Kruse und Christian Beeck, kümmert sich in der achten Folge des Formats um den ungewöhnlichen Werdegang Skjelbreds.

Sieger einer TV-Show

"Proffdrommen" (Profiträume) hieß die TV-Sendung des norwegischen Senders TV3, die den jungen Skjelbred entdeckte. Dabei hatte der damals nicht nur Fußball im Kopf. Mindestens ebenso leidenschaftlich spielte er Handball. Und er tanzte viel. HipHop und, es bleibt ungewöhnlich, Ballett. Ehe die Castingshow in Oslo kam. Das erste Mal fernab der Eltern, der ländlichen Heimat, das erste Mal im Hotel . "Hat Spaß gemacht", sagt Skjelbred im Podcast. Erfolgreich war es obendrein.

Er gewinnt das Casting und damit ein dreiwöchiges Probetraining beim FC Liverpool. Wieder tanzt Skjelbred, diesmal vor Freude. Denn die Premier League, das ist in Skandinavien traditionell der fußballerische Sehnsuchtsort schlechthin.

Und auch an der Anfield Road kann der junge Per beeindrucken, sie bieten ihm einen Nachwuchsvertrag an. Doch Skjelbred lehnt ab. Selbst für einen wie ihn, der seine Frau später auf dem Fußballplatz seines Gymnasiums kennenlernen sollte (sie grätschte ihn um), ist das in diesem Alter eine Spur zu hart. Stattdessen geht er zu Rosenborg Trondheim, dem besten Verein seiner Heimat, debütiert dort mit gerade einmal 16 Jahren in der ersten Liga und wird schnell zum unumstrittenen Leistungsträger und Nationalspieler.

Boyata? Überragend!

Über den Umweg Hamburger SV, der eher ein Irrweg wird (Skjelbred im "Hauptstadtderby": "Ich saß zwischen den Stühlen."), kommt er schließlich zur Hertha. Ist auch hier Leistungsträger, wenn auch mit Höhen und Tiefen. Zurzeit ist er aus der Mannschaft kaum wegzudenken.

Dass es so gut läuft wie zuletzt, so Skjelbred im Podcast, liege auch daran, dass die aktuelle Mannschaft die "vielleicht netteste ist, die ich in meiner Zeit bei Hertha erlebt habe." Aber auch sonst hat er nur positive Worte über für seine Kollegen. Vladimir Darida? "Eine Maschine. Der läuft immer. Jeden Tag." Salomon Kalou? "Hat alles gewonnen. Gibt immer noch alles. Respekt." Innenverteidiger Dedryck Boyata? "Ein überragender Verteidiger. Kopfbälle – brutal stark. Aber er ist auch schlau." 

Wie schlau? Auch das erklärt Skjelbred im "Hauptstadtderby" und damit etwas, was sonst kaum wahrzunehmen ist. Denn Boyata sei auch deswegen so gut, weil er "extrem" viel rede: "Zwei Meter links. Höher stehen. Das ist für mich eine Waffe", so der norwegische Mittelfeldspieler.

Wenig Interesse am Fußball

Ungewöhnlich ist das zur Abwechslung mal nicht, aber immerhin ein ungewöhnlicher Einblick in das Innenleben einer Profi-Mannschaft. Über das Skjelbred ansonsten sagt: "Selbstvertrauen ist alles." Ehe er zurückblickt auf den Saisonstart der Hertha ("In einer schwierigen Situation musst Du einfach mal ein Drecksspiel gewinnen. So wie wir gegen Paderborn.") und zugibt, sich ansonsten ziemlich wenig für Fußball zu interessieren in seiner Freizeit.

Ob er denn Niklas Stark eine Nachricht geschrieben habe, nachdem dieser schon wieder nicht zu seinem Debüt in der deutschen Nationalmannschaft gekommen ist, wird Per Skjelbred im "Hauptstadtderby" gefragt. Die Antwort: "Ehrlich gesagt wusste ich gar nicht, dass Länderspiel war."

Er ist eben ein ungewöhnlicher Fußball-Profi, dieser Per Ciljan Skjelbred. Floskel hin oder her.

Sendung: 10.10.2019, rbb24, 21:45 Uhr

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