Unions Trainer Urs Fischer (imago images/Andreas Gora)
Audio: Inforadio | 18.10.2019 | Stephanie Baczyk | Bild: www.imago-images.de

Union Berlin empfängt den SC Freiburg - Fischers Duell mit Frühstückskumpel Streich

Der 1. FC Union hat die letzten vier Partien in der Fußball-Bundesliga verloren. Trainer Urs Fischer wünscht sich im Heimspiel gegen Freiburg Egoismus vor dem gegnerischen Tor - und freut sich neben dem Platz auf Frühstückskumpel Christian Streich. Von Stephanie Baczyk

Neulich in Mönchengladbach. Im Hotel neben dem Borussia-Park sitzen zwei Männer beim Frühstück zusammen. Ob beide einen Kaffee trinken - mit Milch, mit Zucker oder einfach schwarz - ist nicht überliefert. Vielleicht schlürft einer der beiden Tee. Fakt ist, sie verstehen sich. Ziemlich gut sogar. Der eine ist Christian Streich, Trainer des SC Freiburg - der andere Urs Fischer, Coach des 1. FC Union. "Ich habe ihn bei der Trainertagung getroffen", erzählt Fischer und gerät ein bisschen ins Schwärmen. "War wirklich ein toller Austausch mit ihm. Für mich ist er ein toller Trainer, der irgendwo 'ne Ansicht hat, die ich zum Teil auch teile. Von daher war's wirklich sehr angenehm."

Frustrationslevel: keine Punkte

Man könnte hier an dieser Stelle einen Punkt setzen oder wie am Ende jedes Märchens ein '... und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute' anfügen, aber die Geschichte von Urs Fischer und Christian Streich geht ja weiter. Das nächste Kapitel wird genau genommen am Samstag geschrieben - dann, wenn der SC Freiburg in der Fußball-Bundesliga zu Gast ist im Stadion An der Alten Försterei. Wenn Christian Urs besucht.

"Dann zählen Punkte", sagt Unions Trainer und zuckt mit den Schultern. "Dann ist dieses gemeinsame Frühstück auch für 'ne Zeit aus dem Kopf." Punkte haben die Köpenicker in dieser Saison noch nicht so viele gesammelt, die letzten vier Partien haben sie verloren. Vor der Länderspielpause haben sie ihr bislang bestes Auswärtsspiel abgeliefert, aber auch das Duell mit den VfL Wolfsburg endete mit einem 0:1 aus Sicht der Berliner. "Wäre wichtig, wenn wir uns auch mal belohnen", resümiert Urs Fischer. Womit wir bei Unions To-do-Liste wären.

Einfach mal egoistisch sein

Ganz oben stehen die Torabschlüsse und die Chancenverwertung. "Es geht um die letzten 20, 25 Meter", sagt Fischer. "Um diese letzte Entschlossenheit. In die Box zu gehen, auch mal aus 20 Metern auf's Tor zu schießen und nicht noch einen besser positionierten Spieler zu suchen. Ein bisschen egoistischer zu sein." Die ausbaufähige Konsequenz hat der Schweizer unter der Woche im Training angesprochen, jetzt ist es an der Mannschaft, konsequent zu sein. Ausgerechnet gegen das bisherige Überraschungsteam der Liga.

"Boah, das wird ein sehr schwieriges Spiel",  formuliert Unions Kapitän Christopher Trimmel recht deutlich, wohlwissend, dass die Breisgauer aktuell punktgleich mit den Meisterschaftsanwärtern Bayern München und RB Leipzig sind. Innenverteidiger Keven Schlotterbeck, seit dem Sommer vom SC Freiburg an den 1. FC Union ausgeliehen, liefert Details: "Ich weiß genau, wie der Trainer sie heiß machen wird für das Spiel. Sie werden 90, 95 Minuten komplett ackern."

Die magische Aura des Christian Streich

Eklig sein, viel laufen und kämpfen - das sind die Attribute der Eisernen. Freiburg hält da locker mit, agiert taktisch klug - und hat in der Anfangsphase der Saison wichtige Punkte gegen Klubs wie Paderborn, Mainz und Düsseldorf geholt. Teams, die eher in der unteren Tabellenhälfte landen dürften. Und der Sport-Club hat Christian Streich. "Auch, wenn es mal für einen Spieler nicht so gut läuft: Er sagt ihm offen und ehrlich die Meinung", weiß Keven Schlotterbeck. "Zwei Tage später kann es sein, dass der Spieler zehn Prozent mehr Gas gibt, weil er einfach mal 'ne Ansage bekommen hat."

Schlotterbeck könnte am Samstag auf dem Feld seinem jüngeren Bruder gegenüberstehen. Könnte wohlgemerkt, denn Nico Schlotterbeck hat die letzten vier Partien nur auf der Bank gesessen. Keven wiederum bekommt seine Einsatzzeiten, wenn auch nicht regelmäßig. In Wolfsburg stand er in der Startelf, bildete mit Neven Subotic und Marvin Friedrich die ungewohnte Dreierkette in der Abwehr.

Unions Flügel lahmt

"Ich habe mich wohlgefühlt", sagt der 22-Jährige. "Weil wir es doch sehr sehr gut gemacht haben - ob defensiv oder offensiv. Wir haben den Ball gut laufen lassen und standen gut. Wir ergänzen uns gut mit 'Subo' und 'Marv', aber die Null sollte jetzt mal wieder stehen." Es wäre das erste Mal, bislang haben die Eisernen in jedem Bundesligaspiel mindestens einen Treffer kassiert.

Während Coach Fischer für die Kette vor Keeper Rafal Gikiewicz die freie Wahl - und mit dem wieder fitten Florian Hübner sogar eine zusätzliche Option in der Innenverteidigung dazu bekommmen hat, muss er weiter vorne aller Voraussicht nach ein wenig basteln. Mit Akaki Gogia (Kreuzbandriss) fällt ein Flügelspieler sicher aus, für Sheraldo Becker und Suleiman Abdullahi könnte es eng werden. Beide sind angeschlagen.

To do: Vor dem Tor hungrig sein

"Ich glaube, vier Punkte werden nicht genügen, um schlussendlich unser Ziel zu erreichen", schließt Urs Fischer das Gespräch vor der Partie gegen Freiburg, er meint natürlich das Ziel Klassenerhalt. Um das zu erreichen, braucht der 1. FC Union Tore - oder wie Fischer sagt: "Wir müssen vielleicht noch hungriger werden auf den letzten 20, 25 Metern." Beste Voraussetzungen also für das Wiedersehen mit Frühstückskumpel und Freiburg-Coach Christian Streich.

Sendung: rbb UM6, 17.10.2019  

Beitrag von Stephanie Baczyk

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ich freue mich riesig auf das morgige Spiel, auf die Stimmung im Stadion, auf die Trainer.
    Da ich als ursprünglicher Freiburger mit den "Spree-Bobbele" im Gästeblock stehen werde, hoffe ich natürlich auf einen Erfolg des SC, drücke Union aber kräftig die Daumen für alle anderen Partien, vor allem für die Zeit (falls diese kommen sollte), in welcher alles nahezu aussichtslos erscheint. Da habe ich mit Freiburg schon echte Wunder erlebt, im zweitbesten Fall auch Abstiege derjenigen Sorte, welche man dann als Verein und Anhänger auch erhobenen Hauptes hinnehmen konnte - verbunden mit der Hoffnung, einmal wieder in die erste Liga zurückzukehren.
    Aber ich will hier nicht unken, so weit ist es mit Union Berlin noch lange nicht!

  2. 1.

    Man darf gespannt sein. Nur Kampf, dann hinten drin und mit Langholz nach vorne ..... das wird gegen Freiburg nicht drin sein. Freiburg wird wohl selbst eher tief stehen. Union muß das Spiel machen. Für mich ist genau dieses Spiel der Lackmustest, ob Union überhaupt bundesligatauglich ist.

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