Urs Fischer (vorne) und sein Team im Training vor dem Spiel gegen Wolfsburg. Bild: imago/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 04.10.2019 | Interview mit Urs Fischer | Bild: imago/Matthias Koch

Vor dem Spiel gegen Wolfsburg - Union ist im Bundesliga-Alltag angekommen

Aufsteiger Union Berlin steht nach drei Niederlagen in Folge dort, wo viele die Mannschaft vor der Bundesligasaison vermutet hatten: im Abstiegskampf. Doch für die zuletzt mutigen Auftritte wollen sich die Köpenicker in Wolfsburg belohnen. Von Simon Wenzel

Alltag ist ein Begriff, den man unterschiedlich interpretieren kann. Die einen sehen darin Sicherheit und Ruhe, die anderen eher Langeweile und ein bisschen Tristesse. Und so wollte sich Unions Trainer Urs Fischer lieber nicht zu sehr festlegen, ob die Bundesliga denn nun nach sechs Spieltagen langsam zum Alltag geworden sei für ihn und seine Mannschaft.

"Alltag würde ich jetzt nicht sagen, das klingt so nach jeden Tag das gleiche", begann der Schweizer - und fügte dann in der entwaffnenden Neutralität, die man seinen Landsleuten gerne nachsagt, hinzu: "Wir finden uns immer besser zurecht und deswegen würde ich schon sagen ja, ein Stück weit Alltag."

"Wir fahren nach Wolfsburg, um zu gewinnen."

Feststellen lässt sich, dass das Drumherum vor dem siebten Bundesliga-Spiel der Köpenicker immer alltäglicher wird: Im Presseraum, wo sich zu Saisonbeginn noch die Kameras die Sicht nahmen, ist wieder fast alles wie zu Zweitliga-Zeiten. Und auch der nächste Gegner VfL Wolfsburg (Sonntag, 15.30 Uhr) versprüht nicht den Glamour einiger Traditionsclubs, die an den ersten Spieltagen auf dem Programm standen.

Dass Union nach dem schweren Startprogramm erst vier Punkte geholt hat und in der Tabelle kurz vor den Abstiegsplätzen zu finden ist, war erwartbar. Trotzdem hat Urs Fischer das Gefühl, dass "irgendwo zwei Punkte fehlen." Vor allem gegen Bremen und Frankfurt hätte sich Union je einen dieser Punkte verdient gehabt. Beides sind Teams, die tabellarisch ungefähr genauso in der Bundesliga mitspielen wie Wolfsburg, irgendwo zwischen Europa League und Tabellenmittelfeld.

Eine "gewisse Zuversicht" verspürt Fischer deshalb mit Blick auf die Partie am Sonntag in der Autostadt, dass es nach drei Niederlagen in Folge mal wieder klappen könnte mit einem Punktgewinn. Noch etwas offensiver formuliert es Mittelfeldspieler Robert Andrich: "Wir fahren nach Wolfsburg, um zu gewinnen", sagt er. Dass Andrich dabei aktiv mithelfen kann, ist wahrscheinlich. Er ist einer der wenigen Spieler, die Urs Fischer bisher in jedem Spiel von Beginn an eingesetzt hat.

Fischer will offensiv spielen lassen

Um ihn, Sebastian Andersson und Kapitän Christopher Trimmel herum wechselt Fischer seine Startelf gerne mal durch, ein neuer Flügelspieler hier, ein zweiter Stürmer da - der Schweizer mag es variabel. Keine neue Philosophie, wie der Trainer betont: "Es ist nicht so, dass wir in jedem Spiel sechs oder sieben Spieler wechseln, das wäre zu viel. Aber es soll auch zeigen, dass wir jeden benötigen, um unser Ziel zu verwirklichen." Auch das Thema Menschenführung dürfte im Alltag eine Rolle spielen, denn Union ist mit einem riesigen Kader in die Saison gegangen und irgendwann werden die, die nicht spielen, auch als Bundesliga-Zuschauer ungeduldig.  

Nachhaltig empfohlen für Startelf-Einsätze haben sich gegen Frankfurt zum Beispiel die eingewechselten Angreifer Anthony Ujah und Sheraldo Becker, die mit ihrem Tempo Union 
neuen Schwung und ein Tor brachten - Becker legte auf für Ujah. Überhaupt fällt bisher auf: Wann immer Union in der Bundesliga mutig und offensiv spielt, tut das dem Team gut. "Anders geht es gar nicht", sagt Urs Fischer sogar. Er will nach vorne verteidigen, nicht hintendrin stehen. "Aber es war eigentlich auch in allen Spielen unsere Meinung, dass wir das versuchen. Nur gibt es dann auch Spiele, wo es dir nicht so gut gelingt", so der Schweizer.

Mit mehr Punkten in die Länderspielpause

In Wolfsburg soll sein Team wieder mutig auftreten, gegen einen Gegner, der einen "sehr stabilen Eindruck" bei Fischer hinterlassen hat - immerhin ist der VfL noch ungeschlagen in der Liga. Eine "nicht einfache oder schwierige Aufgabe" seien die Wolfsburger deshalb. Trotzdem hofft der Trainer, dass sein Team diesmal nicht nur gut spielt, sondern auch mit einem oder drei Punkten dafür belohnt wird. Dann würde der Alltag Bundesliga für Union in der folgenden Länderspielpause zumindest zwei Wochen lang ruhig und sicher aussehen. 

Beitrag von Simon Wenzel

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1 Kommentar

  1. 1.

    Vs. Wolfsburg keine Chance,und vs. die Fahrradbeleuchter auch nicht

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