Hertha-Torhüter Thomas Kraft im Pokalspiel gegen Dynamo Dresden. (Quelle: imago-images/nordphoto)
Audio: Inforadio | 31.10.2019 | Jakob Rüger | Bild: imago-images/nordphoto

DFB-Pokal: Hertha siegt 5:4 im Elfmeterschießen - Mit Kraft und Glück ins Achtelfinale

Mit 35.000 Fans war Dynamo Dresden zum Pokalspiel ins Berliner Olympiastadion gekommen. Doch nach einem aberwitzigem Spielverlauf und einem Elfmeterkrimi waren es die Hertha-Fans, die am Ende jubeln konnten. Und das lag unter anderem an Torhüter Kraft.

Hertha BSC steht im Achtelfinale des DFB-Pokals. Zweimal musste der Berliner Bundesligist am Mittwochabend gegen Dynamo Dresden einen Rückstand ausgleichen und dann noch einen irrwitzigen Elfmeterkrimi überstehen, ehe es hieß: Hertha gewinnt mit 5:4 (3:3, 2:2, 0:1) im Elfmeterschießen.

Im Vorfeld des Zweitrundenspiels hatte Herthas Manager Michael Preetz noch gesagt: "Die Blau-Weißen werden lauter sein." Es sollte nicht die einzige Erwartung der Berliner sein, die enttäuscht wurde. Denn nachdem sich schon früh abzeichnete, dass sich das Gesangs-Duell zwischen den 35.000 Dynamo-Fans und den rund 40.000 Hertha-Anhängern bei einem Unentschieden einpendeln sollte, lief es auch auf dem Rasen anders als gedacht.

Hertha mit Tempo und Ideen

Die Gastgeber erwischten den besseren Start. Dass Trainer Ante Covic im Vergleich zur 2:3-Heimniederlage in der Bundesliga gegen die TSG 1899 Hoffenheim gleich auf fünf Positionen Änderungen vornahm - im Tor begann Thomas Kraft, Niklas Stark in der Innenverteidigung und Vedad Ibisevic musste zunächst auf der Bank Platz nehmen - war zunächst nicht zu bemerken.

Hertha dominierte die Partie, wirkte selbstbewusst und zeigte sich in Ballbesitz durchaus mit Tempo und Ideen. Dementsprechend ließen die Torchancen nicht lange auf sich warten. Erst vergab jedoch Salomon Kalou freistehend aus fünf Metern (7. Minute), ehe nach dessen Hereingabe Ondrej Duda (8. Minute) knapp verpasste. In der 13. Minute war es dann Javairo Dilrosun, der nach einer Einzelaktion und aus 17 Metern zum Abschluss kam und Dynamo-Torhüter Kevin Broll zu einer Glanztat zwang.

Gegentor nach Blitzkonter

Dresdens Taktik ließ sich zu diesem Zeitpunkt kurz und bündig mit nur einem Wort beschreiben: Hoffnung. Erst nachdem Herthas Rechtsverteidiger Marius Wolf in der 17. Minute einen Fehlpass in die Füße von Dynamo-Stürmer Moussa Koné spielte, wendete sich das Blatt. Denn auch wenn der Senegalese die sich daraus ergebene Torchance nicht nutzen konnte, war das Spiel schlagartig ausgeglichen.

In der 36. Minute folgte dann sogar die Führung für die Gäste. Nach einer Hertha-Ecke benötigten die Dresdner ganze 16 Sekunden, um durch einen Konter und Moussa Koné zum 1:0 zu gelangen, wenn auch unter tätiger Mithilfe von Marius Wolf, der den Torschützen in der Rückwärtsbewegung sträflich aus den Augen gelassen hatte.

Gegen die Statistik

So ging es dann auch in die Pause, die aus Berliner Sicht nichts Gutes zu verheißen hatte, schließlich war Dynamo noch nie nach einer Halbzeitführung aus dem DFB-Pokal ausgeschieden.

Eine Statistik, von der die Herthaner entweder keine Kenntnis hatten, oder aber sie war ihnen schlicht egal. Denn die Gastgeber kamen mit viel Elan aus der Kabine und in der 47. Minute zum Ausgleich durch Dodi Lukebakio, der nach flacher Hereingabe von Marius Wolf und aus kurzer Distanz nur noch seinen Fuß hinzuhalten brauchte.

Und auch in der Folge bestimmte Hertha weiterhin das Geschehen, traf in der 56. (Kopfball Dilrosun) und 59. Minute (Kalou) allerdings nur Latte bzw. Pfosten.

Drama in der Schlussphase

Doch es dauerte bis zur 85. Minute, bis Hertha endlich und verdientermaßen in Führung gehen konnte. Nach einem Foul am Strafraumrand von Dresdens Niklas Kreuzer an Dodi Lukebakio entschied der umsichtig leitende Schiedsrichter Tobias Stieler zurecht auf Elfmeter. Ondrej Duda behielt die Nerven und verwandelte sicher links unten.

Wer gedacht hatte, damit wären es genug Wendungen gewesen und die Dynamo-Fans verstummt, sollte sich allerdings getäuscht sehen. Denn auch Dresden sollte noch einen Elfmeter erhalten und nutzen, nachdem Niklas Stark in der 89. Minute Koné im Strafraum über den Haufen rannte und ausgerechnet Ex-Herthaner Patrick Ebert verwandelte.

Eine Rakete als Pointe

Die Geschichte der folgenden Verlängerung dann ist schnell erzählt und bestand hauptsächlich aus ideenlosem Mittelfeld-Geplänkel, aus scheinbar dominanten Herthanern gegen abwartende Dresdner. Keine Chancen auf beiden Seiten, ehe Dynamo in der 108. Minute durch Luka Stor erneut in Führung ging. Und das unter Mithilfe von Herthas Keeper Thomas Kraft, der den haltbaren Schuss des Slowenen unter sen Armen hindruch gleiten ließ.

Die Schlusspointe? Mitnichten. In der zweiten Minute der Nachspielzeit der Verlängerung tropfte der Ball mitten im Dresdner Strafraum vor den rechten Fuß von Herthas Verteidiger Jordan Torunarigha und von dort als Quasi-Rakekte ins Netz - 3:3, Elfmeterschießen.

In dem sollte dann Thomas Kraft zum Helden werden. Nachdem sowohl Dresdens Müller als auch Herthas Rekik vergaben, scheiterte auch Stor an Herthas Torwart. Dachte man. Ehe Schiedsrichter Tobias Stieler ihm die gelbe Karte zeigte und den Elfmeter wiederholen ließ. Die Begründung? Kraft habe sich zu früh von der Linie weg bewegt. Also alles auf Anfang. Diesmal verwandelte Stor, ebenso wie anschließend Herthas Selke. Doch Kraft behielt die Nerven und parierte erneut - diesmal den Schuss von Kevin Ehlers. Marko Grujic besiegelte für Hertha schließlich das Weiterkommen - und Blau-Weiß sang nun doch noch lauter als der Dynamo-Anhang.

Sendung: 30.10.2019, rbb24, 21:45 Uhr

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7 Kommentare

  1. 7.

    Schönes Spiel, schade das die Abfahrt vom Olympiastadion eine Katastrophe war. Die S-Bahn hatte wohl das Elfmeterschießen nicht auf dem Schirm. Drei Stunden bis nach Köpenick kann ja wohl nicht sein. Der Verein sollte sich doch mal mit der Senatsverwaltung für Verkehr zusammen setzen.

  2. 6.

    Hertha hat im Moment zwei verschiedene Mannschaften :Eine Offensive, die sich sehenlassen kann und auch mal Spiele gewinnt, und eine Abwehr, die momentan kaum erstligatauglich ist. Das reicht dann insgesamt zu dem, was man auch unter Dardai erreichte, nämlich Platz 10-13. Leider wird da nicht mehr drin sein.
    Aber eigentlich auch egal, solange man ab und zu mal so viel Spannung und Dramatik erlebt wie gestern.

  3. 5.

    Wieder eine schwache Leistung von Hertha. Individuelle Einzelleistungen haben die Mannschaft vor dem Ausscheiden bewahrt. Leider hat N. Stark wieder einen entscheidenden Fehler gemacht. Es wird Zeit das Hertha als Mannschaft überzeugt und nicht nur durch Einzelleistungen. Das Potential, als Mannschaft zu überzeugen ist sicherlich vorhanden.

  4. 4.

    Ob 2:2 oder 3:3 Tore. Es war wieder ein grotten schlechtes Spiel von Hertha. Dann gegen Union! Hoffentlich wacht bei Hertha dann mal jemand auf.

  5. 3.

    Ende gut, alles gut. Muss schon ein tolles Spiel gewesen sein wenn ich das in den verschiedenen Zeitungen so lese.

  6. 2.

    Vielen Dank für den Hinweis, haben wir geändert ... es sind aber auch einfach zu viele Tore gefallen.

  7. 1.

    Kleine Korrektur: Nach der Verlängerung stand es nicht 2:2, sondern 3:3! Mehr Sorgfalt bitte, auch wenn es schnell gehen muss!

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