Ex-Juniorennationalspieler Maximilian Zimmer (imago images/osnapix)
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Audio: Inforadio | Vis à Vis | 17.10.2019 | 10:45 Uhr | Bild: imago sportfotodienst Download (mp3, 10 MB)

Energie Cottbus - Warum Maximilian Zimmer mit 27 Jahren seine Karriere beendet

Bei Hertha galt er als Riesen-Talent, in der Junioren-Nationalmannschaft spielte er zusammen mit Mario Götze und Marc-André ter Stegen. Zuletzt hat Maximilian Zimmer bei Energie Cottbus gespielt, wo er nun seine Karriere beendete - mit nur 27 Jahren. 

Zwei deutsche Wörter soll Sasa Stanisic, Träger des Deutschen Buchpreises, gekannt haben, als er 1992 im Alter von 14 Jahren nach Heidelberg kam. Zusammen mit seinen Eltern, auf der Flucht vor dem Balkankrieg, die bosnische Heimat nur noch im gedanklichen Rückspiegel. Zwei deutsche Wörter also, so geht die Erzählung: Lothar Matthäus.

Und warum auch nicht, Lothar Matthäus ist schließlich noch immer der einzige deutsche Spieler, der je zum Weltfußballer des Jahres (1991) gekürt wurde. Und der größte Philosoph des Fußballs. Oder wie sonst ist jemand zu rufen, der "wäre, wäre Fahrradkette" sagt und es verdammt nochmal auch meint?! Womit wir bei Maximilian Zimmer sind. Ex-Juniorennationalspieler. Ex-Herthaner. Ex-Fußballer.

Der Überflieger

Denn Zimmer hat seine Karriere beendet. Mit gerade einmal 27 Jahren. Eine Karriere, die hauptsächlich im Konjunktiv stattfand. Er war ein Überflieger, bis die Flügel brachen, oder besser: sein Kreuzband riss. Ein Überflieger, der sagt, dass er nie wirklich austesten konnte, ob er wirklich das Zeug dazu gehabt hätte, in der Bundesliga zu spielen. Wäre, wäre, Fahrradkette.

Mit zwölf kommt er zur Hertha. Vier Jahre später debütiert er in der U16-Nationalelf, an der Seite von heutigen Superstars wie Marc-André ter Stegen und Mario Götze. Sie alle eint der Traum vom Profifußball, auch wenn Zimmer im Rückblick im Gespräch mit dem rbb sagt: "Die Anfangsjahre waren die schönsten, weil man sich da noch nicht so einen Kopf gemacht hat. Da ging es nur darum, mit den Jungs zu kicken. Eine geile Zeit."

Ein "geiler" Beginn

Die abrupt endet, weil der Körper streikt. Der erste Kreuzbandriss mit 17, der nächste direkt hinterher. Zwei Jahre am Stück war er raus. Zu einer Zeit, in der sich am ehesten entscheidet, ob es was wird mit der Profi-Karriere. Oder nicht. Nur 3,5 Prozent aller U19-Spieler der Profiklubs Deutschlands schaffen den Sprung, so eine Studie aus dem Vorjahr. Zimmer war sich sicher. "Wenn jemand gesagt hat, ich solle in der Schule mal lieber aufpassen, dann habe ich gedacht: ach komm, wird schon alles, ich werde schon Profi."

Nachdem er den zweiten Kreuzbandriss auskuriert hat, unterschreibt er einen Vertrag bei Herthas U23. Immerhin, denn, so Zimmer: "Im Fußball wird auf keinen gewartet, auch wenn er ein noch so großes Talent hat." Und auch wenn es scheinbar weitergeht, hat er den Traum vom Profi da bereits "innerlich begraben".

Eine Riesen-Chance

Weil er schnell einsehen muss, dass er nicht mehr an seine oberste Leistungsgrenze herankommt. Weil er nicht mehr das Vertrauen in seinen Körper hat, das es braucht, um da ganz oben mitmischen zu können. Weil es auch mental nicht mehr ging. "Weil man das mental fast gar nicht stemmen kann", sagt er. Selbst mit der Hilfe seiner Familie und seiner Freundin, die heute seine Frau ist, nicht.

Zimmer beginnt eine Ausbildung zum Industrie-Kaufmann, wechselt zu Babelsberg 03. Zwei Jahre später, 2015, geht es zum 1. FC Kaiserslautern. Noch einmal angreifen? Noch einmal den Traum jagen, das "Wäre, Wäre" besiegen?

"Kaiserslautern war für mich eine Riesen-Chance", sagt Zimmer. Doch der Wechsel in die Pfalz ist keine gute Idee. Die Familie fehlt, das Einleben fällt schwer, viel zu schwer. Und dann erkrankt auch noch der Vater. Bei den Roten Teufeln kommt er 16 Mal zum Einsatz - in der zweiten Mannschaft. Dann geht es zurück, über den Berliner AK landet der offensive Mittelfeldspieler schließlich bei Energie Cottbus.

Endlich Profi

"Im Nachhinein der krönende Abschluss", sagt Zimmer. Er versucht, sein Naturell zu ändern, zu zeigen, was er "wirklich drauf" hat. Er arbeitet hart an sich und wird belohnt. Er ist Stammspieler, Leistungsträger. 24 Scorerpunkte sind es in 28 Spielen der Regionalliga-Saison 2017/18. In den Relegationsspielen für den Drittliga-Aufstieg gegen Weiche 08 Flensburg trifft er zwei Mal. Er ist Aufstiegsgarant. Cottbus schafft den Sprung. Endlich Profi-Fußball für Zimmer, wenn auch "nur" in Liga drei.

13 Spiele kommen anschließend noch hinzu, Knieprobleme machen Zimmer zu schaffen. Dann ist abrupt Schluss. Der dritte Kreuzbandriss im Winter ist der letzte Sargnagel zum Karriere-Ende. "Irgendwann verliert man die Lust, diese Liebe, die man mal für den Fußball hatte. Da fällt es schon leichter, zu sagen: Ok, das war's für mich", sagt Zimmer.

Ein paar Monate hat er für die Entscheidung schon gebraucht, aber jetzt, mit ein bisschen Abstand, sagt er: "Es war die richtige Entscheidung. Ich blicke positiv in die Zukunft." Ab Februar beginnt er mit einer Umschulung, dann will er sich um Versicherungsfälle von Profisportlern kümmern. Damit kennt er sich schließlich aus. Der Ex-Juniorennationalspieler, der einst auf Augenhöhe mit Mario Götze und Marc-André ter Stegen spielte.

Der Mann, dessen Karriere verlief wie Lothar Matthäus spricht: "Wäre, wäre Fahrradkette."  

Sendung: 17.10.2019, rbb24, 21:45 Uhr

Kommentar

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2 Kommentare

  1. 2.

    Ein toller Fußballer, ein sympathischer Cottbuser Junge! Viel Glück für die Zukunft.

  2. 1.

    Schade Maxi, du warst ein begnadeter Techniker dem ich immer gern zugeschaut habe. Viel Glück

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