Florian Hübner und Manuel Schmiedebach im Testspiel von Union Berlin gegen Dynamo Dresden. / imago images/Andreas Gora
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Video: rbb UM6 | 10.10.2019 | Jörg Hellwig | Bild: imago images/Andreas Gora

0:0 gegen Dynamo Dresden - Union gewinnt ein Unentschieden

Im Freundschaftsspiel gegen Dynamo Dresden im Stadion An der Alten Försterei kommt Union Berlin nicht über ein 0:0 hinaus. Das ist am Ende glücklich, hat aber gute Gründe und immerhin ein paar sehr junge Gewinner.

"Großzügigkeit ist das Wesen der Freundschaft", sagte einst Oscar Wilde, und der musste es wissen, denn er war so etwas wie der FC Bayern München der Bonmots und der Geselligkeit.

Weshalb es immer etwas irreführend ist, von Freundschaftsspielen zu sprechen, wenn zwei Mannschaften außerhalb des Liga-Alltags aufeinander treffen. Zumal wenn es zwei Mannschaften mit so viel gemeinsamer und diverser Vergangenheit sind wie der 1. FC Union Berlin und Dynamo Dresden.

Denn ganz sicher wünschten die elf Spieler, die Unions Trainer Urs Fischer an diesem Donnerstagnachmittag auf den Rasen der Alten Försterei schickte, ihren Gegenspielern ansonsten alles Gute, nur eben nicht für die anstehenden 90 Minuten.

Nichts für Kinder

Und vielleicht sollte man diese Spiele eher Erkenntnis- oder Lehr- oder eben Testspiele nennen, denn dazu sind sie ja tatsächlich da, und nicht etwa zur Vertiefung freundschaftlicher Bande. In diesem Fall und unter schönster Herbstsonne für die Herren Nicolas - Ryerson, Hübner, Parensen, Reichel - Rapp, Schmiedebach, Kroos - Abullahi, Polter, Ingvartsen, die sich Punkt 14 Uhr und in einem 4-3-3 zum Anpfiff einfanden.

Mithin also Spieler, die zuletzt wenig oder gar nicht zum Einsatz gekommen waren, womit immerhin geklärt wäre, wer sich wirklich über die Länderspielpausen freut; abgesehen von den Nationalspielern.

Und abgesehen von den vielen Kindern in der Alten Försterei, die das Gros der 2.300 Zuschauer ausmachten, da sie, so sie denn unter 12 Jahre alt waren, freien Eintritt erhielten.

Union tut sich schwer

Was sie zu sehen bekamen, war dann allerdings nicht gerade Werbung für den Fußball im Allgemeinen oder Union im Speziellen. Denn die Mannschaft tat sich, wie zuletzt auch in der Bundesliga, offenkundig schwer, insbesondere in der Offensive.

Da half es auch nicht, dass die erste Verteidigungslinie wie schon zuletzt beim Bundesliga-Gastspiel in Wolfsburg erstaunlich hoch, und nicht wie zu Beginn der Bundesliga-Saison erst hinter der Mittellinie auf den Gegner wartete. Ebensowenig wie die Tatsache, dass Union durchaus bemüht war, aggressiv zu pressen. Denn die Ball-Jagden blieben allzuoft Einzelaktionen.

Dabei ging es ordentlich zur Sache, auch in den Zweikämpfen war von Freundschaft wenig zu spüren. Und vielleicht hätte sich der etwas verkrampfte Gesamteindruck der ersten Halbzeit auch komplett geändert, wenn Schiedsrichter Koslowoski in der fünften Minuten und nach einem Kopfball-Tor durch Florian Hübner nicht auf Foulspiel Hübners entschieden hätte.

Verzweifelter Lotto-Spieler

So aber plätscherte das Spiel zwischen den Strafräumen hin und her, wie ein zusehends versiegender Bachlauf. Bemerkenswert war höchstens, dass Union das Geschehen zwar dominierte, Dynamo aber zunächst mehr Ballbesitz verzeichnen konnte. Denn wenn die Eisernen den Ball hatten, dann sollte es schnell gehen. Und dann wurde es aber vor allem - ungenau.

Defensiv stand Union sicher, nach vorn gelang den zentralen Mittelfeldspielern Schmiedebach und Kroos jedoch wenig. Nicht zuletzt deshalb wirkte Sturmtank Sebastian Polter mehr und mehr wie ein verzweifelter Lotto-Spieler: viel Einsatz, wenig Ertrag.

Der Rest ist Schweigen

Die wenigen sich bietenden Möglichkeiten hatten dann auch die Kollegen. So wie Marcus Ingvartsen, der sich zwar immer wieder schön freilaufen konnte, aber im entscheidenden Moment entweder gefoult (19.) oder gestoppt (20.) wurde, oder einfach zu ungenau köpfte (34. Minute).

Suleiman Abullahi (25. Minute) mit einem Gewaltroller aus elf Metern und Felix Kroos (29. Minute) mit einem letztlich harmlosen Distanzschuss komplettierten das Bild, ehe Union kurz vor der Halbzeit nochmals gefährlich wurde.

Wenig Positives zu berichten

Die einzig etwas temporeichere Aktion Unions im ersten Durchgang, ein direkt gespielter Doppelpass zwischen Ingvartsen und Polter, brachte der Däne nicht am starken Dynamo-Torhüter Broll vorbei (40. Minute). Eine Minute später brauchte er dann schon die Mithilfe der Torlatte, da nach der anschließenden Ecke Michael Parensen mit einer Direktabnahme scheiterte.

Über den zweiten Durchgang lässt sich aus Union-Sicht wenig Positives berichten, außer vielleicht, dass sich am Ergebnis nichts änderte. Trainer Urs Fischer wechselte, brachte Mees für Ingvartsen, Schlotterbeck für Hübner und später noch Kade für Schmiedebach. Die Dynamo-Dominanz der zweiten Halbzeit ist damit aber wohl nur unzureichend erklärt. Union kam kaum noch zu Abschlüssen.

Am Ende steht ein 0:0 zu Buche und wenig positive Erkenntnis. Außer vielleicht dieser hier: Freundschaft. 

Sendung: rbb UM6, 10.10.2019, 18:00 Uhr

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