Olympiastadion in Berlin. (Quelle: dpa/Bertram)
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Audio: Inforadio | 10.10.2019 | Sebastian Schöbel | Bild: dpa/Bertram

rbb exklusiv - Hertha scheitert mit Millionen-Angebot für Stadion-Bauland

Wieder gescheitert: Hertha wollte ein Grundstück in der Nähe des Olympiastadions kaufen, um dort eine Arena bauen zu können. Der Verein stellte zwei Bedingungen, die potentiellen Verkäufer lehnten ab. Von Sebastian Schöbel

Dass Hertha BSC weiter an einen Stadionbau im Olympiapark glaubt, hatte der Bundesligist zuletzt immer wieder deutlich gemacht. "Der Abstand zum Wohnen, die Nähe zum Öffentlichen Personennahverkehr und die Möglichkeit, Ressourcen mehrfach zu nutzen, die sprechen alle für den Olympiapark", so Herthas Stadion-Chef Klaus Teichert vor gut einem Monat bei einer Veranstaltung der SPD im Abgeordnetenhaus.

Doch die Genossenschaft 1892, deren Grundstück im Olympiapark der Verein vorher kaufen müsste, hat bereits abgelehnt. Hertha habe bislang keine brauchbaren Lösungen vorgelegt für den Ersatz der 24 Genossenschaftswohnungen, die für das Stadion abgerissen werden müssten. Teichert gab sich dennoch optimistisch. "Wenn man das will, gibt es im Westend, in Charlottenburg, Grundstücke, auf denen man bauen kann. Es gibt Lösungen."

Hertha bietet Millionenbeträge

So eine Lösung glaubte Hertha BSC nun gefunden zu haben und machte erneut ein Angebot: Laut Unterlagen, die dem rbb vorliegen, bot der Bundesligist elf Millionen Euro für das Grundstück im Olympiapark. Im Gegenzug hätte man der Genossenschaft in der Reichsstraße in Charlottenburg ein "baureifes, noch näher zu bestimmendes Grundstück" verschafft. Die Adresse ist dem rbb bekannt. Dort hätten 24 neue 100-Quadratmeter-Wohnungen neu entstehen sollen. Details wie Fragen zu den Eigentumsverhältnissen müsse man noch klären, so Hertha BSC.

Außerdem bot der Verein noch weitere fünf Millionen Euro für die "Zwischenunterbringung" der Mieter in der Sportforumstraße am Olympiastadion. Denn die hätten laut Angebot bis Ende Juni 2021 ausziehen müssen. Ihre neuen Wohnungen wären bis dahin aber wohl noch gar nicht gebaut: Auf dem Gelände in der Reichsstraße müssten vorher Gebäude abgerissen werden. Außerdem besteht dort bislang kein Baurecht.

"Die sind nicht am Ball gewesen"

Einen Tag nach Eingang des Angebots lehnte die Genossenschaft ab. Man habe in der Sportforumstraße längst eigene Pläne: Dort sollen stattdessen weitere Wohnungen entstehen, bestätigte 1892-Vorstand Dirk Lönnecker dem rbb. "Und wir würden auch anbieten, dass wir den alten olympischen Tennisplatz denkmalgerecht aufarbeiten."

Gekauft hat die Genossenschaft das Grundstück im Olympiapark vor weniger als drei Jahren. Lönnecker wundert sich bis heute, dass er heute mit Hertha BSC überhaupt darüber verhandelt. "Die sind nicht am Ball gewesen. Wenn man da ein Bauvorhaben hat, hält man das Ohr ins Gras. Dann hätten die wissen müssen, dass das Grundstück am Markt ist und hätten selber zuschlagen können."

Weitere Gespräche mit dem Bundesligisten wird es aber wohl nicht geben: Die Genossenschaft bleibe bei ihrer Entscheidung, heißt es in einem Antwortschreiben an den Verein. "Das lebenslange Wohnrecht der Mitglieder" und der Erhalt der Wohnungen stehe "an erster Stelle".

Die Pläne für die neuen Wohnungen in der Sportforumstraße. (Quelle: rbb|24/Sebastian Schöbel)Eine Ansicht der neuen Wohnungen in der Sportforumstraße.

Sendung: Inforadio, 10.10.2019, 15:20 Uhr

Beitrag von Sebastian Schöbel

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32 Kommentare

  1. 32.

    Schade des hier soviele sinnfreie und nixblicker Kommentare durchkommen, wahrscheinlich auch der Hertha-feindlichen Berichterstattung des RBB geschuldet.
    Also erstens ist Hertha ein PrivatUnternehmen und kann ein neues Stadion bauen wann sie es für richtig halten, schließlich bezahlen sie es ja auch PRIVAT.
    Zweitens kommt ein Umbau oder Weiterführung des Oly als HerthaSpielstätte NUR dem Steuerzahler teuer zu stehen.
    Und drittens ist Hertha einer der größten mittelständischen Unternehmen in der Stadt, die viele Steuereinnahmen für den Senat garantiert.
    Aber gut wenn das die Stadt Berlin nicht will, sollten sie einfach ins Umland gehen, ehrlich gesagt mir ist das egal, Hauptsache nicht mehr das unwirkliche Oly als Fussballstätte.

  2. 31.

    Um es kurz zu sagen: nein, Sie haben es nicht richtig erfasst. Informieren Sie sich einfach, gibt genug Artikel inzwischen dazu. Auch hier im rbb. Es ist müßig, es immer wieder zu wiederholen.

  3. 30.

    Verstehe ich (der zugegebenarmaßen kein Fußballfanatiker ist) das eigentlich richtig? Ein bereits in der Vergangenheit stets üppig subventionierter Charlottenburger Fußballverein hat das Problem, dass sich zu wenige Berliner für ihn interessieren und eben aus diesem Grund soll es nun eine der dringlichsten Aufgaben Berlins sein, diesem Fußballverein doch bitte ein Grundstück zuzuweisen damit ein kleineres Stadion für die noch verbliebenen interessierten vierzig- oder fünfzigtausend Anhänger (das sind gerade mal 1-2 % der Berliner Bevölkerung!!!) gebaut werden kann, gern auch auf einem Gelände auf dem man dafür Genossenschaftswohnungen abreißen und Mieter umsiedeln müßte, korrekt? Ja sind wir denn eigentlich in einem Irrenhaus??? Unsere Stadt hat weiß Gott wichtigere Probleme (bezahlbarer Wohnraum, sanierungsbedürftige Schulen und Kindergärten, etc.pp) zu lösen als die Luxusprobleme eines offensichtlich völlig maßlos gewordenen Fußballvereins!

  4. 27.

    Och alte Plattitüden, wer nicht investiert hat keine Zukunft sei es in Bildung, Arbeit oder anderem vorankommen. Immer nur hätte wenn und aber bringt gar nichts.

  5. 26.

    Abgesehen davon, dass die Aufnahme schon ein paar Jahre alt sein dürfte... Irgendwas stimmt mit ihr nicht, ist sie gespiegelt? Wenn man aus Richtung Olympischer Platz kommt, befindet sich doch das Schwimmstadion rechts und die Eingänge Coubertinplatz links, oder? Hier auf dem Foto ist es genau umgekehrt. Vielleicht meinte das der User Assmann mit "gefaket"?

  6. 25.

    Übrigens rbb nicht Hertha scheitert sondern Berlin einen traditionellen Club in der Stadt halten zu wollen. Fehlt nur noch ein Smiley hinter der Überschrift, nach dem Motto jetzt haben wir es Hertha aber gezeigt. Wahrscheinlich wirklich egal es gibt viele zugereiste in der Stadt die ins Oly gehen wenn ihr Heimatclub kommt sonst nicht. Schade eigentlich es hat aber immer Berlin verloren sollte man mal drüber nachdenken!

  7. 24.

    Den Umbau würde aber der Eigentümer des Stadions finanzieren (müssen). Das ist Berlin. Und viel Umbaumöglichkeiten gibt es ohnehin nicht. Wenn der Denkmalschutz es zulassen würde, dann könnte das Oly in ein reines Fußballstadion umgebaut werden. Das kostet aber mehr als ein Neubau. Und damit hätte Hertha immer noch kein eigenes Stadion.

  8. 23.

    Vor allem sollte Herta erst mal zeigen, daß sie nicht nur Mittelklasse spielen können sondern ganz oben dabei. Wer nur Mittelklasse spielt braucht kein neues Stadion, denn dadurch wird die Spielqualität auch nicht besser. Und Grundstücke zu suchen wo Wohnhäuser abgerissen werden müssen ist ja wohl echt nicht deren Ernst bei der Wohnungsknappheit und jeder weis, daß sich viele Altmieter gar keine neue Wohnung von den Mieten her leisten können. Die Typen bei Herta scheinen auf dem Mond zu leben. Warum nehmen die nicht die Nordkurve der Avus, war zentral gelegen mit Bus, S-Bahn und U-Bahn in der Nähe. Paßt den arroganten Fußballfanatikern wohl nicht so richtig - okay dann gibts gar nichts. Die sollen mal schön im Olympiastadion bleiben und wenn sie mal 3 - 4 Jahre unter den ersten 3 in der 1. Liga spielen, dann kann man vielleicht mal drüber nachdenken.

  9. 22.

    Na Geld für einen Umbau ist doch da (11 Millionen). Ist schon mal ein Anfang. Den Rest bekommen sie bestimmt durch Spenden rein.

  10. 18.

    Schon schlecht, wenn man das Gelände ums Olympiastadion herum nicht mal annähernd kennt. War wohl ein Eigentor mit dem "Fake".

  11. 17.

    Das Aufmacherbild zeigt das Berliner Olympiastadion mit Maifeld und Marathontor. Quelle: picture alliance / blickwinkel.

  12. 16.

    Es wäre schön, würde der rbb keine gefaketen Bilder ins www stellen.
    Mit freundlichen Grüßen

  13. 15.

    Es gibt auch genügend Beispiele in dem ein eigenes Stadion zur Weiterentwicklung des Vereins geführt hat. Nur in Berlin ist eine Weiterentwicklung nicht mehr möglich halt eine alte marode Stadt. Erst recht wenn man dieses Beispiel sieht, ab nach Brandenburg an den Stadtrand in Berlin herrscht Stillstand. Übrigens sind nicht 24 Mietparteien die Bürger von Charlottenburg.

  14. 13.

    Herr Lönnecker trifft den Punkt: "Die sind nicht am Ball gewesen". Dieser ganze Stadionplan ist von Anfang an undurchdacht und reaktionistisch gewesen. Weil irgendwelche Medien angefangen haben, an den Zuschauerzahlen von Hertha rumzunörgeln und der Verein natürlich auch gern mehr Zuschauer hätte, hat man sich in diese Stadionidee verbissen. So muss man nicht zugeben, dass das Stadion leer ist, weil Hertha ein Verein ohne jeden sportlichen Erfolg und - zumindest bis diesen Sommer - ohne jede Perspektive auf Erfolg ist. Das Berlin die Berliner ausgehen, die sich aus lokalpatriotischen Gründen für Hertha interessieren. Das der Profifußball ekelhaft kommerzialisiert worden ist und immer noch ein proletarisches Macho-Image trägt, was nicht mehr zeitgemäß ist. Man könnte im Olympiastadion glücklich werden, wenn man echte Ideen für diesen Verein hätte. Diese ganze Marketing- und Stadionbau-Makulatur bringt rein gar nichts. Ich bin froh für die 1892 und freue mich, dass sie dort bauen werden.

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