Neven Subotic von Union Berlin. / imago images/Contrast
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Interview | Union-Verteidiger Neven Subotic - "Wir müssen unsere Lektionen sehr schnell lernen"

Neven Subotic und Union Berlin sind nach drei Niederlagen in Folge in der harten Bundesliga-Realität angekommen. Im Interview mit rbb|24 spricht der Innenverteidiger über Wege aus dem Tief, die besondere Stärke der Köpenicker - und das, was er am Fußball liebt.

Was Fußballer ja gar nicht mögen, sind Komplimente nach Niederlagen. Geht es Ihnen momentan so ähnlich?

Ich glaube, ich habe noch kein Kompliment bekommen. Deshalb habe ich da auch keine Schwierigkeiten. Es ist auf jeden Fall immer ärgerlich zu verlieren. In dieser Phase sind wir noch immer. Wir versuchen jetzt, die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Wir haben noch eine lange Saison vor uns und müssen sehr schnell unsere Lektionen lernen.

Da kann man raushören, dass man einem Aufsteiger diese Zeit zugestehen sollte, ja muss, um sich in so einer qualitativ hochwertigeren Liga einzugewöhnen ...

Wir haben gar keine andere Wahl. Wir können uns die Haare rausreißen und uns gegenseitig beschuldigen, aber das würde gar keinem helfen. Es ist eine gewisse Stärke von Union, dass wir zusammengeschweißt sind - in den vergangenen Jahren, vor allem aber auch in den letzten Wochen. Da haben wir starke Höhen mit dem Sieg gegen Dortmund, aber auch die erste kleine Negativserie erlebt. Da möchten wir natürlich raus. Wir haben in den letzten beiden Spielen gegen Bremen und Frankfurt gesehen, dass wir sehr nah dran sind. Wir merken natürlich, dass die Bundesliga sehr schwierig ist - der Gegner macht aus keiner Chance ein Tor. Insgesamt müssen wir uns einfach fokussieren und den einen oder anderen Meter in die richtige Richtung machen. Dann werden diese Spiele auch zu unseren Gunsten ausgehen. 

Das sieht auch Ihr Trainer Urs Fischer so. Für ihn fehlen nur Kleinigkeiten. Welche sind das aus Ihrer Sicht?

Die Kleinigkeiten findet man überall. In jedem Zweikampf können wir einen Zentimeter oder manchmal auch einen ganzen Meter näher dran sein (schmunzelt). Die Pässe genauer spielen. Wenn es der entscheidende Pass oder der entscheidende Zweikampf ist, kann das spielentscheidend sein. Es ist nicht nur eine Situation. Wir haben noch einen Weg vor uns - das wussten wir schon vor dem ersten Spiel. Es gilt, unsere Lektion zu lernen und die nächsten Spiele so zu gestalten, dass wir Punkte mitnehmen. Wir sind auf dem richtigen Weg. 

Sie haben das Spiel gegen Dortmund schon angesprochen. Eine gute Leistung und ein gutes Ergebnis. Es folgte allerdings eine Zäsur, was die anschließenden Ergebnisse betrifft. Was ist Ihre Erklärung?

Die Spiele waren alle sehr knapp. Bremen entscheidet mit einer Ecke das Spiel, wir hatten im Anschluss gute Chancen. Das gleiche können wir über das Spiel gegen Frankfurt sagen. Das ist ein super Gegner, der im Europapokal spielt. Trotzdem hatten sie gegen uns keinen leichten Tag. Die paar Chancen, die sie hatten, haben sie sehr gut genutzt. Sie haben uns aber keinesfalls gegen die Wand gespielt. Wir hatten in beiden Halbzeiten gute Möglichkeiten und waren am Drücker. Es bedarf weiterhin der Ruhe und Fokussierung auf die Arbeit. Wir haben zum Glück vor der Länderspielpause am Sonntag die Möglichkeit, noch einen positiven Punkt zu setzen.

Muss es am Sonntag in Wolfsburg in die andere Richtung gehen?

Darauf arbeiten wir hin und hoffen es. Wenn es nicht so sein sollte, werden wir von neuem analysieren. Wir werden noch bessere Phasen haben als die letzten drei Spiele. Wir werden nicht so viel Pech in den Spielen haben, wie es in der letzten Zeit der Fall war. Wenn ich die letzten Spiele objektiv betrachte und diese fair ausgehen, haben wir - mit ein bisschen Glück -  mindestens einen oder sogar zwei Punkte mehr.

Man hört an Ihren Aussagen, dass Ihnen das atmosphärische Umfeld bei Union Berlin gefällt. Für Sie sicher auch ein Grund für den Wechsel nach Berlin ...

Mit Sicherheit. Ich bin Fußballer geworden, um vor den Leuten zu spielen und gemeinsam mit den Fans zu feiern. Sowas hat man in diesem Beruf sehr selten. Das ist ein absoluter Luxus. Ich hatte auch Kollegen, die ins Ausland gegangen sind und die bei Toren nicht die kompletten Emotionen erlebt haben. Für mich als Spieler bleibt das weiterhin ein sehr wichtiger Faktor. Die Fans machen dieses Spiel aus. Ich habe Partien erlebt, bei denen gar keine Fans dabei waren - das verändert das Spiel und dessen Verlauf. Ich bin sehr dankbar, bei Union zu sein. Wir haben auch beim letzten Spiel wieder gemerkt, dass wir die besten Fans haben. Wer die Szenen nach dem Abpfiff erlebt hat, hätte gedacht, dass wir 2:0 gewonnen haben. 

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Torsten Michels für den rbb Sport.

Sendung: rbbUM6, 01.10.2019, 18 Uhr

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