Martin Setz (r.) aus Deutschland und Tumurkhuleg Davaadorj aus der Mongolei kämpfen gegeneinander. (Quelle: dpa/Jonas Güttler)
Bild: dpa/Jonas Güttler

Einzug ins Bundesliga-Finale - Junge Potsdamer Judoka machen Lust auf mehr

Der UJKC Potsdam hat erstmals seit sieben Jahren das Ticket für die Finalrunde der Judo-Bundesliga gelöst - fast ausschließlich mit lokalen Kämpfern. In zwei Wochen geht es für die junge Potsdamer Mannschaft in Esslingen um die Medaillen. Von Johanna Rüdiger

Erstmals seit sieben Jahren stehen die Judoka des UJKC Potsdam wieder im Final-Four der Judo-Bundesliga. Mit vielen Lokalmatadoren und hoffnungsvollen Talenten wollen die Brandenburger in knapp zwei Wochen die großen Judo-Teams der Republik ärgern - und vielleicht nach einer Medaille greifen. Den Grundstein dafür legten sie am vergangenen Wochenende vor großer Kulisse, die Lust auf mehr macht.  

Judo
Bild: Johanna Rüdiger

Lautstarke Halle im Brandenburger Derby

UJKC Potsdam gegen Asahi Spremberg hieß es am Samstag - ein Brandenburg-Derby in der Potsdamer MBS-Arena. Wer dabei glaubt, nur ein paar wenige Zuschauer hätten den Weg in die Halle gefunden, wurde eines Besseren belehrt. Judo mag zwar eine mediale Randsportart sein, dennoch existieren allein in Brandenburg knapp 80 Vereine. Der UJKC hatte alle von ihnen zum letzten Wettkampftag eingeladen, viele ließen sich das Finale der regulären Bundesligasaison nicht entgehen.

Applaus für beide Mannschaften hallte zu Beginn der Wettkämpfe von den Tribünen. Die Hausherren standen unter gehobenem Erfolgdruck: Durch einen Sieg des direkten Konkurrenten Hamburg befand sich die Mannschaft von Trainer Christopher Schwarzer unter Zugzwang.

Als Mohamad Akkash, der sein erstes Duell noch verloren hatte, durch einen Sieg in seinem zweiten Kampf für die Entscheidung zu Gunsten der Gastgeber sorgte, stand fest: Der UJKC Potsdam gehört zum ersten Mal seit 2012 wieder zu den besten vier Vereinen des Landes. "Besser hätte man das Drehbuch für uns nicht schreiben können. Hamburg hat uns unter Druck gesetzt, aber wir haben es geschafft", sagte der Coach nach den Kämpfen daher erleichtert.

Ein syrischer Flüchtling unter den Lokalmatadoren

Im Finale wird Potsdam hauptsächlich auf lokale Sportler setzen. "Wir kämpfen im Finale nur mit deutschen Athleten", betonte Schwarzer, der diese Saison sein Bundesliga-Debüt als Trainer feierte. Davon nicht ausnehmen - oder eher dazuzählen - möchte er ausdrücklich Akkash. Der 24-Jährige ist 2014 aus Syrien geflüchtet und lebt nun in Potsdam. Die Entscheidung des Trainers auf etablierte internationale Athleten zu verzichten, ist eine bewusste: Schwarzer möchte so die Jugendarbeit der Potsdamer fördern. "Die Jungs haben sich das verdient mit ihrer Leistung über das ganze Jahr".

Auch Martin Setz ist einer von diesen "Jungs". Setz gewann 2017 die Bronzemedaille bei den "European Universities Judo Championships". Der Lokalmatador wurde bei seinem Kampf in der ersten Runde am Samstag von den heimischen Fans besonders angefeuert und holte einen wichtigen Punkt für seine Mannschaft. Der 25-Jährige hat ein schwieriges Jahr hinter sich: Nach einem erneuten Kreuzbandriss kämpfte er sich zurück auf die Matte und in den Perspektivkader des Deutschen Judo-Bundes.

Genau wie Kilian Ochs, Erik Abramov und Philipp Galandi gehört er zum sogenanten B-Kader des deutschen Judo-Olympiateams. Die Potsdamer stehen perspektivisch bereit, sollten Athleten aus der ersten Reihe ausfallen. Deshalb - und wegen seiner Verletzung - kann Setz seine Einsatzchancen bei den Olympischen Spielen in Tokio im nächsten Jahr noch nicht einschätzen. "Ich starte jetzt erst wieder mit internationalen Wettkämpfen", erklärt er.

Potsdam setzt auf den Nachwuchs - und die Zukunft

Doch nicht nur mit Setz hat Trainer Schwarzer einen Schützling mit Perspektive. "Die Jugendarbeit des UJKC ist sehr gut und wenn wir alle Athleten mal zusammen haben, sind wir eine schlagkräftige Gruppe", meint er und führt fort: "Viele kämpfen noch bei den Junioren. Noch zwei bis drei Jahre, dann sind wir eine Hausnummer".

Das junge Team und die Fans, die zu Hunderten in die Hallen strömen, dürfen sich also durchaus Hoffnung auf eine erfolgreiche und goldene Zukunft machen - zunächst am 19. Oktober, bei der Finalrunde, aber erst mal auf eine Medaille, wenn in Esslingen die vier besten deutschen Vereine auf die Matte gebeten werden.

Beitrag von Johanna Rüdiger

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1 Kommentar

  1. 1.

    @RBB
    Als "Judoka im Ruhestand" und Danträger - ein Video wäre echt schön gewesen.
    Ich verneige mich vor dieser Leistung.
    <Judo mag zwar eine mediale Randsportart sein>
    Judo kommt einer Lebenseinstellung gleich.

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