Alba Berlin strauchelt bei den Bayern (imago images/Philippe Ruiz)
Video: UM6 | 25.11.2019 | Jörg Klawitter | Bild: imago images/Philippe Ruiz

Alba Berlin im Dauerstress - Heilende Hände für fitte Basketballerbeine

Der Spielplan von Alba Berlin hat es in sich. Bis zu vier Partien in einer Woche - da muss das Team viel Regenerationsarbeit leisten, um nicht an die Belastungsgrenze zu gelangen. Denn noch mehr verletzte Spieler kann sich der Verein wohl kaum leisten. Von Friedrich Rößler

Ein Blick auf den aktuellen Spielplan [albalberlin.de] von Alba Berlin verdeutlicht eindrucksvoll, wie sehr der Trainer- und Betreuerstab gefordert ist und sein wird. Am 6. Dezember zum Beispiel beginnt wieder so eine Phase, in der die Spieler und Betreuer kaum zur Ruhe kommen dürften. In der Euroleague reisen die Albatrosse erst nach Istanbul, müssen nur zwei Tage später in Bayreuth zum Bundesligaspiel antreten und am 12. Dezember in Moskau auf dem Parkett stehen. Wiederum nur drei Tage nach dem Euroleague-Auswärtsspiel in Russland folgt das Pokal-Viertel-Finale gegen den Mitteldeutschen BC aus Weißenfels.

Damit Chefcoach Aito Garcia Reneses immer einen fitten und ausgeruhten Kader zur Verfügung hat, leistet der Verein viel Arbeit im Hintergrund. Physiotherapeut Henrik Lange gehört zu den heilenden Händen im Team und ist sich wohl bewusst, "dass man Verletzungen nicht verhindern kann, aber alles drumherum versuchen wir schon." Teilweise seien er und seine Kollegen bis zu 24 Stunden abrufbar für "die Jungs", gerade wenn die Albatrosse auf Reisen sind. "Abends im Hotel können die Spieler noch bis zwei oder drei Uhr zur Behandlung kommen," berichtet Lange. Dann verabreiche er noch Massagen zur Regeneration.

2,08 m Körpergröße heißt wenig Beinfreiheit im Flieger

Das genießt zum Beispiel Albas Nummer 10 Tim Schneider sehr. Entspannt auf der Liege im Trainingszentrum in der Bundeshauptstadt liegend, lobt der Power Forward die Behandlung durch das Physio-Team. "Das fühlt sich gut an nach drei Spielen in Folge."

Den 22-Jährigen plagen immer wieder Rückenprobleme, die durch das viele Reisen im Flugzeug verursacht werden. "Als großer Mensch hat man im Flieger nicht so viel Beinfreiheit", klagt der 2,08-Meter-Mann. Team-Arzt Moritz Morawski, seit 2012 bei Alba Berlin, erzählt, dass der Verein in Ausnahmefällen sogar extra Charter-Flüge buche, um den Reisestress so gering wie möglich zu halten. "Wir besprechen uns täglich, stimmen uns immer mit dem gesamten Team ab", ergänzt er.

So kann es dann auch passieren, dass ein Spieler sein Training nicht beendet oder gar nicht erst auflaufen muss, um noch besser regenerieren zu können. "Außerdem arbeiten wir noch mit einer Reha zusammen", fügt Physiotherapeut Lange an. "Wenn jetzt einer wie Marcus Eriksson mal länger ausfällt, können wir den an die Reha abgeben". Das bedeutet dann, dass der betreffende Teamkamerad zu Hause bleibt und nicht mit auf Reisen gehe.

Das ganze Umfeld muss passen, feiern geht keiner abends

"Unser Körper ist unser Kapital und wir müssen ihn pflegen und dafür sorgen, dass alles gut funktioniert", sagt Tim Schneider. Deswegen müssten auch das Umfeld und das Privatleben der Basketballprofis passen. "Es wird keiner abends feiern gehen. Essen, Trinken, das muss alles eingehalten werden", verdeutlicht Physio Henrik Lange. Auch Schlaf sei ein wichtiger Faktor. Gerade in der Euroleague, wo die Partien oft erst um 21 Uhr beginnen, hätten die Spieler Probleme mit dem Einschlafen und kämen nicht vor 2 Uhr morgens zur Ruhe.

Verletzungen schwerer Art seien aber nicht zu verhindern. Da stimmen sie bei Alba Berlin überein. Zwar träten die unbeliebten Vorfälle eher zum Saisonstart auf, wenn der Körper noch nicht so an die Belastung gewöhnt sei. "Das mit Stefan Peno oder Johannes Thiemann war aber einfach Pech", erzählt Teamarzt Morawski. Thiemann zog sich im Euroleague-Spiel gegen Olympiakos Piräus vor gut einer Woche ein Schädelhirntrauma zu und müsse sich jetzt erst mal komplett erholen. "Das dauert einfach seine Zeit", bemerkt Moritz Morawski. Dafür sei Peyton Sivas Muskelverletzung ausgeheilt und Albas Nummer 3 könne eventuell schon heute Abend um 19 Uhr im Bundesligaspiel gegen Bonn auflaufen. Auch Tyler Cavanaugh mache Fortschritte, "seine Bänder heilen gut, brauchen aber ebenfalls Zeit", berichtet Albas Teamarzt.

Alle Verletzten im Zeitplan

Sogar für Albas Langzeitverletzten Stefan Peno rückt eine Rückkehr ins Team immer näher. Beim Serben war im Februar die Kniescheibe herausgesprungen und die Heilung nach der Operation verlief nicht so zügig wie erhofft. "Stefan kann schon wieder richtig gut laufen. Es ist so wichtig, dass er nicht die Motivation und die Geduld verliert", erzählt Morawski weiter. Anfang 2020 solle er zurückkehren. Alle Verletzten seien im Zeitplan, es sei weiterhin Geduld gefragt. Und viele Arbeitsstunden im Hintergrund, um die Spieler bei Alba Berlin mit ausreichend Regenerationszeit verletzungsfrei durch die anspruchsvolle Saison zu bringen.

Beitrag von Friedrich Rößler

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1 Kommentar

  1. 1.

    Zog sich Thiemann die Gehirnerschüttterung nicht gegen Roter Stern Belgrad zu?

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