Lui (2.v.l./6) und Mio (2.v.r./4) bei den World Beach Games. / Bild: privat
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Beachvolleyball-Geschwister - Zwei Berliner Brüder im neuen Vier gegen Vier

Mio und Lui Wüst sind Brüder - und gehören zu den deutschen Profis im Beachvolleyball. Jüngst waren sie bei den ersten World Beach Games am Start. Und es gab noch eine weitere Premiere: Im Beachvolleyball hieß es zum ersten Mal Vier gegen Vier. Von Johanna Rüdiger

Etwas skurril wirkt die Vorstellung schon, wenn man bedenkt, dass es bereits Anfang November ist. Aber Mio und Lui Wüst trainieren Beachvolleyball - und das ganzjährig. Natürlich zurzeit nicht draußen. Betritt man die Beachvolleyball-Halle des Berliner Olympiastützpunktes in Hohenschönhausen, dann kommt ein kleines Gefühl von Urlaub auf. Sand soweit das Auge reicht, alle laufen barfuß herum und die Sitzgelegenheiten bestehen allesamt aus Plastik-Gartenstühlen.

Doch das "Double Wüst", wie die Brüder von ihrem Trainer genannt werden, ist nicht zum Urlaub machen da. Trainiert wird täglich mit den Mannschaftskollegen vom VfK Südwest Berlin. Beide haben Ziele. Die U19-Weltmeisterschaft und ein Platz im Erwachsenen-Stützpunkt in Hamburg. Bemerkenswert, sind sie doch erst 17 und 18 Jahre alt. Die Brüder stammen gebürtig aus Berlin und spielen noch nicht allzu lange Beachvolleyball auf Leistungssport-Ebene. Lui ist gerade einmal eineinhalb Jahren auf der Sportschule und macht nächstes Jahr sein Abitur. Mio dagegen studiert an der Humboldt-Universität.

World Beach Games im Lebenslauf

Neuerdings können sie sich auch noch einen Einsatz für das deutsche Beachvolleyball-Team bei den World Beach Games in den Lebenslauf schreiben. Für mehr reichte es (noch) nicht. Das junge Team von Sportdirektor Niclas Hildebrand unterlag im Achtelfinale deutlich in zwei Sätzen gegen die überlegenden Polen.

Doch der Sieg war auch gar nicht das angestrebte Ziel. "Wir sind dorthin gefahren, um Erfahrungen zu sammeln und nicht, um das Ding zu gewinnen", sagt Lui. Sein Bruder nickt zustimmend. "Wir hatten unser Highlight gleich im ersten Spiel. Dort haben wir die USA geschlagen, die dann später das Turnier gewonnen haben. Gegen Polen war dann einfach die Luft raus." Das vielleicht mehr drin gewesen wäre, bestreiten beide allerdings nicht.

Vier-gegen-Vier-Spielmodus

Grund für den nüchternen Realismus ist wohl auch die Tatsache, dass das deutsche Team bestehend aus Momme Lorenz, Dan John, Julian Schupritt und den Wüst-Brüdern mit einem Altersdurchschnitt von 18,2 Jahren antrat. Der Jüngste ist knapp 15 Jahre alt. Was aber nicht bedeuten muss, dass keiner von den jungen Spielern ohne Erfolge angereist ist. Lui hat sogar vor ein paar Monaten die U18-Europameisterschaften in Österreich mit seinem Partner Leon Meier gewonnen. "Das ist ein geiles Gefühl und hat mir noch mal viel Selbstbewusstsein gegeben. Das war mein erstes großes Turnier und ich hätte nicht gedacht, dass es so erfolgreich wird."

World Beach Games

Die World Beach Games sind laut Deutschem Olympischen Sportbund (DOSB) "ein von der Vereinigung des Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) neu geschaffenes Multisportevent für Wasser- und Strandsportarten."  Insgesamt 1.300 Athletinnen und Athleten waren in 16 verschiedenen nicht-olympischen Sportarten vertreten - darunter auch Kitesurfen, Wasserski oder Aquathlon, außerdem adaptierte Disziplinen wie Handball oder Tennis. Ausgetragen wurden die Spiele vom 12. bis zum 16. Oktober in Doha. Das Multisportevent sollte zunächst im Herbst 2017 in San Diego in den USA stattfinden. Die Stadt hatte jedoch Probleme bei der Finanzierung und prompt sprang der Wüstenstaat ein. Der DOSB entsandte insgesamt 21 Athletinnen und Athleten. Deutschland beendete die Spiele mit zwei Bronze- (Freiwasser-Schwimmen) und einer Goldmedaille (Kitesurfen).

"Keiner wusste, wie die Regeln waren"

Den Titel gewann der Berliner allerdings im klassischen Zwei gegen Zwei. Erstmals auf internationaler Bühne wurde nun das Vier gegen Vier wieder eingeführt. Ursprünglich entwickelte sich die heutige Spielform des Beachvolleyballs aus dieser Spielvariation. "Keiner der Verantwortlichen wusste, wie die Regeln waren. Das hat sich erst vor Ort ergeben, während wir gespielt haben und gemerkt haben, wie der Schiedsrichter pfeift. Wir haben uns im Vorfeld auch nur drei Tage darauf vorbereitet."

Lui kann sich bei der Aussage ein Lächeln nicht verkneifen. Sein Bruder ergänzt. "Die Regeln sind eigentlich die Gleichen, aber es ein deutlich anderer Spielfluss. Das Zuspiel ist viel schneller und schwerer zu erkennen." Dazu kommt noch ein erlaubtes Coaching von der Seitenlinie. Den wohl größten Unterschied sehen die Brüder beim Angreifen. Es entstehen viel längere Ballwechsel. Und das ist für die Zuschauer, auch wenn die sich bei den World Beach Games in Grenzen gehalten haben, viel attraktiver anzuschauen.  

Keiner der Verantwortlichen wusste, wie die Regeln waren. Das hat sich erst vor Ort ergeben, während wir gespielt haben und gemerkt haben, wie der Schiedsrichter pfeift. Wir haben uns im Vorfeld auch nur drei Tage darauf vorbereitet.

Lui Wüst

Nur die USA waren mit der Variante vertraut

Bestimmt einer der  Gründe, warum die Vereinigung des Nationalen Olympischen Komitees (ANOC) diese Spielform gewählt hat. "Ein Freund von mir, der kein Beachvolleyball spielt, hat sich das angeschaut und meinte, dass es schöner anzusehen ist", meint Mio. Aber für beide ist es keine Spielform, die sie im Alltag beibehalten wollen. "Wir werden nicht Vier-gegen-Vier-Beachvolleyballer. Wir werden weiterhin Zwei-gegen-Zwei trainieren."

Bei den nächsten World Beach Games, entweder in Peking oder Hongkong, wird es dann wohl ähnlich ablaufen. Trotzdem konnten sich die beiden Athleten nach dem Wettkampf, mit dem in Deutschland eigentlich verrufenen Vier-gegen-Vier-Modus, noch blicken lassen. Mehr noch, es wurde von vielen Beachvolleyballern mit Interesse verfolgt, auch wenn es in der Umsetzung bei vielen Nationen noch haperte. Einzig die USA waren bereits mit der Variante vertraut.

"Solange der Kopf nicht in den Sand kommt"

Ohne Zweifel möchte auch das "Double Wüst" beim nächsten Mal mit von der Partie sein. Immerhin lieben beide ihre Sportart und Lui fast noch mehr den Sand. "Ich mag Sand, das war schon immer so. Im Training zum Beispiel müssen wir eine Rolle vorwärts als Bestrafung machen. Ich mache das gerne", so der Junioren-Europameister. Mio dagegen hat eine ganz andere Auffassung. "Solange der Kopf nicht in den Sand kommt, ist das in Ordnung. Auch wenn man überall Sand findet und ständig welchen im Auge hat, gewöhnt man sich daran."  Wie viel Kilogramm Übergepäck an Sand sie letztendlich aus Doha mitgenommen haben, können sie dann aber doch nicht sagen.

Als Team haben beide übrigens erst fünf Mal gespielt. Und für die große Brüder-Karriere wird es wohl auch nicht reichen. "Wir sind beide nicht die Größten und bräuchten jeweils einen Blocker. Also spielen wir im Optimalfall nicht zusammen." Doch stehen beide einmal zusammen auf dem Feld, dann verstehen sie sich außerordentlich gut. Und sei es auch nur, wenn die beiden Profis nach dem Training durch die beheizte Halle hechten, um Bälle einzusammeln.

Beitrag von Johanna Rüdiger

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