Am Samstag fand der erste Arbeits-Verbandstag des BFV statt. Quelle: rbb
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Video: rbb24 | 16.11.2019 | Sebastian Meyer | Bild: rbb

Arbeits-Verbandstag des BFV - Ein erster Schritt gegen Gewalt an Schiedsrichtern ist gemacht

Zunehmende Gewalt gegen Schiedsrichter sorgte zuletzt für deutschlandweites Entsetzen. In Berlin reagierten die Schiris mit einem umfangreichen Streik. Auf seinem Verbandstag hat der Berliner Fußball-Verband nun erste Maßnahmen verabschiedet. Von Jonas Bürgener

Würde der Berliner Fußball-Verband (BFV) seine Tagungen nicht ohnehin regelmäßig in der Evangelischen-Freikirchlichen Gemeinde in Schöneberg abhalten, könnte man meinen, der Verband hätte das Gemeindezentrum symbolisch zur Austragung des ersten Arbeits-Verbandstages gewählt.

Wegen der zunehmenden Gewalt gegen Schiedsrichter ging es auf Berlins Fußballplätzen zuletzt nämlich nur wenig besinnlich zu. Daher stand am Samstag - neben vielen weiteren Anträgen - die Frage im Mittelpunkt, wie Gewalt gegenüber Unparteiischen präventiv verhindert werden kann. Am Ende einigten sich die Delegierten dabei auf ein umfassendes Paket, das die Schiedsrichter in Zukunft besser schützen soll.

Thema überschattet Verbandstag

Bereits in seiner Eröffnungsrede sprach BFV-Präsident Bernd Schultz von einem "Zeichen", das der Verband gegen Gewalt setzen müsse. Es könne nicht sein, dass Schiedsrichter "mit einem Gefühl der Angst" zu Spielen fahren. "Wir müssen einen ernsthaften Dialog über das Klima auf unseren Plätzen führen", appellierte Schultz an die versammelten Vereinsvertreter.

Bereits im Vorfeld des Arbeits-Verbandstags hatte das Präsidium einen "Masterplan" zum Schutz der Schiedsrichter verabschiedet. Jörg Wehling, Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses, bedankte sich zunächst für das Verständnis der Vereine für den Schiedsrichter-Streik im Oktober, um sich dann Präsident Schultz anzuschließen und zu betonen, wie wichtig schnelle Maßnahmen seien.

Hitziger Streit

Ohnehin herrschte im kahlen Schöneberger Gemeindesaal ein großer Konsens darüber, dass sich auf Berlins Sportplätzen im Umgang mit den Schiedsrichtern einiges ändern muss. Das Signal, das die Referees durch ihren umfangreichen Streik im vergangenen Monat gesendet hatten, scheint bei den Vereinen und ihren Spielern angekommen zu sein.

Darüber, welche Maßnahmen genau in Angriff genommen werden sollen, stritten die Delegierten dann allerdings hitzig. Bernd Fiedler, Vereinsvorsitzender des SFC Stern 1900, hatte kurzfristig vor dem Verbandstreffen per Dringlichkeitsantrag eine höhere Bestrafung gewalttätiger Spieler vor dem Sportgericht gefordert. 

"Schwarze Liste" konsequenter anwenden

Fiedlers Forderungen: Spieler sollen in Zukunft auch länger als nur ein paar Wochen gesperrt werden können - in schweren Fällen sogar mehr als zwei Jahre. Um das Spielrecht überhaupt wieder erlangen zu dürfen, müssten Spieler demnach an einem Anti-Gewalt-Kurs teilnehmen. Und der BFV würde - so Fiedlers Plan - dazu verpflichtet, die sogenannte "Schwarze Liste", auf der Akteure verzeichnet werden, die nicht mehr im BFV spielen und geführt werden dürfen, konsequenter anzuwenden.

Der Vorsitzende des SFC Stern sah in seinem Antrag das "klare Signal", das der BFV entsenden müsse. Einigen anderen gingen die Forderungen zu weit. Zudem - so die Kritik - seien sie rechtlich überhaupt noch nicht geprüft worden. Nach einer langen und hitzigen Diskussion - und einer Mittagspause, in der sich die Gemüter wieder beruhigten - einigten sich die Vertreter dann doch mit einer deutlichen Mehrheit auf die von Fiedler vorgeschlagenen Maßnahmen. Diese müssen allerdings bis zum 31. Januar 2020 eine rechtliche Prüfung durchlaufen.

"Das Thema ist noch überhaupt nicht aus der Welt"

Danach wurde auch einem Antrag des Schiedsrichterausschusses zugestimmt. Demnach sind die Vereine im Seniorenbereich der Herren in Zukunft dazu verpflichtet, mindestens eine Person für den Schiedsrichter zu stellen, die dem Referee vor und nach dem Spiel zur Verfügung steht und die dem BFV vor der Partie namentlich mitgeteilt werden muss.

Für Wehling sind die beschlossenen Maßnahmen eine erfreuliche Reaktion auf die Missstände der letzten Monate: "Wir haben gute Beschlüsse gefasst. Der Begriff 'Zeichen' war am Samstag das wichtigste Wort des gesamten Arbeitstages - und dieses Zeichen haben wir gesetzt." Das sei toll, sagte Wehling dem rbb. Dennoch sieht er auch weiterhin viel Arbeit auf den Verband und die Vereine zukommen: "Das war nur ein Zwischenschritt, wir haben jetzt das nächste halbe Jahr wirklich viel zu tun. Wir müssen uns mit den Vereinen und in den Verbandsgremien intensiv um die Gewalt kümmern. Das Thema ist noch überhaupt nicht aus der Welt".

"Großer Blumenstrauß"

Auch Bernd Fiedler war nach dem von ihm leidenschaftlich geführten Diskurs zufrieden: "Es war zwischenzeitlich ein bisschen schwer, den Antrag durchzubekommen. Es hat ein wenig gedauert. Am Ende ist es aber ein klares Zeichen gegen Gewalt gegen Schiedsrichter", so Fiedler. Der Stern-Vorsitzende sieht die Diskussion - ähnlich wie Wehling - aber noch lange nicht am Ende. "Das ist ein großer Blumenstrauß mit vielen verschiedenen Wünschen, der aber noch nicht ausreicht. Die Vereinsvorstände müssen bei sich anfangen, ein vernünftiges Klima in ihrem Verein zu finden", nahm Fiedler die Klubs in die Verantwortung. Ein erster richtiger Schritt in eine hoffentlich besinnlichere Zukunft ist auf dem Verbandstag jedenfalls gemacht worden.

Sendung:  rbbUM6, 16.11.19, 18:00 Uhr

Beitrag von Jonas Bürgener

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4 Kommentare

  1. 3.

    Ich weiß, wen und was sie meinen. Als Antwort werden sie bekommen: DieTäter stammen aus allen sozialen Schichten und haben die unterschiedlichsten kulturellen Hintergründe. Nur nicht das Kind beim Namen nennen, dann werden gleich wieder die bekannten "Keulen" geschwungen.

  2. 2.

    Der erste Schritt wäre, tabulos die Struktur der Täterschaft zu identifizieren und zu benennen. Nur so kann wirksam diese relativ neuartige Erscheinung wirksam bekämpft werden.

  3. 1.

    Der Profifußball soll endlich seine Vorbildfunktion wahrnehmen! Wenn ich sehe, wie manche Offiziellen, Trainer und Profis(meistens immer die Selben) Woche zu Woche mit den Schiris umgehen, braucht man sich nicht zu wundern, daß es in den unteren Ligen auch so ist! Nur diese Schiris sind nicht so geschützt, wie in den Bundesligastadien!
    Ich bewundere die Schiris in den unteren Ligen, die diesen Stress Woche zu Woche für ein paar mickrige Euros als Aufwandsentschädigungen auf sich nehmen! Dafür meinen höchsten Respekt! Klar habe ich auch schon auf dem Schiri geschimpft, aber wurde nie Gewaltsam oder beleidigend!

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