Labrie und Ferraro in der Kabine
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Berliner Eishockey - Die bärtigen Eisbären

Hart auf dem Eis - stilbewusst daneben: Landon Ferraro und Pierre-Cédric Labrie tragen als einzige Eisbären-Profis einen Vollbart. In der Kabine verraten die beiden, was sie mit ihrem neuen Team vorhaben und wie sie ihre Bartpracht pflegen. Von Felix Edeha

Die Eisbären Landon Ferraro und Pierre-Cédric Labrie haben Vieles gemeinsam: beide sind gebürtige Kanadier, begnadete Offensivspieler und haben schon in der nordamerikanischen Profiliga NHL gespielt. Und beide tragen volles Barthaar im Gesicht.

"Erstens bin ich faul und habe keine Lust mich jeden Tag zu rasieren und zweitens wirke ich durch den Vollbart breiter und sehe neben den großen Typen in unserem Team nicht so dünn aus.", sagt der 1,83m große Ferraro und blickt grinsend zu seinem größeren Teamkollegen Labrie auf.

"Stimmt, das funktioniert auch! Ich dachte vorher immer, dass er um die 85 Kilogramm wiegen muss, aber, als ich ihn dann in der Kabine gesehen habe, dachte ich 'Mann! - das muss die Bart-Illusion sein!'", lacht der größere Labrie.

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Ferraro mit Traum-Einstand

Die beiden Kanadier sorgen nicht nur für gute Stimmung und Lacher in der Kabine, sondern bereichern auch die Offensive von Trainer Serge Aubin. Die Verpflichtung Ferraros liegt erst einen Monat zurück und hat sich für die Eisbären schon jetzt bezahlt gemacht: In seinem Heimdebut gegen Nürnberg erzielte der Stürmer gleich zwei Tore und avancierte beim 6:2-Sieg zum Publikumsliebling der Eisbären-Fans. Während des Spiels schallten immer wieder "Landon Ferraro"-Sprechchöre durch die Arena am Ostbahnhof.

"Noch nie hat jemand so laut meinen Namen gerufen. Ich werde mich immer an mein erstes Heimspiel und die jubelnden Zuschauer erinnern!", sagt er.

Den 28-jährigen zeichnen vor allem seine Torgefahr und Schnelligkeit aus - zudem ist er als "Two Way-Player" auch dafür bekannt, dass er ebenso effektiv in der Defensive arbeitet. Ferraro hat bereits vier Jahre in der nordamerikanischen Profiliga NHL gespielt und dabei sechs Tore erzielt und fünf weitere vorbereitet.

"Er ist jemand, der sehr schnell unter die Haut seines Gegners kommt und der sehr schwer zu decken ist", sagt Mitspieler Pierre-Cedric Labrie. Der bullige 1,88-Mann weiß, wovon er spricht: In Amerika haben die beiden schon mehrmals gegeneinander gespielt.

Pierre-Cedric Labrie: Spielaufbau trifft Schlagfertigkeit

Labrie hat in diesem Sommer die gesamte Vorbereitung als Probespieler absolviert und die Verantwortlichen bei den Eisbären überzeugt. Der Kanadier bringt mit seinen Fähigkeiten im Spielaufbau eine neue Dimension ins Spiel der Berliner. Dazu kommt die Erfahrung aus 46 Spielen in der NHL und vielen weiteren aus der zweiten amerikanischen Profiliga AHL.

"Das Hockey hier in Europa ist sauberer - man sieht nicht so viel Schmutziges wie in Amerika und die Zuschauer sind besser drauf und lauter. In jeder Arena ist der Hype da."

Der 32-Jährige versteht sich selbst als eine Art "Bodyguard" für seine Mitspieler und wer bei YouTube nach seinem Namen sucht, versteht schnell, warum: Mehrere Videos aus früheren Tagen belegen, dass der freundliche Eisbär auch gerne Mal seine Fäuste gegen die gegnerischen Spieler einsetzt: "Meistens ist es ein Tackle vom Gegner, das ich nicht mag - manchmal reicht auch nur ein komischer Blick und ich frage dann, wo das Problem liegt."

Die Kämpfe im Eishockey mögen brutal sein und unnötig erscheinen. Aber laut Labrie könnten solche Kämpfe manchmal ein ganzen Spiel entscheiden. "Ab und zu kann man damit das Momentum zurückgewinnen und das Spiel drehen, etwa wenn man mit einem Tor zurückliegt." In Deutschland will er sich aber stärker auf das Spielen konzentrieren, auch, weil die Strafen in der DEL härter seien.

Vernarrt in Vollbart

Aber auch abseits der Eisfläche zeigen Labrie und Ferraro vollen Einsatz - vor allem, wenn es um ihre Bärte geht. Nach dem Training im Wellblechpalast präsentieren sie stolz ihre Kulturtaschen mit Bartpflegeutensilien in der Mannschaftskabine - darunter Öl, Wachs, Shampoo, Kamm und Schere.

Landon Ferraro beschreibt uns seine Vollbart-Routine: "Ich trage meinen Bart seit 2015. Ich öle ihn immer schön ein, dann ziehe ich ihn ein runter und bringe ihn in Form", erzählt er in Aktion vor dem Spiegel.  

Die beiden sind vernarrt in ihren Bart. "Nach meinem Wechsel zu den Eisbären war die erste Frage, die ich 'P. C.' (Pierre-Cedric Labrie) gestellt habe, zu welchem Friseur er hier in Berlin geht, um seinen Bart schneiden zu lassen", sagt Ferraro lachend.

"Ich benutze immer ein paar Spritzer Öl, und nachdem ich sie gut verteilt habe, nehme ich mir nochmal die Schere und trimme den Bart an ein paar Stellen", ergänzt Labrie, der daneben steht. "Danach kämme ich auch gerne nochmal durch."

Eisbären mit durchwachsener Bilanz

Die Eisbären Berlin stehen derzeit nach nur neun Siegen aus 16 Partien auf dem sechsten Tabellenplatz. Zu wenig für den ambitionierten Hauptstadtclub, der zuletzt 2013 die Meisterschaft gewinnen konnte. Das ausgegebene Zwischenziel der Berliner ist der 4. Platz, um sich den Heimvorteil in den Playoffs 2020 zu sichern.

"Wir sind ein Team, das eigentlich besser dastehen könnte, und das ist auch etwas über das wir viel geredet haben. Wir hatten in den letzten Tagen aber auch einen härten Spielplan mit vielen Auswärtsspielen und bald haben wir wieder mehrere Heimspiele. Ab jetzt müssen wir unsere Fähigkeiten ausschöpfen, damit wir in der Tabelle nach oben kommen. Das richtige Team dafür haben wir", so Ferraro. Für die beiden ist klar, warum sie nach Berlin gekommen sind: "Unser Hauptziel ist es, am Ende der Saison die Trophäe hochzuhalten!", so Labrie.

Und wenn das in dieser Saison wirklich klappen sollte, wären sie sogar bereit, ihre heiligen Vollbärte abzurasieren - ausnahmsweise.

Sendung: rbbUM6, 15.11.2019, 18.00 Uhr

Beitrag von Felix Edeha

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