Ein junger Fan beim Pokalfinale 2001 zwischen Union Berlin und Schalke 04. Quelle: imago images/Kicker/Liedel
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Pokalfinale gegen Schalke 2001 - Als Union verlor und trotzdem feierte

Im Mai 2001, kurz nach dem Aufstieg in die zweite Bundesliga, trifft Union Berlin als Überraschungsmannschaft im DFB-Pokalfinale auf Schalke 04. Zwar verlieren die Köpenicker das Duell, die Fans feiern dennoch ein großes Fußballfest. Von Jonas Bürgener

Union Berlin tritt am Freitag in der Bundesliga bei Schalke 04 an. Wenn die Fans der Eisernen an den königsblauen Verein aus dem Ruhrgebiet denken, werden sich nicht wenige von ihnen vor allem an ein Spiel zurückerinnern: Mit knallroten Perücken auf den Köpfen machten sich im Mai 2001 tausende Unioner auf den knapp 30 Kilometer weiten Weg von Köpenick zum Olympiastadion.

Die Eisernen, gerade erst in die zweite Bundesliga aufgestiegen, trafen als Überraschungsmannschaft im DFB-Pokalfinale auf den FC Schalke 04. Sebastian Fiebrig, der seit vielen Jahren über Union Berlin bloggt, war damals im Olympiastadion dabei. Im rbb-Interview erinnert er sich an eine "schlimme Vorfreude" und ein gemeinsames Fußballfest beider Fanlager.

"Unwirklich in ein richtiges Fußballstadion zu fahren"

"Damals gab es in der Alten Försterei noch die abgetretenen Stufen, überall wuchs ein bisschen Gras", beginnt Fiebrig seinen Rückblick. "Es schien unwirklich, für das Finale in ein richtiges Fußballstadion zu fahren", ergänzt er. Natürlich sah auch das Olympiastadion damals noch anders aus als heute, die besondere Bedeutung und der spezielle Glanz des Pokalfinals wurde den Union-Fans aber schnell klar.

Rot-Weiß Oberhausen (2:0), Greuther Fürth (1:0), SSV Ulm (4:2), VfL Bochum (1:0) und Borussia Mönchengladbach (4:2 i.E.) hatten die Eisernen auf dem Weg ins Endspiel besiegt. In allen Partien durfte die Mannschaft des damaligen Trainers Vasilev Georgi im heimischen Stadion antreten. Mit dem VfL Bochum mussten sich die Eisernen in der DFB-Pokalsaison 2000/01 nur einem Bundesligisten stellen. Dass das Losglück eine kräftige Hilfe auf dem Weg ins Finale gewesen ist, bestreitet auch Sebastian Fiebrig nicht. Ohnehin - oder gerade deswegen - habe man erst nach dem Viertelfinale gegen Bochum gemerkt,  "dass doch etwas Großes möglich ist."   

Union lange besser, Schalke gewinnt verdient

Während die Union-Fans mit einer - wie Fiebrig sagt - "schlimmen Vorfreude" und nur geringen Erwartungen in das Spiel gingen, stand der FC Schalke als Favorit unter besonders großem Druck. Nach einer guten Saison hatten die Knappen am letzten Bundesligaspieltag die heißersehnte Meisterschaft in letzter Minute doch noch an den FC Bayern verloren. Bei einer Niederlage in Berlin wäre die Spielzeit für die Königsblauen mit einem absoluten Debakel geendet.

Zwar war den Schalkern die Unsicherheit zu Beginn der Partie lange Zeit anzumerken - Union dominierte die Anfangsphase, später scheiterten Stürmer Harun Isa und Bozo Djurkovic am Aluminium - doch nach der Halbzeit nutzte der Bundesligist seine Überlegenheit und gewann das Spiel durch zwei Treffer von Jörg Böhme am Ende verdient.

Die Spieler von Union Berlin vor dem Pokalfinale 2001. Quelle: imago images/Camera 4
Die Spieler von Union Berlin vor dem Pokalfinale gegen Schalke 04. | Bild: imago images/Camera 4

"Gönnt uns doch bitte den Pokal"

Vom Feiern abhalten, ließen sich die Union-Fans davon nicht. Der Einzug in das Finale war für den frischgebackenen Zweitliga-Aufsteiger schon ein großer Erfolg, zudem wurden die Köpenicker mit der Teilnahme am Uefa-Cup belohnt. "Wir haben bis tief in die Nacht gesungen. Wir haben ganz viel zusammen mit den Schalkern gefeiert - das war großartig. Die Schalke-Fans waren total demütig. Es ist ja das schlimmste als Fußballfan, wenn du die Meisterschaft so knapp verlierst. Sie haben gesagt: 'Gönnt uns doch bitte den Pokal'", erinnert sich Fiebrig an die ausschweifenden Feierlichkeiten in Berlins Kneipen nach dem Spiel.

Beziehungen halten bis heute

Einige Beziehungen hätten auch noch heute Bestand, sagt Fiebrig. Zwar gäbe es keine Fanfreundschaft mit den Königsblauen, man habe aber beispielsweise bei einem späteren Spiel der Schalker in Berlin eine gemeinsame Bootsfahrt auf der Spree veranstaltet.

Zudem spielt mit Steven Skrzybski heute ein ehemaliger Unioner bei den Königsblauen, an den man sich in Köpenick gerne erinnert. Ob Skrzybski beim Duell gegen den Ruhrgebiets-Klub am Freitag auf dem Rasen stehen wird, ist allerdings fraglich. Der Stürmer hat es in dieser Saison noch nicht ins Aufgebot der Gelsenkirchener geschafft, kommt unter Trainer David Wagner bislang nicht über das Reservisten-Dasein hinaus. Fiebrig und seine Freunde haben schon darüber gescherzt, wer Skrzybski am Freitag mit zurück nach Köpenick nehmen werde. Für sie steht fest: Skrzybski würde ideal in Unions heutige Bundesliga-Mannschaft passen.

Seit dem Pokalfinale 2001 hat sich bei den Eisernen viel geändert, der Aufstieg führte den Verein mittlerweile bis in die erste Liga. Dennoch wird in der Arena auf Schalke - neben aller berechtigten Bundesliga-Euphorie - gerade bei langjährigen Union-Fans die Erinnerung an ein besonderes Spiel gegen die Königsblauen mitschwingen.

Was aus Unions Startelf von 2001 geworden ist

Beitrag von Jonas Bürgener

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