Hertha-Trainer Ante Covic (imago images/Metodi Popow)
Audio: Inforadio | 23.11.2019 | Astrid Kretschmer | Bild: imago images/Metodi Popow

Hertha vor dem Augsburg-Spiel - Gelassen trotz Krisenmodus

Nach drei Liga-Niederlagen in Serie will sich Hertha BSC beim FC Augsburg keinen weiteren Ausrutscher erlauben. Vor allem Trainer Ante Covic steht unter Druck, bleibt aber erstaunlich gelassen. Von Astrid Kretschmer

Verlieren verboten - eine zugegebenermaßen abgedroschene Sportfloskel. Aber wenn es unter der Woche richtig scheppert im Hertha-Training, harte Tacklings und Grätschen aufeinander folgen, Coach Ante Covic dabei lautstark auf Attacke gebürstet ist und Manager Michael Preetz öfter als sonst am Schenkendorfplatz vorbeischaut, dann spricht vieles dafür, dass Hertha im Krisenmodus ist.

Was auffällt: Die Verantwortlichen stellen sich der angespannten Situation. Der Manager geht dabei voran. Ja, er habe in dieser Woche zwei-, dreimal mehr beim Training zugeschaut, sagte Michael Preetz dem rbb. "Weil das die Situation jetzt auch erfordert hat. Wir haben in den letzten Wochen nicht nur auf dem Platz gearbeitet, sondern auch viele Gespräche geführt."

"Der Letzte, der auf sich schaut"

Redebedarf bestand unter anderem auch, weil zu viele Spieler wie beispielsweise Neu-Nationalspieler Niklas Stark, Marko Grujic oder Ondrej Duda bisher unter ihren Möglichkeiten blieben.

Hertha müsste mehr zu bieten haben als elf Punkte nach elf Spielen, Rang zwölf in der Tabelle und die Gefahr, in den Abstiegskampf zu rutschen. Der FC Augsburg, Herthas nächster Gegner, hat einen Punkt weniger als die Berliner und ist Tabellenfünfzehnter. "Klar, wir müssen punkten", so Preetz. "Natürlich ist das nicht nur ein spannendes Spiel, sondern es steht für beide Mannschaften eine Menge auf dem Spiel".

Das weiß auch Trainer Covic. Ein Sieg in Augsburg wäre seiner Position sicher nicht abträglich. Mit seiner eigenen Situation geht der Chefcoach jedoch äußerlich gelassen um. "Was mich persönlich betrifft: Ich glaube, dass ich der Letzte bin, der auf sich schaut", sagte der 44-Jährige vor dem wegweisenden Duell beim FC Augsburg: "In dem Moment geht es um uns alle, dass wir als Verein erfolgreich sind."

Kompaktheit eingebüßt

Michael Preetz  sprach Covic erneut das Vertrauen aus. Der Club habe sich gewünscht, dass einiges schneller gehe, sagte Preetz auf rbb-Nachfrage. "Aber wir sehen jeden Tag, wie gut und intensiv gearbeitet wird. Es ist logischerweise auch unsere Verantwortung, diese Arbeit zu unterstützen."

Aber auch Ante Covic weiß vor der Partie gegen den  FC Augsburg, dass eine weitere Niederlage die Misere bei Hertha noch einmal deutlich verschärfen würde. Zumal es das Restprogramm bis Weihnachten in sich hat: Dortmund, Frankfurt, Freiburg, Leverkusen und Mönchengladbach sind die Gegner.

Hertha hat zuletzt viel von der Kompaktheit eingebüßt, die die Mannschaft unter dem früheren Trainer Pal Dardai noch ausgezeichnet hat. Das weiß auch der heutige Trainer. 21 Gegentore musste Hertha bereits hinnehmen. Covic hat den Fokus im Training in den letzten zwölf Tagen deshalb auf die Defensive gelegt. "Wir haben während der Länderspielpause daran gearbeitet, dem Gegner nicht so einfach Tormöglichkeiten zu geben, wie wir das in der Vergangenheit gemacht haben", sagte Covic am Freitag.

Keiner redet die Lage schön

Beim letzten Spiel gegen RB Leipzig sei seine Mannschaft mit einem 1:2- Rückstand in die Kabine gegangen, ohne dass die Gäste großen Aufwand hätten betreiben müssen.  "Das müssen wir verhindern", so Covic. Innenverteidiger Karim Rekik wird auf Grund eines Infekts in Augsburg nicht dabei helfen können, eine "Kompaktheit auf dem ganzen Platz" herzustellen, wie Manager Michael Preetz es von der Mannschaft fordert.

Ob Covic wie zuletzt auf eine Fünferkette mit drei gelernten Innenverteidigern setzt oder auf eine Viererkette, wollte er noch offen lassen. Jordan Torunarigha könnte für Rekik in die Dreierkette rücken. Lässt er mit einem Innenverteidiger-Duo spielen, sind wohl erneut  Niklas Stark und Dedryck Boyata die Optionen.

Für U-21 Nationalspieler Arne Maier kommt ein Einsatz in der Startelf laut Covic noch zu früh. Der Mittelfeldspieler ist nach seiner siebenmonatigen Verletzungspause wegen eines Innenbandanrisses im Knie aber zumindest wieder "eine Option" für den Kader.

Bleibt festzuhalten: Bei Hertha redet keiner die Lage schön. Nach drei Niederlagen in Folge ist man nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen. Auf allen Ebenen wird mit großer Konzentration und Fokussierung gearbeitet. Dazu passt auch, dass sich die Hertha-Profis bei einem internen Mannschaftsabend bei einem Italiener unter der Woche eingeschworen haben.

Unter einem Gruppen-Selfie bei Instagram  heißt es: "Diese Jungs werden am Sonntag gewinnen." Klar, klingt auch ein wenig nach Sportfloskel, aber besser als "Verlieren verboten".

Sendung: rbb24, 22.11.2019, 21:45 Uhr

Kommentar

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5 Kommentare

  1. 5.

    Abgerechnet wird zum Schluß.
    Noch 2 Niederlagen, Covic und Preetz weg dann der Neuanfang mit Kovac und das Feld wird von hinten aufgerollt.
    @den Stadtteil Verein aus Köpenick, Kompliment bis hierher, aber dauerhaft klappt das nicht mit eurer "wir armer, benachteiligter Ostverein" : rum Gejammerei und ihr werdet auch nicht immer soviel Schiedsrichter Glück haben wie im Derby

    HaHoHe, die Macht von der Spree

  2. 2.

    Wenn man sich selbst mit einem umstrittenen Elfmeter feiern muss ist das schon armselig. Um Nummer 1 zu werden gehört etwas mehr dazu......

  3. 1.

    „Stadtmeister, Stadtmeister - Berlins Nummer eins!“
    Nein ich meine nicht Hertha. Die sind uninteressant ;)

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