Eine Leuchtrakete landet beim Berlin-Derby auf dem Spielfeld. / imago images/Nordphoto
Bild: imago images/Nordphoto

Reaktionen auf Derby-Vorfälle - Hertha will Fan-Dialog fortsetzen, Union Maßnahmen prüfen

Nach den Pyro-Attacken und Ausschreitungen beim Berlin-Derby zwischen Union und Hertha ist interne Aufarbeitung angesagt. Die Vereinsbosse wandten sich an ihre Mitglieder. Es geht um die Weiterführung des Dialogs - aber auch um neue Maßnahmen.

Zwei Tage nach den Pyro-Attacken und Ausschreitungen im Berlin-Derby in der Fußball-Bundesliga haben am Montagabend die Präsidenten beider Vereine reagiert. Hertha-Chef Werner Gegenbauer kündigte bei einer Diskussionsrunde an, der Verein werde weiterhin auf Gespräche mit der aktiven Fanszene setzen. Sein Union-Kollege Dirk Zingler wandte sich - in einer E-Mail - ebenfalls an die Mitglieder. Darin verurteilte er die Vergehen eigener Fans und kritisierte die Ausschreitungen gegnerischer Anhänger scharf. Er will demnach Maßnahmen prüfen.

"Das ist eine beschissene Situation"

"Das ist eine beschissene Situation, aber keine Situation, die uns dazu bringt, den Dialog nicht fortzuführen", sagte Gegenbauer bei der Gesprächsveranstaltung vor rund 150 Hertha-Anhängern. Die begangenen "Straftaten" dürften nicht überlagern, was man gemeinsam versuche. Es gebe "keinen Zweifel, dass das der einzig richtige Weg ist", betonte der 69-Jährige.

Der Unternehmer berichtete, dass bei den Leuchtraketenschüssen aus dem Gästeblock beinahe auch der Aufsichtsratsvorsitzende der Herthaner, Torsten-Jörn Klein, mit Kindern auf der Tribüne betroffen gewesen sei. "Ich habe mich geschämt", beschrieb Herthas Ex-Stürmer Axel Kruse, der den Fan-Dialog moderierte, seine Reaktion auf die unschönen Szenen. "Das war peinlich."

Appell an jeden einzelnen Fan

Union-Präsident Dirk Zingler appellierte in seiner E-Mail, die der Nachrichtenagentur DPA vorliegt, an die Mitglieder seines Clubs. "Es kommt auf jeden Einzelnen von uns an. Nur gemeinsam kann es uns gelingen, den Traum von unserem Stadionerlebnis zu erhalten. Dazu gehört auch, sich verantwortlich zu fühlen für das, was in unserem Stadion passiert", schrieb er. "Lasst uns gemeinsam diesen Weg weitergehen und für unsere Stadionkultur nach unseren Regeln einstehen."

Die Leuchtraketenwürfe aus dem Hertha-Block hätten "für Angst und Schrecken bei vielen Menschen auf den Rängen gesorgt", hieß es in dem Schreiben demnach weiter. "Dieses kriminelle und asoziale Verhalten gefährdete die Fortsetzung des Spiels und ist absolut inakzeptabel. Mehr Worte möchte ich dazu nicht verlieren."

Zingler will "Veränderungen und Verbesserungen"

Zudem erwägen die Köpenicker, Maßnahmen zu ergreifen. Der Verein werde sich "genau anschauen, welche Entscheidungen am Sonnabend getroffen wurden und welche Veränderungen und Verbesserungen wir vornehmen können", so Zingler.

Während des Spiels im Stadion An der Alten Försterei am Samstag hatten Hertha-Anhänger Pyrotechnik auf den Rasen und in die Tribünen gefeuert. Auch unter den Zuschauern der Eisernen wurde gezündet. Die Partie musste zwischenzeitlich für fünf Minuten unterbrochen werden. Schiedsrichter Deniz Aytekin schickte beide Mannschaften in den Kabinengang. Nach Abpfiff wollten vermummte Union-Fans den Platz stürmen. Beiden Klubs drohen harte Strafen.

Sendung: rbb24, 04.11.2019, 21:45 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

3 Kommentare

  1. 3.

    Den Polizeieinsatz darf nicht mehr die öffentliche Hand bezahlen. Bremen hat es per Urteil geschafft, und die DFL musste die Hälfte bezahlen. Das ist der einzige und richtige Weg. So kann es nicht mehr weitergehen bei Sicherheitsrisikospielen.

  2. 2.

    Schön, dass Sie alle über einen Haufen werfen. Also sind Fans, die noch Kinder sind, genauso schlecht, wie die, die Leuchtgeschosse werfen? Tolle Einstellung. Wenn man weiß, wie schlecht vor dem Derby kontrolliert wurde, braucht man sich allerdings auch nicht wundern.

  3. 1.

    Unfassbar schwache und inakzeptable Reaktion beider Vereine.

    Die Zeiten des Distanzierens und Appellieres sind vorbei. All das ist nicht neu, sondern das Resultat früherer Untätigkeit. Dieses klare Eingeständnis fehlt auf beiden Seiten der Vereine. Eine effektive und angemessene Maßnahme wäre, das Rückspiel ohne Fans im Stadion auszutragen.

    Gewaltszenen in einem Fußball-Stadion als Teil der Öffentlichkeit bedürfen einer aktiven Bekämpfung, nicht eines weiteren Gelabers, was bisher zu wenig brachte.

    Schwache Leistung der Vereine und der Fans - und ja ich unterscheide nicht mehr zwischen Fans und Ultras, denn die Fans unterstützen mit ihrer Anwesenheit und dem nicht sofortigen Verlassen des Stadions diese Aktionen.

    Wann greifen Staatsanwaltschaft und Politik hier ein???

Das könnte Sie auch interessieren