Jürgen Klinsmann im Berliner Olympiastadion (imago images/Bernd König)
Video: rbb|24 | 09.11.2019 | Bild: imago images/Bernd König

Klinsmann im Hertha-Aufsichtsrat - Alles in Buddha

Jürgen Klinsmann wird von Investor Lars Windhorst bei Hertha BSC überraschend in den Aufsichtsrat berufen. Ob sich damit der Einfluss des Investors erhöht, ist nicht abzusehen. Die Fans reagieren zwiegespalten auf die prominente Personalie. Von Ilja Behnisch

Der ehemalige Bundestrainer Jürgen Klinsmann wird Aufsichtsratsmitglied bei Hertha BSC. Entsprechende Meldungen wurden inzwischen sowohl von Klinsmanns Berater Roland Eitel als auch vom Unternehmen Tennor gegenüber dem rbb bestätigt.

"Teil des spannendsten Fußball-Projektes in Europa"

Klinsmann selbst wird in einer Pressemitteilung der Hertha vom Freitagnachmittag [herthabsc.de] erstmals zu seiner Berufung zitiert: "Ich freue mich, ab sofort Teil des spannendsten Fußball-Projektes in Europa zu sein. Zudem bei einem Verein, mit dem mich emotional viel verbindet. Bei allen Gesprächen mit Lars Windhorst habe ich die Begeisterung, den Elan und das Vertrauen der Verantwortlichen gespürt", sagt Klinsmann und ergänzt: "Ich bin überzeugt, dass ich mit meinen Erfahrungen und auch mit meinem Netzwerk einiges einbringen kann, um diese Partnerschaft erfolgreich zu gestalten."

Der Firma von Investor Lars Windhorst gehören mit einer weiteren Überweisung von 100 Millionen Euro von diesem Freitag an 49,9 Prozent der Hertha KGaA, in die der Spielbetrieb der Profi-, Amateur- und A-Jugendmannschaft des Vereins 2002 ausgegliedert wurde. Dank dieser Erhöhung erweitert sich auch das Mitspracherecht Windhorsts. Vier der insgesamt neun Aufsichtsratsplätze werden dann von seiner Tennor Holding besetzt, unter anderem eben von Jürgen Klinsmann.

Berliner Bande

Zum Engagement des ehemaligen Nationalstürmers bei Hertha soll es am Samstag im Vorfeld der Bundesliga-Partie gegen RB Leipzig einen gemeinsamen Pressetermin von Lars Windhorst und Jürgen Klinsmann geben.

Dass Klinsmann, als Spieler unter anderem Weltmeister 1990 und Europameister 1996, sich nun bei Hertha engagiert, kommt durchaus unerwartet. Noch vor einem Monat schien fast gesichert, dass der gebürtige Schwabe nach seinem Engagement als Nationaltrainer der USA (2011-2016) die Auswahl Ecuadors übernehmen würde. Zuvor waren Gespräche über den Vorstandsvorsitz bei seinem Heimatverein, dem VfB Stuttgart, gescheitert.

Und auch wenn Klinsmann schon als Bundestrainer für sein Berlin-Faible bekannt war und er nicht zuletzt wegen seines in Eberswalde aufgewachsenen Vaters und Hertha-Fans Siegfried seit langem Mitglied des Vereins ist, deutete nichts auf seine neue Funktion im Verein hin.

Die Fans sind zwiegespalten

Demensprechend fallen auch viele Reaktionen der Fans in den sozialen Netzwerken aus. "So langsam muss er ja für die Rentenzeit was finden", "Kohle riecht der Diver" [Klinsmanns Spitzname aus seiner Zeit in England; Anm. d. Red.], "Gibt es dort was abzusahnen?", schreiben die einen. Auch wenn es über die Höhe eines möglichen Honorars noch keinerlei Anhaltspunkte gibt. Andere wiederum freuen sich über die langjährigen Erfahrungswerte, die der Neue mitbringen würde: "Sachverstand im Aufsichtsrat", "Schaden kann sein Wissen nicht" und "Klinsmann steht für schonungslose Fehleranalyse und langfristige konzeptionelle Arbeit. Sich solch eine Expertise in den Verein zu holen und Preetz einem weiteren Kontrollorgan zu unterstellen, halte ich für grundsätzlich richtig", heißt es da.

Eine nicht von der Hand zu weisende Einschätzung, schließlich gilt Klinsmann noch immer als eine der Triebfedern der Erneuerung des Deutschen Fußball-Bunds, die in der Euphorie rund um das Sommermärchen bei der Weltmeisterschaft 2006 gipfelte. Die Anstöße, das Funktionsteam der Mannschaft um Spezialisten aller Gattungen (Fitness, Ernährung, Scouting) zu erweitern und dabei auch über nationale Grenzen zu schauen, werden eng mit seinem Namen verknüpft. Dass Klinsmann, der nach seiner Tätigkeit als Bundestrainer eine eher erfolglose Zeit und frühzeitige Entlassung beim FC Bayern München erlebte (2008-09), nun schon seit einer Dekade wenig mit dem deutschen Fußball und nichts mit der Bundesliga zu tun hat, dürfte seinem guten Ruf keinen Abbruch tun.

Es hätte schlimmer kommen können

Und auch wenn die Anbahnung der Personalie - Windhorst und Klinsmann sollen sich vor Kurzem in Berlin kennengelernt und sofort geschätzt haben - etwas beliebig wirkt und sich der Eindruck einstellen könnte, Windhorst setze bei Klinsmann vor allem auf die Wirkung seines immer noch großen Namens, scheint ein unabhängiger Geist wie Klinsmann als vernünftige Wahl.

Man stelle sich nur einmal vor, die Tennor Holding hätte ihre vier Aufsichtsratsplätze allesamt mit Wirtschaftsexperten besetzt, deren Biographien eher denen von Heuschrecken gleichen. Dann doch lieber ein Ex-Profi und Nationaltrainer, der zumindest nicht im Verdacht steht, irgendjemandem nach dem Mund zu reden.

Und weil 49,9 Prozent Anteile an der KGaA und vier von neun Plätzen im Kontrollorgan Aufsichtsrat noch immer keine Mehrheit sind, dürfen sich Anhänger von Hertha BSC ruhig noch ein bisschen unbesorgt zeigen. Oder um es in Anlehnung an die Klinsmann-Vorliebe für indische Gottheiten zu formulieren: Alles in Buddha.

Sendung: 08.11.2019, rbb24, 16:00 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

Kommentar

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4 Kommentare

  1. 4.

    Wohnt Herr Klinsmann in USA, dann wird er kaum mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Vielleicht ist er aber auch Vielflieger.

  2. 3.

    was soll daran gut sein?! Und was hat das mit Berlin zu tun?

  3. 1.

    Gut das ich ein Eiserner bin.

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