Hertha-Trainer Ante Covic lächelt (Quelle: imago images/Jan Huebner)
Bild: imago images/Jan Huebner

Hertha empfängt RB Leipzig - Punkte statt Pyro

Derby-Niederlage gegen Union, Pyro aus dem eigenen Fanblock: Hertha BSC hat ungemütliche Tage hinter sich. Ein Erfolgserlebnis am kommenden Spieltag würde da sicherlich helfen. Doch mit Leipzig kommt eine formstarke Tormaschine. Von Dennis Wiese

Ante Covic ist bewundernswert. Dieser Mann kann offensichtlich nicht, ohne zu lächeln. Hertha steckt im herbstlichen Ergebnis-Tief, inklusive Derby-Niederlage. Und was macht Covic? Er lächelt, stellt sich nach jedem Training mit Engelsgeduld und wie immer höflich den Selfie-Wünschen der Fans. Und den Fragen der Journalisten. So auch am Donnerstag bei der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen Leipzig (Sa., 09.11., 15.30 Uhr). Dabei sagte Covic, dass sein Gemütszustand, auch trotz Dauerlächelns, nicht immer locker und gelöst sei: "In der Bundesliga stehst du in jedem Spiel unter Druck. Davon muss man sich frei machen."

Zehn Spiele, elf Punkte: schwacher Saisonstart

In den vergangenen Jahren war die Hertha-Saison in zwei Hälften aufgeteilt: Der Start war gut, bis zur Winterpause stand die Mannschaft gut da, hatte häufig sogar die internationalen Plätze im Blick. In der Rückrunde kam dann der Einbruch. In dieser Spielzeit nun ist der Start missglückt: elf Punkte nach zehn Spielen. Einen schlechteren Zwischenstand hatte Hertha zu diesem Zeitpunkt zuletzt vor zehn Jahren. Damals waren es im Herbst nur vier Zähler, Hertha stieg am Ende jener Saison als Tabellenletzter ab.

"Wir müssen unseren Weg einfach weitergehen, unseren Plan durchziehen. Dann kommen auch wieder die Ergebnisse", sagt Neuzugang Marius Wolf. Ein anderer Neuer, Eduard Löwen, will vor allen Dingen einen anderen Auftritt als beim erschreckend schwachen Derby sehen: "Wir müssen eine andere Einstellung zeigen, wir waren zu ängstlich, haben Union zu sehr das Spiel überlassen." Löwen wurde zur Halbzeit eingewechselt, war mutigster Herthaner und hatte per Freistoß eine der wenigen Chancen. Gut möglich, dass der 22-jährige Mittelfeldspieler gegen Leipzig sein Startelfdebut für Hertha gibt.

Eduard Löwen im Hertha-Trikot (Quelle: imago images / Thomas Frey)
Eduard Löwen wechselte im Sommer aus Nürnberg nach Berlin. | Bild: imago images / Thomas Frey

Erst Leipzig, dann Länderspielpause

Typen wie Eduard Löwen wird Hertha dringend brauchen: Bissig, mit guter Körpersprache und wohl auch frei im Kopf, weil er bei vielen Pleiten gar nicht oder nur kurz auf dem Platz stand. Trainer Covic macht Löwen indirekt Hoffnungen auf einen Einsatz: "Nach einer Niederlage merkt man das oft im Training: Spieler, die hinten dran stehen, hauen sich besonders rein. So war das auch in dieser Woche. Gut möglich, dass wir ein paar Änderungen vornehmen."

Mit RB Leipzig ist Herthas Schreckgespenst zu Gast in Berlin. Drei Mal kamen die Sachsen, drei Mal siegten sie deutlich. Dazu kommt die aktuelle Torlaune: In den letzten drei Pflichtspielen hat Leipzig 16 Tore geschossen. "Klar, sie sind richtig gut drauf. Aber sie haben gerade in der Champions League gespielt. Da müssen sie auch erst einmal zeigen, wie sie damit zurechtkommen." Trainer Covic glaubt aber, dass Leipzig aktuell zu Deutschlands besten Mannschaften gehört: "Die sind so brutal gut drauf. Die können fast alleine bestimmen, wie das Spiel ausgeht."

Am Tag nach der Partie steht bei Hertha die Mitgliederversammlung an, dann geht es in die letzte Länderspielpause des Jahres. Die dritte Bundesligapleite in Serie und damit ein weiteres Abrutschen in Richtung Abstiegsregion will Hertha dringend verhindern. Zumal bis zur Winterpause noch weitere Top-Teams der Liga warten: Dortmund (H), Frankfurt (A), Freiburg (H) und Spitzenreiter Mönchengladbach (H).

Das Sondertrikot von Hertha BSC zum Mauerfall-Jubiläum (Quelle: imago images/Nordphoto)
Das Sondertrikot von Hertha BSC zum Mauerfall-Jubiläum. | Bild: imago images/Nordphoto

Spieler tragen Sondertrikot

Hertha BSC hatte bei der Deutschen Fußball Liga beantragt, am 9. November ein Heimspiel austragen zu dürfen. Das Spiel gegen Leipzig findet nun exakt 30 Jahre nach dem Fall der Berliner Mauer statt. Die Geschichte wird auch rund um das Spiel eine Rolle spielen. Hertha-Fans treffen sich schon um 10.30 Uhr am Invalidenpark, werden gemeinsam über den ehemaligen Grenzübergang Invalidenstraße zum Hauptbahnhof gehen und von dort in Richtung Olympiastadion fahren.

Im Stadion werden dann drei, mit Hertha-Fahne verzierte, Mauerstücke zu sehen sein. Die Fans in der Ostkurve planen eine spezielle Choreographie zum Mauerfall-Jubiläum. Und Herthas Profis werden in einem Sondertrikot auflaufen: Das ist weiß, zeigt einen großen Berliner Bären auf der Brust. Der trägt Krone, blaues Trikot und Fußballschuhe. Darüber steht in blau der Schriftzug "Hertha BSC". In einem solchen Trikot spielte Hertha auch zu Zeiten des Mauerfalls vor 30 Jahren. Ein schöner Rahmen, an dem sicher auch der immer freundliche Ante Covic seine Freude haben wird. Noch lieber wäre ihm sicher, wenn er auch beim Blick auf das Ergebnis wieder Grund zum Lächeln hätte.

Sendung: rbb UM6, 07.11.2019, 18 Uhr

Beitrag von Dennis Wiese

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Die Mannschaft des FC Amed vor einem Spiel. Bild: FC Amed
FC Amed

Berliner Landespokal | Achtelfinale - Der besondere Außenseiter

Der Kreisligist FC Amed trifft im Berliner Landespokal auf den Regionalligisten FC Viktoria. Der erste kurdische Fußballverein der Hauptstadt ist im Achtelfinale deutlicher Außenseiter gegen den Titelverteidiger, hat aber große Ziele für die Zukunft. Von Johanna Rüdiger

Alba Berlin zu Gast bei Panathinaikos Athen (imago images/Markos Chouzouris)
imago images/Markos Chouzouris

Alba siegt in Euroleague - Krimi mit Verlängerung in Athen

Alba kann in der Euroleague doch noch gewinnen. Nach zuletzt sechs Niederlagen in Folge gelang den Berlinern in Athen der zweite Sieg. Nicht nur angesichts der Verletzungssorgen war der 106:105-Erfolg außergewöhnlich.