Unions Trainer Urs Fischer (imago images/Andreas Gora)
Bild: imago images/Andreas Gora

Union vor dem Gladbach-Spiel - Respekt, aber keine Angst

Der 1. FC Union Berlin will den nächsten Tabellenführer schlagen. Und die nächste Borussia. Gegen Mönchengladbach kommt dabei ein ganzes Stück Arbeit auf die Mannschaft von Urs Fischer zu. Und eine Reise in die eigene Vergangenheit. Von Jakob Rüger

Tausende Union-Fans rannten glücklich und jubelnd auf den Platz. Einige weinten, andere rissen große, grüne Stücke aus dem nassen Rasen. Die Spieler waren in den feiernden Menschenmassen kaum noch auszumachen. Solche Szenen spielten sich nach dem letzten Pflichtspiel der Köpenicker gegen Borussia Mönchengladbach, im Stadion An der Alten Försterei, ab. Im Februar 2001 feierte der damalige Regionalligist Union den sensationellen Einzug ins DFB-Pokalfinale, nach einem 4:2 im Elfmeterschießen gegen Zweitligist Gladbach.

Ein verdienter Tabellenführer

Am Samstag (15:30 Uhr) treffen sich beide Mannschaften wieder, diesmal als Konkurrenten in der 1. Bundesliga. Nach einem Drittel der Saison grüßen die Gladbacher, überraschend souverän, von der Tabellenspitze. Während Fußball-Deutschland noch grübelt, ob die Fohlenelf so stark oder der Rest der Liga so schwach ist, hat Urs Fischer seine eigene Sicht. "Das ist nicht unverdient, dass sie da stehen, wo sie stehen", sagt Unions Trainer. "Sie machen vieles richtig, sind gut organisiert und entwickeln eine enorme Wucht." Gladbachs Trainer Marco Rose hat das Spiel der Borussia erfolgreich umgebaut. Zuletzt gab es drei Siege in Folge.

Union seit drei Spielen ungeschlagen

Auch weil nur der VfL Wolfsburg weniger Gegentore kassiert hat (10) und die Offensive der Fohlen als eine der effektivsten der Liga gilt. Für Union ist das allerdings kein Grund für außergewöhnliche Sorge. "Wir versuchen, unser Spiel dem Gegner aufzuzwingen", so Fischer und er schiebt selbstbewusst hinterher: "Wir haben vor jedem Gegner Respekt, aber sicherlich keine Angst." Warum auch, schließlich feierte Union vor der Länderspielpause drei Siege in Folge. Die Köpenicker sind in der Tabelle sogar am Stadtrivalen Hertha BSC vorbeigezogen. Der Aufsteiger findet sich immer besser in der Liga zurecht. Es ist unangenehm, gegen die kompakten Unioner zu spielen.

Das Selbstvertrauen wächst stetig

"Man spürt das Selbstvertrauen in der Kabine und im Training", zeigt sich Kapitän Christopher Trimmel nach der Siegesserie zufrieden. "Wir haben uns weiterentwickelt, werden uns nicht ausruhen und noch einen drauflegen." In Köpenick ist ein neues Selbstvertrauen spürbar. Trimmel war unter der Woche bei der österreichischen Nationalmannschaft und feierte die Qualifikation für die Europameisterschaft 2020. Auch in Trimmels Heimat ist Unions Entwicklung wahrgenommen worden. "Ich wurde oft auf unseren guten Saisonstart angesprochen, die Menschen nehmen das positiv wahr und gratulieren mir", so Union bester Vorlagengeber.     

"Nach vorne verteidigen"

Trimmel, der Kapitän, lebt die Spielphilosophie von Trainer Urs Fischer vor. Aktiv nach vorne verteidigen und mit Mut in die Angriffsaktionen gehen. Das fordert der Schweizer auch am Samstag gegen Gladbach. "Du kannst der Mannschaft nicht vorgeben, zu Null zu spielen", verrät Fischer. "Die Vorwärtsbewegung wird wichtig. Wir werden definitiv nicht mauern." Verzichten muss er dabei auf den gelb-gesperrten Mittelfeldspieler Robert Andrich. Der gebürtige Berliner hat bislang alle Partien absolviert.

Geschichte spielt keine Rolle mehr

Kapitän Trimmel hat eine klare Forderung an seine Kollegen: "Wir wollen den Fans im Heimspiel das Maximale bieten". Im Stadion an der Alten Försterei wollen sie, nach dem 3:1 Heimsieg am 3. Spieltag gegen Dortmund, wieder einen Tabellenführer schlagen.

Trainer Urs Fischer hat seinen Spielern in der Vorbereitung die Szenen vom letzten Sieg gegen Gladbach, aus dem Jahr 2001, nicht gezeigt: " Ich habe als Trainer gelernt, nicht zu viele Geschichten aus der Vergangenheit zu erzählen", sagt Fischer mit einem Grinsen. "Ich lebe lieber in der Gegenwart und glaube, es gibt genug positive Ansätze, um ein erfolgreiches Spiel gegen Mönchengladbach von uns zu erwarten." Seine Spieler sollen gegen den Tabellenführer schließlich ihre eigene Erfolgsgeschichte schreiben.

Sendung: 21.11.2019, rbb24, 21:45 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

2 Kommentare

  1. 1.

    "Warum auch, schließlich feierte Union vor der Länderspielpause drei Siege in Folge." Ach, ich zähle zwei in Folge.... Wo ist der dritte denn gewesen?

Das könnte Sie auch interessieren

Aito Garcia Reneses, Trainer von Alba Berlin, bei der Siegerehrung nach dem Gewinn des Doubles aus Pokal und deutscher Meisterschaft am 28.06.20 in München (Quelle: imago images / Eberhard Thonfeld).
imago images / Eberhard Thonfeld

Porträt | Alba Berlins Meistertrainer Aito - Freigespielt

Aito Garcia Reneses wagte im Alter von 70 Jahren ein Abenteuer im Ausland: Er hob Alba Berlin auf ein neues Niveau. Mit dem Pokal und der deutschen Meisterschaft hat er seine Mission gekrönt - und macht trotzdem weiter. Porträt eines besonderen Lehrers. Von Sebastian Schneider