Union-Trainer Urs Fischer tippt auf seine Armbanduhr (Quelle: dpa/Soeren Stache)
Bild: dpa/Soeren Stache

Union Berlin in Mainz - Ein guter Zeitpunkt

Der 1. FC Union will nach dem Sieg in seinem ersten Berliner Bundesliga-Derby auch auswärts zum ersten Mal in der Liga gewinnen. Die Voraussetzungen sind gut: Gegner Mainz erlebte zuletzt in Leipzig ein Debakel von historischem Ausmaß. Von Simon Wenzel

"Die Zeit ist nun gekommen" -  so hieß der Slogan, den Union Berlin und seine Fans im Sommer nutzten, als sie ihren ersten Aufstieg in die Bundesliga feierten. Man könnte ihn etwas sinnverändert auch jetzt wieder auflegen. Denn so langsam kommt für die Köpenicker die Zeit in der Hinrunde, in der es gegen die mutmaßlich direkten Konkurrenten im Abstiegskampf geht. Das Spiel in Mainz am Samstag (15.30 Uhr) ist das erste, die Duelle gegen Düsseldorf, Köln und Paderborn folgen noch im Dezember.

"Auf der Playstation verliere ich auch mal 0:8"

Und für noch etwas wird es Zeit: den ersten Union-Auswärtssieg in der Bundesliga. Die Voraussetzungen scheinen gut, denn die Stimmungslagen vor dem Gastspiel bei Mainz 05 könnten unterschiedlicher kaum sein. Die Köpenicker reisen im Stimmungshoch nach Mainz: Seit Samstag bezeichnen sich die Köpenicker euphorisch als "Stadtmeister" und selbst kritische Beobachter müssen nach zuletzt drei Siegen in vier Spielen (inklusive des Pokalspiels gegen Bundesligist Freiburg) feststellen, dass Trainer Urs Fischer sein Team erstaunlich schnell bundesligatauglich gemacht hat.

In der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt dagegen dürfte zu Wochenbeginn genau über diese Tauglichkeit diskutiert worden sein. Mit 0:8 waren die bedauernswerten Mainzer in Leipzig unterlegen. Ein Debakel von historischem Ausmaß: So hoch verlor der FSV noch nie in der ersten oder zweiten Liga. Bei Union will man von einem Wirkungstreffer allerdings nichts wissen. "Auf der Playstation gewinne ich auch mal 8:0 oder verliere 0:8", sagte Stürmer Sebastian Polter lapidar und auch sein Trainer Urs Fischer erklärte: "Ich glaube, dass die das problemlos wegstecken und bereit sein werden."

Auswärts "noch Luft nach oben"

Der Schweizer verwies dann auch lieber auf die Stärken des Gegners statt auf dessen offensichtliche defensive Schwäche. Mainz hat schon 27 Gegentore kassiert. Auf sein Team würde eine Mannschaft zukommen, die viel Geschwindigkeit in der Offensive habe und "Spieler, die Eins-gegen-Eins-Situationen spielen wollen", sagte Fischer, der das Umschaltspiel der Mainzer als "eine echte Waffe" bezeichnete. Trotzdem soll gegen den Tabellennachbarn - Mainz steht einen Platz hinter Union auf Rang 15 - mindestens ein Auswärtspunkt für Union notiert werden. Nötig wäre es, denn in der Fremde ist Union bisher noch nicht so recht angekommen in der Bundesliga. Das 1:1 in Augsburg am zweiten Spieltag ist das einzige Erfolgserlebnis in fremden Stadien.

"Noch Luft nach oben" habe sein Team, wenn es darum gehe, auswärts "das gleiche Vertrauen zu entwickeln, wie zu Hause" beschreibt Fischer das Innenleben seiner Mannschaft. Dieses Selbstvertrauen sollten die Köpenicker am besten schnell entwickeln, denn drei der vier direkten Duelle mit seinen Konkurrenten im Abstiegskampf muss Union in den nächsten Wochen auswärts absolvieren - in Mainz, Paderborn und Düsseldorf. Zu Hause spielen die Eisernen vor der Winterpause neben Köln noch gegen Tabellenführer Gladbach und Europa-League-Aspirant Hoffenheim.

Gikiewicz: "Drei, vier Siege" bis zum Winter

Urs Fischer, der so konsequent und charmant wie sonst kaum jemand in der Liga auf das bekannte Fußballmantra "Von Spiel zu Spiel denken" setzt, will von derlei Blicken in den Spielplan aber ohnehin nichts wissen. Der entspannte Schweizer lässt sich selbst von außergewöhnlichen Ereignissen wie Derbysiegen oder durch den mit zehn Punkten äußerst gut verlaufenen Saisonstart nicht aus seiner Sprachregelung bringen."Vorgenommen habe ich mir jetzt nur Mainz", sagt Fischer mit Blick auf das Restprogramm seiner Mannschaft bis zum Winter.

Sein Torhüter, Rafal Gikiewicz, ließ sich unter der Woche in einer Presserunde allerdings etwas entlocken: Mit "drei, vier Siegen" bis zur Winterpause wäre er zufrieden. Mehr verriet er nicht, aber man kann sich selbst ausrechnen, dass der ein oder andere Auswärtssieg helfen würde, um das zu schaffen. Das Spiel in Mainz kommt also vielleicht zu einem guten Zeitpunkt.

Sendung: rbb UM6, 07.11.2019, 18 Uhr

Beitrag von Simon Wenzel

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1 Kommentar

  1. 1.

    Als Fußballfans mit Blau-weißem Blut in den Adern wünsche ich Union viel Glück. Ich freue mich über zwei Bundesligisten in der Hauptstadt

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