Klaus Wowereit, ehemaliger Regierender von Berlin, beim damaligen Bundesliga-Spiel Hertha BSC - Energie Cottbus am 19.05.2013 im Olympiastadion in Berlin(Bild: Britta Pedersen, picture alliance / dpa )
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Audio: Inforadio | 28.11.2019 | Interview mit Klaus Wowereit | Bild: picture alliance / dpa

Interview | Klaus Wowereit zu Hertha-Trainer - "Klinsmann passt zu Berlin"

Berlins ehemaliger Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit freut sich über den neuen Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann. Im Interview erklärt der bekennende Hertha-Fan, warum Klinsmann so gut in die Hauptstadt passt und was er ihm zutraut.

rbb|24: Herr Wowereit, ist das eine gute Entscheidung mit Jürgen Klinsmann?

Klaus Wowereit: Natürlich, eine super Entscheidung. Das ist schon ein Niveau, eine Klasse, die man sich ja früher so nicht hätte vorstellen können. Und dass Klinsmann das überhaupt macht, ist für mich Überraschung und Freude zugleich. Also, das ist super.

Klinsmann hat eine intensive Bindung zum Verein, sein Vater war schon glühender Hertha-Fan, sein Sohn hat für Hertha gespielt, er selbst ist schon lange Vereinsmitglied. Wie wichtig ist denn so eine Bindung zum Verein?

Das ist auf jeden Fall sehr hilfreich. Man kann nicht erwarten, dass der Trainer, wenn er neu kommt, auch tatsächlich so eine Affinität zum Verein hat. Aber da sieht man auch, dass das sicherlich auch für ihn mit ein Beweggrund war, das überhaupt zu machen. Das war für seine Lebensplanung sicherlich ja auch nicht so vorgesehen, sonst hätte er das ja vielleicht auch schon vor einem Jahr machen können. Aber das ist hilfreich und zeigt auch, wie die Hertha emotionalisieren kann. Wir kennen andere Vereine in der Republik wie Schalke- oder Bayern-Fans, die sind alle sehr, sehr speziell und so richtig Hardcore-Fans. Hertha hat immer ein bisschen Schwierigkeiten mit den eigenen Fans, auch in Berlin. Und da kann natürlich so eine Emotionalität sehr helfen.

Sie haben mal gesagt, Hertha passt so gut zu Berlin wegen der Auf und Abs. Und weil Hertha sich so gut wieder hochkämpfen kann, nach dem Abstieg in die zweite Liga zum Beispiel. Jetzt gibt's aber den großen Investor Lars Windhorst, der Hertha zu einem "Big City Club" machen will. Paris St. Germain, Real Madrid, das sind so die Vorbilder. Passt das zu Berlin?

Das wäre zumindest ganz schön und wäre auch etwas, was in anderen Ländern selbstverständlich ist: Dass in der Hauptstadt jetzt nicht nur ein Klub wie Hertha ist - jetzt haben wir Gott sei Dank auch Union noch in der ersten Liga - aber eben auch vorne mitmischen und zurecht den Anspruch erheben kann, auch führend zu sein. Da ist Hertha noch sehr, sehr weit entfernt. Das Engagement von Lars Windhorst ist ein gutes Zeichen. Der will aber auch sicherlich Erfolge sehen. Also, und wenn er jetzt vielleicht auch auf Klinsmann eingeredet hat, dass er es macht, dann ist das schon mal wieder ein hilfreiches Zeichen.

Bei Bayern München, das ist die einzige Erfahrung, die Klinsmann bisher als Bundesliga-Trainer hat, ist er ziemlich belächelt worden, weil er andere gymnastisch anmutende Trainingsmethoden hatte, die offenbar bei vielen Fußballern und ihren Fans nicht so richtig gut ankommen. Passt Klinsmann zu Berlin zu Hertha, besser als nach München?

Auf jeden Fall passt er zu Berlin, da bin ich mir ganz sicher. Dass man neue Ideen haben muss, auch in eingefahrenen Trainingssituationen, das hat er bewiesen. Nun ist auch nicht automatisch gesagt, wenn jetzt ein Klinsmann kommt, dass Hertha auf einmal ganz vorne mitmischt. Es ist erst mal harte Aufbauarbeit zu leisten. Und man sieht ja auch: Er hat ein Team um sich versammelt, das dafür sorgen wird, dass in diese Mannschaft überhaupt erst mal wieder Strukturen reinkommen, sich der Fitnessstand verbessert und neue Konzepte erarbeitet werden. Das wird auch noch ein beschwerlicher Weg sein. Man darf jetzt auch nicht so euphorisch sein, dass man sagt: Jetzt ist alles geregelt. Das wird noch ein harter Kampf werden. Aber wichtig ist erst mal, dass Hertha sich wieder deutlich vom Tabellenende entfernt und dann systematisch die Trainingsarbeit verbessert.

Klaus Wowereit mit Hertha-Maskottchen Herthinho (Quelle: imago images/Bernd König)
Klaus Wowereit posiert mit Maskottchen Herthinho. | Bild: imago images/Bernd König

Was glauben Sie: Was kann Jürgen Klinsmann erreichen?

Der kann viel erreichen. Ich weiß jetzt nicht, bis wann sein Engagement befristet ist. Ich hoffe natürlich, dass das darüber hinausgeht und er erfolgreich ist. Dazu bedarf es aber auch der Unterstützung Berlins und der Fans. Ich glaube, das ist ein gutes Signal und gibt auch wieder neue Kraft und neuen Mut. Und deshalb kann er sehr viel erreichen. Aber letzten Endes müssen die Tore geschossen werden. Und da kann man mal sehen, was dann am Samstag passiert. Das ist jetzt natürlich sehr früh. Aber eine neue Motivation wird sicherlich bei der Mannschaft da sein.

Am Samstag spielt Hertha gegen Dortmund im Olympiastadion. Werden Sie dabei sein?

Nein, leider nicht. Aber ich werde das über mein Handy verfolgen. Das mache ich auf jeden Fall. Aber das wird sicherlich eine Herausforderung. Wir haben ja gestern wieder gesehen: Dortmund hat schlecht gespielt (1:3-Niederlage in der Champions League beim FC Barcelona, Anm. d. Red.), die sind auch momentan nicht ganz so fit. Mal sehen, wie das ausgeht. Aber gegen große Mannschaften hat Hertha in der Vergangenheit ja immer auch Großes geleistet. Deshalb kann das sehr gut werden.

Wie lautet Ihr Tipp?

Ich würde mal optimistisch sagen: 2:0 für Hertha!

Vielen Dank für das Gespräch!

 

Das Interview führte Döhrte Nath, Inforadio.

Diese Version ist eine redigierte Fassung. Das komplette Interview hören Sie beim Klick auf den Play-Button im Titelfoto.

Sendung: Inforadio, 28.11.2019, 7:45 Uhr

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6 Kommentare

  1. 5.

    Hallo Lothar, dieses ständige Wowereit-Bashing geht mit gehörig auf den.... . Sicher hätte er ein paar Sachen anders machen können. Letztendlich waren es Diepgen, Wissmann und die damaligen Grünen, die unbedingt den Flughafen in Schönefeld wollten. Als Mensch fand ich Wowereit cool! Ach ja, ging ja eigentlich um Hertha... ;))) P.S.: Freue mich auf Klinsi..

  2. 4.

    Ach ja lieber Markus, war ja hier auch nicht anderes als blanke Häme zu erwarten. Freue mich für Hertha.

  3. 2.

    Er soll sich lieber mal Gedanken machen. was bei seiner Großbaustelle BER unter seiner Führung alles schief gelaufen ist!

  4. 1.

    Dieser Herr gehört für seinen BER-Murx lebenslänglich eingesperrt.

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