Spieler von Hertha BSC und dem FC Barcelona 1999 beim berühmten Nebel-Spiel. (Quelle: imago/Sven Simon))
Audio: Inforadio | 22.11.2019 | Interview mit Jürgen Röber | Bild: imago/Sven Simon

Interview | Hertha-Remis gegen Barcelona 1999 - "Ein gutes Spiel, leider hat es kaum jemand gesehen"

20 Jahre ist es am Samstag her, dass Hertha in der Champions League Barcelona ein 1:1 abtrotzte. Weil eine Nebelbank ins Stadion zog, sahen die Fans aber (fast) nichts. Der damalige Trainer Jürgen Röber erinnert sich - und spricht über Ante Covic.

rbb|24: Herr Röber, das 1:1-Unentschieden gegen den FC Barcelona war 1999 ein großer Erfolg. Was haben Sie eigentlich davon gesehen?

Jürgen Röber: Ich habe alles relativ gut erkennen können. Aber viele Leute im Stadion haben das Spiel wohl nicht sehen können. Im Fernsehen war das anders, die sind ja dann nah drauf. Aber gerade die, die im Stadion oben saßen, haben gar nichts mitbekommen. Das ist einfach nur schade.

Hätten Sie sich gewünscht, dass der Schiedsrichter sagt: "Es geht nicht, wir versuchen es bei klarer Sicht nochmal"?

Na, vom Ergebnis her war es ja positiv. Aber wenn du so ein Spiel hast, wünschst du dir, dass die Leute das alle mitbekommen. Und das war an dem Tag nicht möglich. Aber man konnte von der Mittellinie die beiden Tore rechts und links sehen. Das war entscheidend für den Schiedsrichter, das Spiel stattfinden zu lassen.

Sie konnten also hinterher den Leuten erzählen, was Sie wollten. Wurden Sie gefoppt, "1:1 – das kann ja jeder sagen"?

(lacht) Das wäre sicher möglich gewesen, aber wir haben gegen einen überragenden Gegner mit überragenden Spielern ganz gut mitgehalten. Die haben nur mit Topstars gespielt. Zum damaligen Zeitpunkt war das eine tolle Geschichte. Es war ein gutes Spiel auf dem Platz, leider hat es kaum jemand gesehen.

Hertha-Trainer Ante Covic kam gegen Barca nicht zum Einsatz, aber er war damals in Ihrem Kader. Wie hat Covic sich verändert?

Ante war immer ein lustiger Zeitgenosse. Mittlerweile hat er die gewisse Robustheit bekommen, um als Trainer zu arbeiten. Ich denke, dass er sich entwickelt hat, seinen Weg geht und genau weiß, wie er die Leute zu behandeln hat.

Damals hat Hertha in der Champions League gespielt und man fragt sich: Könnte das irgendwann mal wieder klappen?

Das war halt eine andere Phase damals. Wir hatten eine unglaubliche Euphorie. Als ich anfing, kamen 5.000 Zuschauer, später hatten wir das Stadion voll und sind irgendwann in die Champions League gekommen. Ich kenne Ante Covic noch ganz gut, ich habe auch ab und zu mal Kontakt mit ihm. Als ich noch in Berlin gewohnt habe, bin ich regelmäßig zum Training gegangen. Jetzt bekomme ich nur im Fernsehen etwas mit, wenn ich Live-Spiele schaue. Da ist das dann schwer zu beurteilen.

Ante war immer ein lustiger Zeitgenosse. Mittlerweile hat er die gewisse Robustheit bekommen, um als Trainer zu arbeiten.

Jürgen Röber

Man könnte also sagen, es liegt für Sie ein bisschen im Nebel?

(lacht) Das könnte man so sagen. Ich bin einfach zu weit weg von Berlin. Ich verfolge das auch, weil Ante mein Spieler war und natürlich ist mein Interesse an Berlin und an Hertha groß. Für mich ist klar: Berlin als Hauptstadt sollte immer versuchen, international zu spielen, aber das ist halt nicht so einfach heutzutage.

Verfolgen Sie denn den Fußball, wenn es sich ergibt?

Da ich zwischen Düsseldorf und Gladbach wohne, ergibt sich das manchmal. Bei Borussia Mönchengladbach gegen Werder Bremen war ich im Stadion, so etwas genieße ich. Das soll’s dann aber auch sein.

Sie sind im Sommer als Sportdirektor beim belgischen Erstligisten Royal Excel Mouscron als Sportdirektor ausgeschieden. Was machen Sie derzeit?

Ich bin Rentner. Ich bin jetzt 65 Jahre alt und ich glaube, ich habe letzten Monat zum ersten Mal Rente bekommen. (lacht) Das ist dann schon irgendwie ein Schlag ins Kontor.

Der damalige Hertha-Trainer Jürgen Röber jubelt 1999 mit Spielern. (Quelle: imago/Camera4)
Mit dem heutigen Geschäftsführer Sport, Michael Preetz, und dem kurzzeitig ausgeliehenen Thomas Helmer feiert Jürgen Röber einen Sieg in der Champions League gegen den AC Mailand (1:0). | Bild: imago/Camera4

Genießen Sie die Zeit oder warten Sie auf einen Anruf?

Überhaupt nicht. Das Thema ist für mich beendet. Dann müsste ich ja auch wieder irgendwo hinfliegen oder hinfahren. Vorher bin ich dauernd nach Ankara geflogen, dann bin ich dauernd nach Brügge gefahren und habe in Belgien gearbeitet. Die Fahrerei hat irgendwann genervt. Vielleicht kann ich endlich mal mehr Golf spielen und die Zeit genießen. Ich war ja lange genug dabei. Es hat mir viel Spaß gemacht, gerade auch im Ausland. Aber jetzt sollte langsam Ruhe sein.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führten Irina Grabowski, rbb Inforadio und Simon Wenzel, rbb Sport. Der Text ist eine gekürzte und redigierte Version des Interviews.

Sendung: Inforadio, 22.11.2019, 11:15 Uhr

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