Sebastian Polter bejubelt sein Tor gegen Hertha BSC (Quelle: imago images/Bernd König)
Bild: imago images/Bernd König

Derby-Siegtorschütze Sebastian Polter - "Jetzt sind wir erstmal lange Zeit die Nummer eins in Berlin"

Sebastian Polter hat den 1. FC Union Berlin zum Sieg gegen Hertha BSC geschossen. Im Interview schaut er auf das emotionale Derby zurück, erzählt von seiner Rolle als Joker und blickt auf sein bevorstehendes Wiedersehen mit Mainz voraus.

rbb24: Sebastian Polter, Sie waren der Derby-Siegtorschütze. Wie fühlt sich das heute mit ein paar Tagen Abstand an?

Sebastian Polter: Nach wie vor sehr gut. Ich glaube, der ganze Verein ist stolz auf diesen Moment gewesen und darauf, dass wir das Spiel gewinnen konnten. Jetzt sind wir erstmal lange Zeit die Nummer eins in Berlin. Nichtsdestotrotz müssen wir jetzt wieder zurück in den Alltag finden. Es war sehr, sehr schön am Wochenende, aber wir haben jetzt wieder ein schweres Spiel vor der Brust - auswärts in Mainz und das ist viel, viel wichtiger.

Ich würde jetzt trotzdem gerne nochmal bei den letzten Tagen bleiben. Sie wohnen ja auch in Köpenick und sind jemand, der sehr offen gegenüber allen Menschen ist. Wie viele Schulterklopfer haben Sie denn in den letzten Tagen bekommen?

Ehrlich gesagt habe ich jetzt nicht so viele Leute getroffen, weil ich relativ viel Zuhause war. Natürlich gehe ich drei Mal am Tag mit dem Hund raus, aber das Wetter war ja jetzt nicht so schön und es hat viel geregnet. Aber ich glaube, dass jeder einzelne Unioner hier in Köpenick und drum herum diesen Verein lebt und natürlich stolz auf diesen Moment am Wochenende ist.

Als nach dem Spiel Zuschauer den Rasen stürmen wollten, hat Torhüter Rafal Gikiewicz sie davon abgehalten. Wie haben Sie das erlebt und was sagen Sie dazu?

Ich glaube, dass es als Spieler unsere Pflicht ist, unsere Fans vor Dummheiten zu beschützen. Gerade Rafal ist da ganz extrem und stark gegen unsere eigenne Fans vorgegangen, damit sie keine Dummheiten machen. Es ist schon schlimm genug, dass sie auf den Platz gekommen sind. Es war aber auch gut, dass sie auf uns als Mannschaft gehört haben. Ich glaube, dass er da ein sehr sehr großes Herz bewiesen hat und das eine richtige Aktion war.

Sie haben in dieser Saison erst wenige Einsatzminuten gehabt, dennoch schon zwei Tore erzielt und zwei Vorlagen gegeben. Wie kann man sich die Gespräche zwischen Ihnen und Urs Fischer vorstellen? Wie genervt sind Sie vielleicht auch, wenn Sie nicht von Anfang an spielen und wie schwer ist es für Urs Fischer, Ihnen das dann zu vermitteln?

Ich glaube, letztendlich ist er der Trainer und er entscheidet. Er hat einen gewissen Plan, den er uns als Mannschaft beibringt und den wir als Mannschaft auch umsetzen müssen. Wir haben einen guten Austausch. Er sagt mir genau, wo ich mich verbessern muss, aber die Details bleiben immer intern zwischen ihm und mir. Ich weiß, woran ich arbeiten muss - das hat er mir gesagt und genau das werde ich auch tun.

1. FC Union Berlin gewinnt gegen Hertha BSC (Bild: dpa/ Britta Pedersen)Sebastian Polter feiert mit der Mannschaft den 1:0-Sieg gegen Hertha BSC.

Wie gelingt es Ihnen nach einer Einwechslung, dass Sie so schnell ins Spiel finden? Wie bereiten Sie sich während des Spiels auf Ihren Joker-Einsatz vor?

In erster Linie bereite ich mich auf jedes Spiel so vor, als würde ich von Beginn an spielen. So fokussiere ich mich und arbeite jede Woche im Training. Wenn der Trainer dann am Spieltag entscheidet, dass ich nicht spiele, versuche ich natürlich, die Spielzeit, die ich habe zu nutzen, um der Mannschaft weiterzuhelfen. Ich bin jetzt oftmals bei Rückständen reingekommen und versuche dann natürlich auch noch, mit Aktionen oder Toren vorne irgendwo zu helfen, damit wir nochmal zum Ausgleich kommen oder damit irgendwo noch etwas Besonderes passiert wie in Augsburg. Letztendlich muss ich mich darüber definieren - über die Spielzeit, die ich habe und diese auch nutzen und das versuche ich.

Gucken wir auf das Spiel am Wochenende. Der Gegner heißt Mainz 05 - da haben Sie 2013/14 gespielt. In der Mannschaft und im Management hat sich anschließend viel verändert, haben Sie dort noch Kontakte?

Sehr, sehr wenig. Ich hab noch meine Bank in Mainz, die Mainzer Volksbank. Da habe ich auch einen sehr, sehr guten Freund gefunden, der jetzt mein Banker ist und bei dem ich nach wie vor bin. Aber ansonsten habe ich zum Verein so wirklich keinen Kontakt mehr. Aber, wie Sie auch gerade schon selbst gesagt haben, wurde dort sehr, sehr viel durchrotiert und gewechselt, viele neue Gesichter. Ich kenne höchstens noch die Physios oder auch den Doc. Darauf freut man sich natürlich am Wochenende, auch die Fans mal wieder zu sehen, ich habe auch da, wie ich es immer gemacht habe, immer versucht, alles in den Verein reinzuwerfen und hoffe einfach, am Wochenende auch gut empfangen zu werden.

Und dann kommt es worauf an? Mainz hat gerade 0:8 verloren. Wie spielt man gegen so eine Mannschaft? Die ersten fünf Minuten voll drauf, um die weiter zu verunsichern oder was ist da der Plan?

Auf der Playstation gewinne ich auch mal 8:0 oder verliere 0:8, da darf man das auch nicht zu hoch hängen. Ich glaube, dass die erstmal sehr gefrustet sind über das Spiel am Wochenende und versuchen werden, genau das jetzt nicht wieder irgendwo wiederkehren zu lassen. Gerade zu Hause werden sie auf Wiedergutmachung gehen, um den Fans einfach was zu zeigen, dass man nicht 8:0-würdig in Leipzig abgeschossen wurde. Da müssen wir von der ersten Minute an aufpassen und versuchen, unseren Stiefel wieder auf den Platz zu bringen, wie wir es in jedem Spiel machen und dann schauen wir mal, wie weit es geht.

Das Interview führte Simon Wenzel. Der Text hier ist eine gekürzte und redigierte Version des Interviews.

Sendung: Inforadio, 06.11.2019, 10.15 Uhr

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

6 Kommentare

  1. 6.

    ...........verstehe die Bemerkung mit dem Elfmeter nicht - wer ein wenig Ahnung vom Fussball hat, hat diese Situation richtig eingeschätzt, verständlich dass man als "Gegner" dies immer anzweifelt - bei Kritik einfach ehrlich bleiben

  2. 5.

    "Lange Zeit Nr.1 in Berlin"... Warten wir doch einfach mal den nächsten Spieltag ab.... ;) Apropos: Wo steht Union in der Tabelle?

  3. 4.

    Na da ist einer wohl immer noch sauer? In der Niederlage kann man seine wahre Größe zeigen!

  4. 3.

    Die Nummer 1 in Köpenick nicht in Berlin.

  5. 2.

    "Jetzt sind wir erstmal lange Zeit die Nummer eins in Berlin" - Nein Leute, dazu gehört mehr als ein geschenkter 11m.....

  6. 1.

    Die Nummer eins in Berlin, Stadtmeister etc. Aber sonst immer betonen, dass man Köpenick ist, nicht Berlin. Überlegt euch mal, was ihr wollt. ^^

Das könnte Sie auch interessieren

Louis-Marc Aubry vor dem Iserlohner Tor.
imago images/Nordphoto

Eisbären schlagen Iserlohn - Mühelos zum Heimsieg

Es war ein verdienter Sieg nach einer dominanten Leistung über die gesamte Spielzeit: Die Eisbären Berlin haben ihr Heimspiel gegen Iserlohn mit 4:0 gewonnen. Die Gäste waren gerade offensiv viel zu harmlos - einer von ihnen wurde aber dennoch bejubelt.