Mithat Demirel, ehemaliger Spieler und Sportdirektor von Alba Berlin. Quelle: imago images/Sebastian Wells
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Interview | Alba-Ikone Mithat Demirel - "Es ist besonders, dass Alba immer oben mit dabei ist"

Mithat Demirel hat als Spieler und später Sportdirektor viele Erfolge mit Alba gefeiert. Zuletzt war er in der Türkei als Manager tätig. Doch im letzten Jahr ist es ruhig geworden um den ehemaligen Nationalspieler. Dabei verfolgt Demirel vor allem Alba nach wie vor intensiv.

rbb|24: Herr Demirel, wo erreichen wir Sie eigentlich gerade?

Mithat Demirel: In meiner Wohnung in Berlin. Ich lebe seit einem Jahr wieder in Deutschland. Nach meinem Engagement bei Darüssafaka Istanbul bin ich 2018 zurückgekommen. Ich habe dort für das Unternehmen "Dogus Holding" gearbeitet, die den Verein vor einigen Jahren übernommen hat und war als General Manager tätig. Zum Ende der Saison 2018 und nach dem Gewinn des Eurcups habe ich aufgrund des verschlechterten Gesundheitszustands meines Vaters aufgehört. Ich wollte lieber hier in Berlin als in Istanbul sein. Natürlich bin ich weiter am Basketball interessiert, habe beruflich aber nichts mehr mit dem Sport zu tun. Es war im letzten Jahr eine ganz bewusste Entscheidung, in Zukunft kann ich mir eine Rückkehr aber vorstellen. Gerade genieße ich die Zeit. Nach 25 Jahren bin ich erstmals nicht mehr in dem Profisport-Zyklus.

Sie haben als Spieler mit Alba Berlin fünf Mal die Meisterschaft und vier Mal den Pokal gewonnen. Woran erinnern Sie sich am liebsten, wenn Sie an die Zeit zurückdenken?

Es war schon eine sehr besondere Zeit. Ich war insgesamt mehr als 20 Jahre im Profisport - davon 15 Jahre bei Alba. Wir sind damals aus der Jugend gemeinsam mit vielen Freunden in den Profibereich gewechselt. Der Weg ging bis zur Nationalmannschaft. Es gab ganz, ganz viele tolle Momente. Natürlich bleiben gerade die Titelgewinne in Erinnerung. Aber auch an entscheidende Körbe oder bittere Niederlagen denkt man zurück. Ich könnte gar nicht den einen oder anderen Moment besonders hervorheben. Es war eine tolle Zeit, die uns alle zusammengebracht hat. Wir sind noch heute untereinander befreundet.

Nach Ihrer Zeit in Berlin sind Sie ins Ausland gegangen. Was bewegte Sie damals zu Ihrem Wechsel in die Türkei?

Ich hatte eine längere Verletzungsphase, war immer wieder krank. Das hat irgendwie nicht aufgehört, zwischen 2003 und 2005 war es besonders schlimm. Ich hatte das Gefühl, dass ich mich im Kreis drehte, hatte auch viele chronische Verletzungen. Da war der Zeitpunkt einfach da, auch mal etwas anderes zu machen. Ich habe mich dann für Besiktas Istanbul entschieden.

Was waren damals die Unterschiede zwischen dem deutschen und türkischen Basketball?

Obwohl meine Eltern beide türkisch sind, bin ich in Berlin geboren. Ich war immer nur in den Sommerferien in der Türkei. Deshalb musste ich mich erstmal an die türkische Kultur gewöhnen. Am Anfang war es wirklich ein Kulturschock. Ich hatte aber das Glück, dass ich viele Spieler schon aus Nationalmannschafts-Kreisen kannte. Die haben mir bei der Akklimatisierung sehr geholfen. Allgemein hat der Basketball in der Türkei einen viel höheren Stellenwert. Der Sport ist ein Teil des Lebens der Menschen dort. Dazu kam, dass die Klubs schon damals viel größere finanzielle Mittel hatten. Das hat sich natürlich in den letzten zehn Jahren nochmal verstärkt.

2009 haben Sie ihre aktive Karriere beendet und sind nur wenige Monate später Sportdirektor bei Alba Berlin geworden. Wie empfanden Sie den Schritt in den Funktionärsbereich?

Durch die vielen Verletzungen bekam ich schon in meinen letzten aktiven Jahren immer mehr Abstand zum Spielerdasein. Gedanklich konnte ich mich so schon länger darauf vorbereiten, wie es wäre, nicht jeden Tag zu trainieren. Gerade die Jahre im Ausland haben geholfen, immer mehr Abstand zu gewinnen und auf die Zeit nach der Spielerkarriere vorzubereiten. Dass ich so kurz nach der Karriere dann schon Teammanager bei Alba wurde, hatte ich dann aber doch nicht geplant. Alba war aber immer mein Verein und ich bekam eine Aufgabe, die viel Verantwortung mit sich brachte.

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi sagte mal über Sie: "Er hat ein gutes Auge für den richtigen Spieler." Ist es ein Talent Spieler zu entdecken oder mussten Sie sich diese Gabe erst aneignen?

Da habe ich sehr von meiner damaligen Position als Spielmacher profitiert. Ich musste schon als Spieler immer überlegen, wann ich wem, wo den Ball gebe. Wenn man dann noch in verschiedenen Klubs in unterschiedlichen Ländern gespielt und viele Spieler unterschiedlicher Nationen kennengelernt hat, entwickelt man mit der Zeit ein ganz gutes Gefühl. Trotzdem: So gut das Gefühl manchmal ist, sind die Spieler am Ende natürlich auch nur Menschen. Die äußeren Umstände sind - gerade bei jungen Spielern - sehr wichtig.

Sie haben den Verein zum Anfang der Saison 2015/16 verlassen. In der Saison holte Alba mit dem Pokal den letzten Titel. Wann ist der Klub wieder reif für einen großen Erfolg?

Das ist im Profisport immer sehr schwer zu planen und vorauszusehen. Gerade in den letzten sechs Jahren hätte es Alba verdient gehabt, auch mal die Meisterschaft zu gewinnen. In den letzten zwei Jahren war auch Pech dabei. Im Pokal hat man immer sehr knapp verloren.  Trotzdem ist es besonders, dass Alba immer oben mit dabei ist. Die Spitze in der Bundesliga hat sich schon verändert. Es sind Schwergewichte wie Bayern München dazugekommen. Es ist nicht einfach, konstant oben mitzuspielen und auch bis ins Finale zu kommen. In dieser Saison ist es mit der Euroleague besonders schwierig, alles unter ein Dach zu bekommen und auf den Punkt genau in den Finals Leistung zu zeigen. Es kann aber in naher Zukunft definitiv passieren, dass Alba mal wieder einen Titel gewinnt.

Sie scheinen den Verein immer noch genau zu verfolgen. Wie eng sind die Kontakte zur derzeitigen Führung?

Trainer Aito kenne ich schon aus meiner Spieler-Zeit. Natürlich habe ich auch zum derzeitigen Management und zum alten Präsidenten Dieter Hauert noch Kontakt. Auch Marco Baldi und Henning Harnisch kenne ich schon ewig. Der Kontakt bestand die letzten 25 Jahre und das wird auch in den nächsten Jahren so bleiben.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Jonas Bürgener

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