Boxer Jack Culcay (imago images)
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Berliner Boxer Jack Culcay - Freundliche Weltklasse

Als Junge will Jack Culcay immer Fußball spielen - und wird am Ende Box-Weltmeister. Inzwischen, so sagt er, wird der Sport härter. Erfolgreich sein wie zu Zeiten von Henry Maske sei auch schwer geworden. Trotzdem bleibt er am Boxsack. Von Ilja Behnisch

Wer nicht weiß, was Jack Culcay beruflich macht, und den 34-jährigen Wahl-Berliner einfach nur reden hört, kommt wahrscheinlich nicht auf die Idee, dass er es mit einem Profi-Boxer zu tun hat. Denn wenn Jack Culcay spricht, dann nicht nur ausgesprochen höflich, sondern mit geradezu sanfter Stimme. Das will so gar nicht zum Klischee des wilden Boxers passen, auch wenn Culcay mit "Mike Tyson" antwortet, wenn man ihn fragt, wer zu Beginn seine Idole und Vorbilder waren.

Klinsmann kommt in die Ecke

Vor 22 Jahren - Culcay ist zwölf - infiziert er sich mit dem Box-Virus. Bis dahin kennt er den Sport nur aus dem Fernsehen. Sein Vater, ein Ecuadorianer, ist selbst Amateur-Boxer (und Fußball-Nationalspieler), und schaut die Kämpfe vieler Boxer aus den USA und Panama. Von Roberto Duran zum Beispiel, einem "Weltklasse-Boxer", wie Culcay heute sagt.

Den Jungen aber begeistert ein anderer Sport: "Ich wollte immer Fußball spielen", so Culcay. Bis zu dem Tag, an dem er den älteren Bruder vom Box-Training abholt: "Da habe ich gesehen, wie die trainieren, wie sie Liegestütze gemacht haben, wie sie gelaufen sind." Noch am Abend nimmt er in seinem Kinderzimmer die Poster von Wand, von Jürgen Klinsmann und all den anderen, die er bewundert. "Ich habe meine Fußballschuhe und -sachen einfach weggetan und bin Boxer geworden."

Kein Mike Tyson

Und was für ein Boxer: Deutscher Meister 2007, Vize-Europameister 2008, Olympiateilnehmer, Amateurweltmeister 2009 und schließlich Profi und Weltmeister im Halbmittelgewicht 2016. Ein Typ wie Mike Tyson, der K.O.-König, wird er allerdings nicht. Oder wie er selbst sagt: "Ich bin keiner, der mit einer Doppeldeckung nach vorn geht und drauf rumschlägt." Lieber verlässt er sich auf seine Athletik: "Es ist schwer, mich zu treffen, meine Beweglichkeit ist schon eine Stärke." Außerdem habe er eine "gute Reaktion", ein "gutes Auge". Er sagt: "Ich versuche, technisch zu boxen, den Schlägen auszuweichen und dann zu kontern."

Den Bruder immer dabei

Außerhalb des Rings geht Culcay allerdings früh in die Offensive. Wird er Zeitsoldat bei der Bundeswehr oder beginnt er eine Ausbildung? "Ich wollte Fitness-Trainer werden, habe da auch schon ein Praktikum gemacht damals", erzählt Culcay. Zu diesem Zeitpunkt fragt er sich jedoch: "Wäre ich dann schlechter beim Boxen?" Er entscheidet sich für die Bundeswehr, wie sein Bruder, den Culcay immer als Tattoo bei sich hat: als Skorpion auf seiner Brust, dem Sternzeichen von Bruder Michael.

Sein Bruder begleitet ihn auch durch die inzwischen zehn Jahre als Profi. "Die ersten drei, vier Jahre kriegt man leichtere Gegner, die Anzahl der Runden sind viel weniger. Und irgendwann kommen die Zwölf-Runden-Kämpfe, dann wird um Titel geboxt, das wird dann immer härter. Dann kämpft man nicht mehr fünf Mal im Jahr, sondern zwei Mal."

Boxen ist härter geworden

Aber auch sonst hat sich das Boxen verändert, seit Jack Culcay es zu seinem Beruf gemacht hat, sagt er. Es beginnt beim Equipment: wie "die Handschuhe, die immer dünner und viel härter werden. Boxen wird allgemein härter, weil die Boxer härter werden. Sie trainieren anders als früher. Mehr Konditions-, mehr Krafttraining."

Schlecht findet Culcay das nicht, im Gegenteil. Fragt man ihn, was sich im deutschen Boxen bessern muss, sagt er: "Das, was mein Promoter versucht: starke Boxer gegen starke Boxer antreten zu lassen - und nicht gegen Leute, die zum Verlieren kommen. Das macht es interessant, weil jeder gewinnen und verlieren kann. Damals wurden die Kämpfer alle ausgesucht."

Rückkehr ins Halbmittelgewicht

Damals, in der goldenen Zeit des deutschen Boxsports. Als Henry Maske und Sven Ottke Millionen vor die Fernseher lockten, als die Hallen "megavoll" waren, wie Culcay sagt. "Die Zeiten war bestimmt geil." Aber eben auch, weil die Zuschauer nie so genau wussten, wie es denn um den kommenden Gegner des deutschen Lieblings überhaupt bestellt war. "Damals kam einfach ein Promoter daher, zum Beispiel Don King, stand einfach neben irgendeinem Boxer und die Leute dachten: Oh, das ist ein guter Boxer! Heute kannst Du das nicht mehr sagen, dass jemand ein Weltklasse-Boxer ist, obwohl er das nicht ist."

Dass Culcay weiterhin Weltklasse ist, will er im kommenden Jahr unter Beweis stellen. Nach dem erfolglosen Ausflug ins Mittelgewicht ist er seit zwei Kämpfen zurück im Halbmittelgewicht. "Vielleicht schaffen wir es im September 2020, dass ich um die Weltmeisterschaft boxen kann", so Culcay.

Vegan, außer an Weihnachten

Dass es so gut läuft, führt er auch darauf zurück, dass er sich seit Anfang Oktober dieses Jahres vegan ernährt. Er schläft besser, "fühlt sich fitter, viel gesünder". Nur über Weihnachten und Silvester wird er eine Ausnahme machen, wieder Fleisch essen. Weil es "einfach schwer ist, wenn die ganze Familie kommt, und wir essen."

Er ist eben nicht nur ein freundlicher Boxer, dieser Jack Culcay, sondern auch nur ein Mensch.

Sendung: rbb24, 13.12.2019, 16:00 Uhr

Beitrag von Ilja Behnisch

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