Die Spieler der Eisbären klatschen sich nach einem Sieg ab (Quelle: imago images/Andreas Gora)
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Audio: Inforadio | 30.12.2019 | Karsten Steinmetz | Bild: imago images/Andreas Gora

Jahresrückblick | Eisbären Berlin - Umbruch mit Wirkung

Nach einer verkorksten Saison und dem frühen Aus in den Playoffs haben die Eisbären im Sommer einen Umbruch gewagt. Nun sind die Berliner wieder vorne mit dabei und starten voller Hoffnung ins nächste Jahr. Von Lisa Surkamp

Das emotionale Highlight

Ja, Siege wie das 4:0 über den damaligen Meister München im Playoff-Viertelfinale oder der kürzlich gefeierte 5:1-Erfolg über Meister Mannheim zählen ohne Zweifel zu den emotionalen Höhepunkten des Jahres. Noch mehr unter die Haut aber ging ein anderer Moment. Denn beim Liga-Auftakt am 13. Januar mussten die Fans Abschied nehmen, von einem, der seit jeher dazugehörte. Hartmut Nickel war am 27. Juni 2019 im Alter von 74 Jahren verstorben.

Die neue "Hartmut Nickel-Kurve" bei den Eisbären Berlin. Quelle. imago images/Nordphoto
Die Fans der Berliner stehen seit dieser Saison in der "Hartmut-Nickel-Kurve". | Bild: imago images/Nordphoto

"Hartmut Nickel hat die Eisbären Berlin geprägt, wie kein anderer Spieler oder Trainer in der Clubgeschichte", sagte Geschäftsführer Peter John Lee damals. "Kein Zweiter verkörperte die Vergangenheit und die Gegenwart des Clubs so wie er." Und so hatte fast jeder Tränen in den Augen, als "Papa Bär" - erst in Schlittschuhen und später freundlich grüßend mit weißen Haaren - den Anhängern seines Klubs noch einmal auf dem Videowürfel begegnete. Seit diesem Tag stehen die Fans der Berliner in der "Hartmut-Nickel-Kurve". Und das voller Stolz, wenn sie singen: "Hartmut Nickel, du bist der beste Mann. Hol die Kelle raus."

Der Tiefpunkt des Jahres

Ja, sie hatten gekämpft. Nicht aufgegeben und dem Meister die Stirn geboten. Doch auch wenn die Eisbären länger als erwartet gegen Meister München mithalten konnten und ihren Anhängern damit einen versöhnlichen Abschluss boten, so war das Aus im Playoff-Viertelfinale Ende März doch die Quittung für eine insgesamt verkorkste Saison.

Denn von dem ausgegebenen Ziel, zu den Teams im oberen Tabellenfeld zu gehören, waren die Berliner weit entfernt. Nach sieben Niederlagen in Folge zu Beginn des Jahres, darunter eine 0:7-Klatsche gegen Mannheim, mussten sie als Neuntplatzierter sogar in die Pre-Playoffs. Und während die Spitzenteams um die Meisterschaft kämpften, waren die Eisbären - gezwungenermaßen - längst in der Sommerpause.

Der Typ des Jahres

Schon die Farbe seines Helmes verrät, dass es für Marcel Noebels aktuell ziemlich rund läuft. Denn die Kopfbedeckung des 27-jährigen Stürmers ist rot: Noebels ist der Topscorer im Team der Berliner. 15 Tore und 12 Vorlagen in 31 Spielen lautet seine beeindruckende Bilanz bisher. Und damit ist er auf dem besten Wege, seine mittlerweile sechste Saison im Eisbären-Trikot zu seiner erfolgreichsten zu machen.

Der Linksschütze, der aus Tönisvorst in Nordrhein-Westfalen stammt und das Eishockeyspielen bei den Krefeld Pinguinen erlernte, hat sich seit seinem Wechsel in die Hauptstadt 2014 Schritt für Schritt zu einem Führungsspieler entwickelt. Auch in den Playoffs im Frühjahr hat der Nationalspieler - wie zuletzt immer in der "schönsten Zeit des Jahres" - zuverlässig gepunktet und ist aus dem Spiel der Berliner kaum mehr wegzudenken.

Die Lehre des Jahres

Eines hat das Jahr 2019 den Eisbären definitiv gelehrt: Ein Umbruch kann sich lohnen! Lange vermieden es die Berliner, größere Veränderungen an ihrem Kader vorzunehmen. Immer nur einzelne Akteure wurden getauscht, der Kern des Teams blieb unverändert. Doch irgendwann blieben die Erfolge aus - und die Forderungen nach einem knallharten Umbruch wurden immer lauter. 

In diesem Sommer war es dann soweit. Insgesamt 14 Spieler mussten die Hauptstädter verlassen, darunter der langjährige Verteidiger Jens Baxmann oder Topscorer Jamie MacQueen, der wegen seiner geringen Begeisterung für die Defensivarbeit in der Kritik stand. Die neu zusammengestellte Mannschaft brauchte einige Zeit, um sich einzuspielen und den Matchplan des neuen Trainers Serge Aubin zu verinnerlichen. Mittlerweile aber haben sie zusammengefunden, Neuverpflichtungen wie Stürmer Maxim Lapierre, Verteidiger Ryan McKiernan oder Talent Lukas Reichel punkten zuverlässig und haben das Spiel der Berliner stabilisiert und verbessert. Der Umbruch war der richtige Weg - das bestätigt nicht zuletzt auch der aktuell 4. Tabellenplatz.

Die Prognose

Unter dem neuen Trainer Serge Aubin wollten die Eisbären zu ihrer Angriffslust und attraktivem Eishockey zurückfinden. Und das ist den Berlinern durchaus gelungen. Doch auch das leidige Problem der letzten Jahre ist noch da: Es fehlt die Konstanz. Weil es nach starken Siegen gegen die Topteams auch mal derbe Pleiten gegen die Schlusslichter gibt, ist der Abstand zu den besten drei Teams in der Tabelle schon groß. Wenn die Berliner es schaffen, ihre Gegentore zu reduzieren,  zuverlässiger zu punkten und sie von Verletzungen verschont bleiben, ist das Saisonziel, am Ende der Hauptrunde unter die ersten Vier zu kommen, durchaus machbar. Und in den Playoffs um die Meisterschaft beginnt bekanntlich alles von vorn.

Sendung: Inforadio, 30.12.2019, 10.15 Uhr

Beitrag von Lisa Surkamp

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