Das Hans-Zoschke-Stadion in Berlin-Lichtenberg. / imago images/Matthias Koch
Audio: Inforadio | 02.12.2019 | Philipp Laberenz | Bild: imago images/Matthias Koch

Ausstellung im Hans-Zoschke-Stadion - Wie das Ende der DDR ein Stück Sportgeschichte rettete

Die Ausstellung "Fußball im Hinterhof der Stasi" zeigt, wie der Traditionsverein Lichtenberg 47 zu DDR-Zeiten in unmittelbarer Nachbarschaft der Stasi seine eigene Identität bewahren konnte. Und wie das Ende des Regimes seine Heimat rettete. Von Philipp Laberenz

Der Mauerfall vor 30 Jahren war ein Glücksfall. Nicht nur für die Bürger der DDR. Auch für das Hans-Zoschke-Stadion im Berliner Bezirk Lichtenberg. "Für den Bestand des Stadions war es eine grundlegende Wende. Wie uns jetzt Dokumente des Ministeriums für Staatssicherheit zeigen, war es kurz vor zwölf", sagt Henry Berthy, seit 1963 Mitglied beim Sportverein Lichtenberg 47 und mittlerweile dessen Geschäftsführer. Berthy weiß: Der Zusammenbruch des DDR-Regimes Ende der 1980er war die Rettung der Heimat seines Vereins.

"Verein hätte seine Wurzeln verloren"

Das Hans-Zoschke-Stadion ist ein Stück Sportgeschichte - doch es sollte zum Abriss freigegeben werden. Das steinerne Rund kauert im Schatten der ehemaligen Stasizentrale, der DDR-Waschbeton überragt die Heimat von Lichtenberg 47. Stadion und Verein prägen den Bezirk bereits vor Gründung des Arbeiter- und Bauernstaats.

Zum Zeitpunkt der Wende war Lichtenberg 47 bereits mehr als ein halbes Jahrhundert alt. "Verpflanzen Sie mal einen 50 Jahre alten Baum an eine andere Stelle", gibt Berthy zu bedenken, "ohne das Stadion hätte der Verein seine Wurzeln verloren."

Doch zu DDR-Zeiten fraß sich der einstige Geheimdienst in den Stadtteil hinein. Das Gelände und die Sportler waren dabei ein Dorn im Auge von Stasi-Chef Erich Mielke. Das Stadion sollte der Stasi einverleibt werden. Mielke hatte darüber schon mit dem Magistrat der Stadt Ost-Berlin verhandelt. Was noch fehlte: eine Ausweichstätte für den Sportverein. Doch plötzlich platzte der Fall der Mauer hinein.

Ausstellungstafeln am Hans-Zoschke-Stadion in Lichtenberg. / Philipp Laberenz
Die Ausstellungstafeln im Hans-Zoschke-Stadion. | Bild: Philipp Laberenz

Einer der letzten Privatvereine in Ost-Berlin

Über diese bewegte Geschichte berichtet die Ausstellung "Fußball im Hinterhof der Stasi". Historiker Christian Booß hat sie konzipiert: "Mielke war offenbar sauer, der wollte diese Leute hier nicht haben." Lichtenberg 47 stand für vieles, was der Partei-Elite zuwider war: Bürgersinn, Privatengagement, Selbstbehauptung.

Der Verein war lange einer der letzten Privatvereine, die es in Ost-Berlin gab. Gleich nach dem Krieg von den Mitgliedern gegründet und von Mittelständlern aus der Gegend unterstützt, pflegten die Lichtenberger ihre Selbstbestimmung und Unabhängigkeit. "Das war in der DDR nun überhaupt nicht erwünscht", sagt Booß. "Alle sportlichen Regungen wurden ja unter das Dach des Staates gestellt."

Wir freuen uns auch deswegen, weil diese Tafeln natürlich auch von Leuten gesehen werden, die hier zu ganz normalen Fußballspielen kommen, die normalerweise wahrscheinlich nicht zu uns auf das ehemalige Stasi-Gelände kommen würden, um sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen.

Christian Booß, Historiker

Zielgruppe Fußballfans

Booß ist Vorsitzender des Vereins "Bürgerkomitee 15. Januar" mit Sitz auf dem Gelände des Stasi-Museums. Der Verein ist benannt nach dem Tag im Januar 1990, als DDR-Bürger die Stasi-Zentrale gegenüber von Lichtenberg 47 erstürmten. In Kooperation mit den sportlichen Nachbarn erstellte der Aufarbeitungsverein die Ausstellung. Die Open-Air-Version ist nun als Dauerausstellung am Eingang des Stadions zu sehen.

Drei Tafeln zeigen einen vitalen Verein, der unter widrigen Umständen seinen Weg gehen konnte. Und dabei nicht nur die Stasi überlebte, sondern mittlerweile auch Regionalliga-Fußball bietet. Gerade die Fußballfans sollen angesprochen werden. "Wir freuen uns auch deswegen, weil diese Tafeln natürlich auch von Leuten gesehen werden, die hier zu ganz normalen Fußballspielen kommen, die normalerweise wahrscheinlich nicht zu uns auf das ehemalige Stasi-Gelände kommen würden, um sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen", sagt Booß.

Sendung: Inforadio, 02.12.2019, 14:15 Uhr

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