Eine Eckfahne von Hertha BSC (Quelle: imago images/Matthias Koch)
Video: rbb24 | 16.12.2019 | Jörg Hellwig | Bild: imago images/Matthias Koch

Auerbach widerspricht Darstellungen - Rassismus-Vorwurf: Herthas B-Junioren brechen Spiel ab

Wieder lautet der Vorwurf Rassismus, wieder kommt er von Hertha BSC: Spieler der U16 sollen beim Spiel in Auerbach rassistisch beleidigt worden sein. Der Verein brach das Spiel ab. Auerbach wehrt sich und erhebt eigene Vorwürfe. Der Verband will den Fall prüfen.

Bei einem Spiel in der B-Junioren-Regionalliga Nordost am Samstag sollen Spieler von Herthas U16-Mannschaft rassistisch beleidigt worden sein. Wie der Verein in einer Mitteilung bekanntgab, hätten mehrere Spieler des VfB Auerbach die Herthaner beschimpft.

"Nach Hinweisen beim Schiedsrichter haben wir uns entschieden, das Spielfeld in der 68. Minute beim Stand von 2:0 für uns zu verlassen und das Spiel nicht fortzusetzen, denn wir als Hertha BSC verurteilen Rassismus und Diskriminierung in jeglicher Form", heißt es in der Mitteilung weiter.

Keuter: "Nehmen unsere Verantwortung sehr ernst"

Die Vereinsführung unterstützte den Schritt. "Vielleicht ist diese Maßnahme ein Weckruf, dass wir alle gemeinsam - Spieler, Vereine, Verbände und Fans - endgültig diesem Problem Herr werden. In einer solchen Situation sind uns Werte und eine klare Haltung wichtiger als ein Sieg oder eine Niederlage auf dem Platz", wird Paul Keuter, Mitglied der Hertha-Geschäftsführung, in der Mitteilung zitiert. 

"Es gibt Situationen, in den auch für uns der Fußball zweitrangig wird", so Keuter weiter. "Wir haben eine Verantwortung uns, unseren Spielern und auch der Gesellschaft gegenüber. Diese Verantwortung nehmen wir sehr ernst und deshalb war es die einzig richtige Entscheidung, dieses Spiel nicht fortzuführen. 

U16-Trainer Sofian Chahed twitterte das Mannschaftsfoto des Nachwuchses und schrieb dazu: "Es darf keinerlei Spielraum für Rassismus auf und neben dem Platz geben!"

Auerbach bestreitet Rassismus-Vorwurf

Auerbach widersprach der Darstellung von Hertha hingegen noch am späten Samstagabend. Der Klub stelle fest, "dass weder der Schiedsrichter, noch die Schiedsrichter-Assistenten eine rassistische Äußerung wahrgenommen haben", heißt es in einer Vereinsmitteilung. Dies habe das Schiedsrichter-Gespann dem VfB im Anschluss an das Spiel bestätigt.

Auch sei der von Hertha erweckte Eindruck falsch, "es habe sich um ein Spiel gehandelt, das von rassistischen Aussagen geprägt gewesen sein soll". Auerbach beklagte seinerseits, dass VfB-Akteure während des Spiels über das erträgliche Maß hinaus beleidigende Äußerungen ihrer Gegenspieler hätten ertragen müssen. "Wir haben über das gesamte Spiel übelste Pöbeleien und fortwährende Beleidigungen der Berliner Spieler gegenüber unseren Spielern mit Bedauern und Unverständnis feststellen müssen. Auch innerhalb der Berliner Mannschaft kritisierten sich die Spieler in einer ungewöhnlich harten Art", sagte VfB-Manager Volkhardt Kramer.

Auerbach will den Vorwürfen nun nachgehen. "Sollten sich die Anschuldigungen als berechtigt herausstellen, wird der Verein die entsprechenden Konsequenzen ziehen", teilte der Verein mit. Details zum Spiel sollen dem zuständigen Sportgericht in einer Stellungnahme in den nächsten Tagen zukommen.

NOFV prüft Einleitung eines Verfahrens

NOFV-Geschäftsführer Holger Fuchs bestätigte am Sonntag der Deutschen Presse-Agentur, dass der Verband die Einleitung eines Verfahrens zur Untersuchung der Vorfälle prüfe. Dieser Schritt könne frühestens am Montag vollzogen werden.

Bei Hertha ist es der zweite Rassismus-Vorwurf binnen weniger Tage. U23-Spieler Jessic Ngankam hatte in der vergangenen Woche nach einem Regionalligaspiel der zweiten Mannschaft der Berliner gegen den 1. FC Lok Leipzig berichtet, durch Affenlaute aus der Leipziger Fankurve und durch das Wort "Affe" von einem Gegenspieler beleidigt worden zu sein. Die Partie war für mehrere Minuten unterbrochen gewesen. Lok hatte sich von rassistischem Verhalten distanziert, Hertha verurteilte "rassistische Anfeindungen" gegen seinen Spieler "aufs Schärfste". Die Clubführung der Berliner räumte am Montag ein, dass man mit einer öffentlichen Stellungnahme zu lange gewartet habe.

Kommentar

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Antwort auf [Berthold] vom 15.12.2019 um 13:36
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20 Kommentare

  1. 20.

    Es ist erstaunlich ruhig geworden, zumindest was die Lautsprecher aus der Wohlfühlblase Berlin+Speckgürtel betrifft.
    Jetzt wo sich die Sachlage anders darstellt kann man halt nicht mehr so einfach mit dem Finger auf Die in der Provinz zeigen.

  2. 19.

    Irgendwas scheint in Sachsen ganz gewaltig nicht zustimmen, einfach nur traurig sowas.

  3. 18.

    Ich bin mir nicht sicher ob Spielabbrüche der richtige Weg sind. Eigentlich gibt das den Rassisten zu viel Macht, sie können jetzt bestimmen ob ein Spiel gespielt wird oder nicht, siehe auch Nationalspiele oder Spiele in England. Danach ist der Rassist wahrscheinlich auch noch stolz, dass er diese Aufmerksamkeit bekommt und das Spiel wegen ihm abgebrochen wurde. Diese Regel wird zu mehr Spielabbrüchen und Rassismus im Stadion führen.

  4. 17.

    Dass Sie der universellen Gleichwertigkeit aller Menschen Tiervergleiche vorziehen und auch die stattgefundenen rassistischen Anfeindungen verharmlosen und sogar legitimieren, spricht Bände darüber, inweiweit Sie mit beiden Füßen auf dem Boden von Demokratie und Menschenrechten stehen.

    Als Außenstehender kann man das schlecht beurteilen, was sich zugetragen hat. Wichtig ist aber das Signal, nach solchen Vorfällen nicht weiterzumachen. Es gibt Grenzen von Konkurrenz bzw. Rivalität innerhalb des Sports. Wo es unmenschlich wird, ist diese Grenze überschritten.

    Fußball hat großes Potenzial, unterschiedlichste Menschen miteinander zu verbinden, das sollte genausowenig vergessen werden, wie der Umstand, dass Rassismus und Co. nie nur individuelle Einzelphänomene sind, die von Täter*innen ausgehen. Es geht immer die gesamte Gesellschaft etwas an.

    Der NOFV soll auf Rassismus hin prüfen. Das wird ja "feierlich". Wer "Nazis raus"-Rufe intuitiv bestrafen will, soll hier richten.

  5. 16.

    So kann man es auch machen: "Die Schiris haben keine rassistische Äußerung gehört", sagt Auerbach. Mag sein, das heisst aber nicht, dass es keine gab. Hertha dürfte kaum das Spiel abgebrochen haben wenn nichts war. Man kann nur hoffen, dass Auerbach die Dinge aufklärt und nicht beim Mein-Name-ist-Hase bleibt.

  6. 15.

    Vielleicht ist das was für uns in Berlin als rassistisch gilt in Sachsen dank Pegida und AfD schon normal.

  7. 14.

    Auerbach ist die Unschuld vom Lande. So stellen sie sich jedenfalls dar.

  8. 12.

    Was haben die für eine Meinung über sich, die es nötig haben, sich durch rassistische Anfeindungen aufzuwerten?
    Wer andere abwerten muss, (weil sich selbst als nicht viel wert einschätzt) um selbst mehr zu gelten - welch Jammergestalt. Dann haben solche es dann auch bitter nötig, Gewalt anzuwenden... Ein Jammer.

  9. 11.

    Ich gebe zu, ich interessiere mich nicht für Fußball. Aber entspricht es nicht dem Wesen des sportlichen Team-Wettkampfs, dass "wir" gegen "die anderen" antreten? Ist es nicht ein Stück weit Micro-Nationalismus, wenn sich der Verein des einen Dorfes mit dem des anderen misst? Ist es da nicht wenig verwunderlich, wenn sich daraus ein Hooliganismus entwickelt?

    Über was reden wir hier eigentlich? Irgendwelche Typen in kurzen Hosen rennen auf einer Wiese herum und treten einen Ball.

  10. 10.

    Alle sperren. Die, welche beleidigt haben, sollen sich melden, ansonsten alle für die Saison sperren. Wenn man feststellen kann, wer rassistisch beleidigt hat sollen diese eine polizeiliche Anzeige kassieren und gesperrt werden. Auf dem Platz wird Fussball gespielt. Da die meisten Fussballer es offenbar nicht schaffen, die Gratwanderung zwischen sportlicher Stichelei und Beleidung zu gehen, muss man sie eben wegen jedem Regelbruch rabiat sperren. Selbst schuld. So kann es nicht weitergehen. Das ganze schaukelt sich ja immer weiter hoch wenn wir jetzt nicht die Reißleine ziehen.

  11. 9.

    Hallo Günter Försterra,

    Wir haben den Artikel zwischenzeitlich ergänzt (siehe Kommentar 3). Die Stellungnahme des VfB Auerbach haben wir heute Vormittag in den Text eingearbeitet.
    Beste Grüße

  12. 8.

    Ich glaube nicht , das bei einer eigenen Führung die Spieler wegen einer Kleinigkeit, den Platz verlassen.
    Ich hoffe die Spieler von Auerbach haben den Arsch in der Hose und sind ehrlich.

  13. 7.

    Wird Zeit, dass der DFB mal seinen noblen Worten Taten folgen lässt und solches rückständige rassistische Verhalten konsequent angezeigt wird. Psychopathen, die andere wegen ihrer Herkunft niedermachen müssen, haben nichts im Sport zu suchen.

  14. 6.

    Ich weiss nicht welchen Text sie gelesen haben, aber in dem vorliegenden Artikel wird der Stellungnahme von Auerbach mehr Text eingeräumt als den Vorwürfen von Hertha. Wie muss das Verhältnis denn ihrer Meinung nach aussehen, damit sie es fair berichtet finden?

  15. 5.

    Jeder Mensch ist letztendlich auch mit jedem Affen, mit jedem Esel, mit jedem Schaf und jedem Kamel verwandt. Man muß nur genügend Generationen zurückverfolgen. Welche Schlüsse Sie daraus ziehen, und ob Sie sich weiterhin auf das Niveau von Beleidigungen begeben wollen, bleibt Ihnen überlassen.

  16. 4.

    Ob die Windungen in einem rechtsnationalem Hirn ausreichen zu begreifen das jeder Mensch, egal welcher Hautfarbe, letztendlich jeder mit jedem verwandt ist?

  17. 3.

    Hallo Nachtweih,

    Die Stellungnahme des VfB Auerbach kam gestern erst später. Wir haben jetzt den Text ergänzt. Beste Grüße

  18. 2.

    Herr werden muss die Bundesregierung der Situation. So kann es wirklich nicht weitergehen. Ihr spielt lieber Fussball und lasst das Profitum sausen. Es bringt nur kriminelle Anreize.

  19. 1.

    Ich fände es fair, in einem solchen Bericht beide Seiten zu Wort kommen zu lassen.
    Der VfB Auerbach beurteilt die Lage völlig anders. So zu lesen zum Beispiel auf kicker.de oder auf der Website des VfB Auerbach, welcher dort auch darum bittet, von Vorverurteilungen abzusehen, bis die Umstände rund um das Spiel aufgeklärt wurden.

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