Hertha-Coach Jürgen Klinsmann vor der ersten öffentlichen Einheit der Winter-Vorbereitung mit Journalisten. / imago images/Matthias Koch
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Interview | Jürgen Klinsmann - "Wir können international bei Spielern mitreden"

Hertha BSC trainiert wieder. Mit klaren Zielen: Möglichst schnell raus aus dem Abstiegskampf und dann mittel- und langfristig ganz nach oben. Coach Jürgen Klinsmann sprach nun über Transfergerüchte, die Entwicklung des Klubs - und machte klare Ansagen.

Als erster Fußball-Bundesligist ist Hertha BSC ins Winter-Training gestartet - nach der Krafteinheit am Sonntag ging es am Montag zum ersten Mal öffentlich auf den Schenckendorffplatz. Vorher sprach Jürgen Klinsmann in einer Medienrunde über ...

... das Essen an den Weihnachtstagen.

Was haben wir gemacht? Filetsteaks mit Spätzle und Kartoffelsalat. Also sehr schwäbisch. Meine Frau kann das richtig gut.

... die aktuelle Lage von Hertha BSC in der Liga.

Wir sind im Abstiegskampf. Nach wie vor. Die Tabelle, die kann jeder lesen. Das sind ein paar Punkte Luft, die wir uns jetzt in den letzten paar Wochen verschafft haben. Die tun natürlich verdammt gut. Aber wir sind weiter im Strudel dabei. Deswegen ist es angesagt, dass wir ein bisschen früher anfangen, ein bisschen mehr tun - und dann hoffentlich gut in die Rückrunde reinstarten. Das geht halt nur durch Mehrarbeit.

... die Stimmung im Team.

Die Spieler haben das (Anm. d. Red.: den frühen Trainingsstart) super akzeptiert, sie ziehen mit. Am Sonntag haben wir gleich einen Leistungstest gemacht. Die Stimmung ist natürlich gut, weil die letzten vier Spiele gut verliefen. Aber die Lage ist nach wie vor ernst. Da brauchen wir gar nicht drumherum reden. Wir wollen da weitermachen, wo wir zuletzt aufgehört haben - und sehr, sehr gut vorbereitet in das erste Spiel gegen den FC Bayern gehen. Das Programm ist ähnlich wie jetzt zum Abschluss der Hinrunde gleich ein Hammerprogramm. Da ist es schon angesagt, dass wir unsere Hausaufgaben machen.

... die zahlreichen Transfergerüchte rund um den Verein.

Dazu sage ich was, wenn Vollzug gemeldet wird. Hier oder da. (lacht)
Aber es ist ja ganz normal, dass wir im Hintergrund arbeiten und diskutieren. Dafür ist dieses Januar-Fenster auch da. Natürlich zum einen, was die Trainingsplanung und den Rückrundenauftakt angeht - das läuft kurzfristig auf hohem Turnus. Das andere ist das Mittel- und Langfristige. Jeder Klub arbeitet im Bezug auf den Kader, der sich immer von Transferfenster zu Transferfenster minimal ändern wird. Da sind wir selbstverständlich auch dabei und hoffen, dass wir - egal, was wir tun - etwas tun, das den Kader stärker macht. Das Ziel ist wirklich, nur dann zu ergänzen und zu handeln, wenn es uns qualitativ nach vorne bringt.

Qualitativ muss der Anspruch der Hertha sein, dass wir Spieler im Blick haben, die uns dann auch irgendwann international positionieren.

Jürgen Klinsmann

... den Schwerpunkt bei etwaigen Neuzugängen.

Jeder, der über einen Kader diskutiert und die Planung durchgeht, schaut auf allen Positionen immer wieder: Wie sind wir da aufgestellt - und was würde uns helfen. Qualitativ muss der Anspruch der Hertha sein, dass wir Spieler im Blick haben, die uns dann auch irgendwann international positionieren. Das ist eine klare Denkweise im Klub - obwohl wir gerade im Abstiegskampf sind. Egal, was jetzt gemacht wird: Es ist mit der Blickrichtung, dass wir irgendwann mal da oben dabei sein wollen; unter den ersten sechs bis acht auf jeden Fall. Und da sind jetzt nur Spieler im Fokus, die hier nicht selbst ausgebildet wurden und werden - also in der eigenen Akademie -, die dann aber das Kaliber haben, uns eines Tages international zu repräsentieren.

... den ganz offensichtlich neuen Plan, den Hertha somit verfolgt.

Das ist richtig - und passiert ja automatisch mit der Situation, dass mit unserem Partner Lars Windhorst jemand da ist, der den Verein erstmal schuldenfrei gemacht hat und jetzt auch sagt: Ich gebe was mit rein, damit ihr euch auf dem Markt bewegen könnt. Das ist eine komplett neue Situation auch für Michael Preetz, den gesamten Klub - und das verändert das Bild. Aber die Zielsetzung ist vorgegeben. Damit hat man sich in der Vergangenheit manchmal vielleicht auch schwergetan. Und die Vorgabe ist die, erstmal kurzfristig aus dem Abstiegskampf rauszukommen und das so schnell wie möglich - und mittel- und langfristig in Europa zu spielen. Das ist eine ganz klare Ansage.

... Julian Draxler, der zuletzt mit Hertha in Verbindung gebracht wurde.

Wir sagen dazu jetzt nichts. Aber es ist einfach so, dass wir durch die Situation, die hier in den letzten Monaten entstanden ist, auch mitreden können; international mitreden können bei Spielern. Dass Michael Preetz jetzt auch eine ganz andere Konstellation gegeben wird, bei Spielern anzuklopfen oder anzufragen, die zuvor wahrscheinlich nicht in unserer Kategorie waren. Und das ist natürlich was Tolles, was Neues, dass sich auch internationale Klubs nun mit Hertha BSC beschäftigen. Die haben auch beobachtet, was hier gerade abläuft.

... die Konstellation, in der die Mannschaft ins Trainingslager nach Florida reisen wird.

Es gibt schon Überlegungen. Wir haben auch vier Tage früher angefangen, um uns nochmal ein Gesamtbild zu verschaffen. Wir werden mit einem leicht reduzierten Kader rübergehen. Wir planen, dass maximal 25 Spieler dabei sind - inklusive Torhüter.

... die fußballerischen Pläne für die kommenden Wochen.

Wir arbeiten jeden Tag daran, dass wir fußballerisch Fortschritte machen, dass die Automatismen sich besser entwickeln und dass die Spieler immer mehr ein Feingefühl füreinander bekommen. Ich habe das ja auch schon ein paar Mal angesprochen: Wir würden das Spiel natürlich gerne Schritt für Schritt ein bisschen nach vorne verlagern. Aber du musst dann auch Realist sein und wissen, wo wir im Moment stehen. Da ist Abstiegskampf angesagt. Und wenn du hinten drin bist, dann sind andere Dinge gefragt als das rein fußballerische Element. Aber wir wollen da schon mehr Druck nach vorne machen, mehr Chancen herausarbeiten und mehr Tore schießen.

... die Personalie Ondrej Duda und einen möglichen Wechsel.

Das ist gut möglich.

Sendung: Inforadio, 30.12.2019, 17:15 Uhr

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3 Kommentare

  1. 3.

    Was ich so lese z. Bsp. Draxler mit exorbitanten Gehaltsvorstellungen hat was von Größenwahn. Ein oder zwei Offensivspieler macht noch keinen Sommer. Eigengewächse werden aussortiert, anstatt sie besser zu machen. Schade! Ich kann noch keine Philosophie erkennen, so wie sie Leipzig hat. Ich hoffe, dass Herr Klinsmann das alles auch verantwortet und sich nicht aus dem Staub macht, wenn es nicht funktioniert. Mein Gefühl Draxler und Xhaka kosten erstmal viel Geld. Es sind zugegeben gute Spieler mehr aber auch nicht.

  2. 2.

    Die "alte Dame" bekommt langsam Höhenflüge!

  3. 1.

    International bei Spielern mitreden. Die Landon Donovans dieser Welt sind schon auf dem Weg nach Berlin ;-)

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