Paderborn-Trainer Steffen Baumgart (Quelle: imago images/Beautiful Sports)
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Paderborn-Trainer Steffen Baumgart - "Union hat mir emotional am meisten gegeben"

Das erste Bundesliga-Duell zwischen Union Berlin und dem SC Paderborn wird für Steffen Baumgart emotional. Der Trainer erlebte mit den Ostwestfalen ein kleines Fußball-Märchen - doch tief in seinem Herzen ist und bleibt ein anderer Verein die Nummer eins.

Es war jener historische Montagabend im Mai diesen Jahres. Um 22.28 Uhr ertönte im Stadion An der Alten Försterei der Schlusspfiff - und es gab kein Halten mehr. Der 1. FC Union Berlin hatte den Aufstieg in die Bundesliga perfekt gemacht. Und das auch vor den Augen eines Mannes, der im Großraum Köpenick auch als "Baumi, Fußballgott" bekannt ist.

Zwar stürmte Steffen Baumgart, Trainer des ebenfalls aufgestiegenen SC Paderborn, nicht mit tausenden rot-weiß Gekleideten den Rasen, aber mindestens ein bisschen höher dürfte in diesen Minuten auch sein Herz gehüpft sein.

Für immer tief mit Union verbunden

Denn obwohl der mittlerweile 47-Jährige "nur" zwei Jahre - von 2002 bis 2004 - für die Eisernen spielte, ist seine Verbindung zum Klub eine ganz spezielle. "Das ist der Verein, der mir emotional am meisten gegeben hat", sagt Baumgart in der neuen Episode des rbb-Fußballpodcasts Hauptstadtderby. "Das klingt komisch, denn ich war sieben Jahre in Rostock und das ist mein Heimatverein. Aber Union, das lebt man. Ich kann das nicht erklären. Die Emotionen sind bei Union einfach anders als woanders. Deswegen fühle ich mich diesem Verein sehr nahe und sehr verbunden und das wird, glaube ich, auch immer so bleiben."

"Urs macht einen richtig geilen Job"

Während der Ex-Stürmer über Union Berlin spricht, ist sie zu spüren, seine Leidenschaft. Doch mit eben dieser brachte er seit 2017 auch den SC Paderborn von der 3. Liga bis in die Bundesliga. Ein Fußball-Märchen. Denn eigentlich waren die Ostwestfalen schon in die Regionalliga abgestiegen. "Und mit einmal bleibst du doch drin, weil ein anderer seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Und dann geht das in einem Ruck durch", sagt Baumgart.

In der Bundesliga kämpfen sie gegen den Abstieg. Und Baumgart gegen das schnelllebige Geschäft im Profisport. "Fußball wird ja oft oberflächlich betrachtet. Hast du Erfolg, machst du alles richtig. Hast du keinen Erfolg, diskutieren die Leute von außen, was man alles machen kann." Derzeit steht Paderborn auf Rang 17. Aber mit seiner Mannschaft "ohne Bundesligaspieler" erarbeitete sich der gebürtige Rostocker dank der konsequent offensiven Spielweise seit Saisonbeginn viel Respekt. Noch viel mehr Anerkennung hat er allerdings für seinen nächsten Gegner, seinen Herzensverein Union, übrig. "Union ist meines Erachtens in einer sehr guten Verfassung", erzählt er. "Urs macht für mich einen richtig geilen Job."

Steffen Baumgart jubelt im Union-Trikot (Quelle: imago images/Santiago Engelhardt)
Steffen Baumgart jubelt im Union-Trikot. | Bild: imago images/Santiago Engelhardt

"Da sind viele Emotionen dabei"

Beim ersten Bundesliga-Duell beider Vereine am Samstag (15.30 Uhr) sind "natürlich viele Emotionen dabei, das ist klar", ergänzt Baumgart, der noch immer in Köpenick, zu Fuß etwa eine Viertelstunde von der Alten Försterei entfernt, wohnt. Er ist Mitglied im Verein, seine Frau Katja war über fünf Jahre lang Fanshop-Leiterin. "Sie hat vor zwei Wochen aufgehört, aber nicht, weil es ein Familienderby mit dem Spiel gegen Paderborn gibt", sagt er lachend.

Und auch wenn der dreifache Familienvater zwischen Paderborn und der Hauptstadt pendeln muss, ist er mit seiner derzeitigen Situation sehr zufrieden - ja, geradezu dankbar. "Für mich ist Paderborn ein Glücksfall. Es haben nicht viele Trainer die Möglichkeit, so einen Weg mit so einem Verein zu gehen."

Steffen Baumgart ist bodenständig geblieben - und ehrlich. Und so steht er zu seiner ewigen Verbundenheit mit dem 1. FC Union Berlin.

Sendung: Hauptstadtderby, 10.12.2019, 14 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    kleine Korrektur:
    Wenn schon, dann "Baume, Fußballgott"!
    Ihr habt das wohl mit Bummi verwechselt.

  2. 1.

    Interessant, dass es mir als ehemaligen FC Hansa Fan genauso geht.

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