Union-Trainer Urs Fischer (imago images/Matthias Koch)
Bild: imago images/Matthias Koch

Union vor dem Spiel in Paderborn - Bloß nicht ausruhen

Fünf der letzten sieben Spiele gewonnen und sieben Punkte Vorsprung auf die Abstiegsplätze: Der 1. FC Union Berlin könnte sich eigentlich entspannt zurücklehnen. Doch Trainer Urs Fischer will genau das verhindern. Von Jakob Rüger

Urs Fischer rollt kurz mit den Augen. Fragen zum Thema "Europa League" möchte Unions Cheftrainer nicht beantworten. "Ich bleibe im Hier und Jetzt", sagt Fischer, der sich trotzdem ein leichtes Grinsen nicht verkneifen kann. Es läuft für den 1. FC Union und zwar so gut, dass der Vorsprung auf die Abstiegsränge größer ist, als der Rückstand auf einen Europa-League-Platz.

Schweizer Gelassenheit tut Union gut

Es soll in der Tat ein paar Fans im rot-weißen Trikot geben, die von internationalen Reisen mit Union träumen. Die Anhänger dürfen das laut Fischer, der Trainer selbst ist Realist: "Ich denke von Spiel zu Spiel und halte an unserem Ziel Klassenerhalt fest, dass wird schwer genug."

Die Schweizer Gelassenheit des Urs Fischer tut Union mehr als gut. Als es zu Beginn der Saison nicht lief, war der Trainer der ruhende Pol. Nach nun sechs Siegen aus sieben Spielen ist von Euphorie und Zufriedenheit keine Spur. "Ich sage immer, mach mehr wenn es läuft und etwas weniger, wenn es nicht läuft", verrät Fischer seine Strategie.

"Nicht auf die Schulter klopfen lassen"

Niemand soll sich auf dem bisher Erreichten ausruhen, auch darauf achtet der Trainer. Unions erfahrenster Bundesligaspieler, Christian Gentner, findet daher auch die passenden Worte zur Köpenicker Euphorie: "Wir sollten uns jetzt nicht auf die Schultern klopfen lassen." Der Schwabe will in seinem 390. Bundesligaspiel weiter Punkte mit den Köpenickern sammeln. Je mehr, desto besser.

Mit dem SC Paderborn wartet jedoch eine unangenehme Auswärtsaufgabe auf die Eisernen. Unter Trainer Steffen Baumgart spielt der Bundesligaaufsteiger spektakulären Offensivfußball, auch wenn die Punkteausbeute beim Tabellenvorletzten zu wünschen übrig lässt. Immerhin machten die Ostwestfalen auf sich aufmerksam, zum Beispiel mit dem 3:3 gegen Borussia Dortmund, oder dem knappen 2:3 gegen Leipzig.

Paderborns 1:0-Sieg letztes Wochenende gegen Werder Bremen ist für Urs Fischer eine Warnung: "Wir müssen viele Eins-gegen-Eins-Situationen bestreiten und gewinnen. Wir müssen kompakt sein und das Spielfeld so kurz wie möglich halten." Paderborn, mit dem ehemaligen Cottbuser Stürmer Streli Mamba, lebt von der Schnelligkeit. Es gilt daher, wachsam zu sein, fordert Unions Trainer, der in der vergangenen Zweitligasaison keines der beiden Duelle gegen Baumgarts Paderborn gewinnen konnte.

Baumgart und Union

Für jenen Steffen Baumgart ist das Spiel gegen Union ein besonderes Duell. Zwischen 2002 und 2004 war er für die Rot-Weißen aktiv und erzielte in der Zeit 23 Tore. Der gebürtige Rostocker lebt mit seiner Familie immer noch in Köpenick, nicht weit vom Stadion An der Alten Försterei entfernt. Es ist kein Geheimnis, dass Paderborns Trainer immer noch ein besonderes Verhältnis zu den Eisernen hat. Doch am Ende zählen am Sonnabend nur Punkte.

Der 1. FC Union weist trotz des 10. Tabellenplatzes die Rolle des Favoriten klar von sich. "Paderborn ist mehr unter Druck als wir", sagt Christian Gentner. "Wir wollen einen direkten Konkurrenten auf Distanz halten, Favoritenrolle hin oder her." Bei den Köpenickern geht der Blick weiterhin nur nach unten, träumen dürfen gern die Anderen. Ein gutes Zeichen, dass sich der Aufsteiger nach den starken Wochen nicht hängen lässt. Doch das würde Trainer Urs Fischer sowieso nicht zulassen.

Sendung: rbb24, 12.12.2019, 21:45 Uhr

Beitrag von Jakob Rüger

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

1 Kommentar

  1. 1.

    ...wirklich eine gute und realistische Einschätzung der Momentansituation. Urs Fischer etabliert sich immer mehr als absoluter "Glückstreffer" für die EISERNEN. Es kann aus meiner Sicht einfach keine andere Ausrichtung geben: Bescheiden bleiben und (gegen den Abstieg)arbeiten. Einfach eine wunderbare Einstellung in diesem "harten Geschäft" 1. Bundesliga. Sebastian Andersen beschreibt alles Klasse unter dem Aspekt eines Fussballers, der so einiges in diversen Vereinen erlebt hat: Beim FCU gibt es keine "Priviligierten Stars". Hier arbeitet eine MANNSCHAFT (..und ihre Fans) an einem Ziel: Nichtabstieg! Das ist einfach wunderbar und sportlicher Realismus, der (leider) immer mehr verloren geht!

Das könnte Sie auch interessieren