Marko Pantelic winkt den Fans im Olympiastadion zu. Bild: imago/Bernd König
Bild: imago/Bernd König

Interview | Ex-Herthaner Marko Pantelic - "Eine der schönsten Seiten in meinem Karriere-Buch"

Er steht für die letzte erfolgreiche Zeit von Hertha BSC: Marko Pantelic verzückte die Fans und schoss Hertha 2009 fast bis in die Champions League. Im Interview spricht er über Bestmarken, Außenristtraining und seine Arbeit beim serbischen Fußballverband.

rbb|24: Sie haben mit der serbischen Nationalmannschaft die Playoffs für die Euro 2020 erreicht - dort geht es jetzt gegen Norwegen. Was sind denn eigentlich Ihre Aufgaben als Vizepräsident des Fußballverbandes?

Marko Pantelic: Genau, unser Fokus liegt jetzt zu 100 Prozent auf den Playoff-Spielen. Meine Aufgaben hier sind vielfältig. Ich bin in ständigem Austausch mit der FIFA und der UEFA - in deren Fußball-Komitee ich sitze. Der Job ist ziemlich umfassend, aber dafür wurde ich ausgebildet. Mir macht der Beruf Spaß, ich trage eine große Verantwortung. Von daher versuche ich jederzeit professionell zu sein. Ich habe das aber schon während meiner aktiven Karriere gelernt.

Und wie sieht Ihr Leben außerhalb des Jobs aus?

Ich verbringe viel Zeit mit meiner Familie und meinen Freunden - und spiele zweimal die Woche Hallenfußball hier in Belgrad. Ich wohne momentan hier, bin aber aufgrund des Jobs viel auf Reisen.

Marko Pantelic (links) mit dem serbischen Nationaltrainer Ljubisa Tumbakovic (rechts). Bild: imago/Camera 4
Der Funktionär: Marko Pantelic (links) mit dem serbischen Nationaltrainer Ljubisa Tumbakovic. | Bild: imago/Camera 4

In Berlin bei Hertha BSC sind Sie immer noch eine Legende. Wie sind Ihre Erinnerungen an die Zeit bei den Blau-Weißen?

Es war wunderbar. Ich habe es in Berlin wirklich genossen. Ich blicke sehr gerne auf die Momente bei Hertha BSC zurück. Es ist eine der schönsten Seiten in meinem Karriere-Buch.

In Ihrer letzten Saison bei Hertha, 2008/2009, haben Sie die Qualifikation für die Champions League nur um ein paar Pünktchen verpasst. Die Berliner waren seitdem nie wieder so erfolgreich. Was hat das Team damals so stark gemacht?

Wir haben nicht nur die Champions-League-Quali verpasst, sondern auch den Meistertitel. Wir waren in dieser Saison immer wieder Tabellenführer - das ärgert mich sogar heute noch ein wenig. Wir waren eine echte Einheit mit starken Individualisten und dem Verein und den Fans absolut verschrieben. Wir hatten viele tolle Spieler, ich möchte da keinen Einzelnen herausheben. Sie sind allesamt meine Freunde - und werden es für immer bleiben.

Auf dem Platz waren Sie für Ihre Spezialität, den Außenristschuss mit rechts, bekannt. Woher kam diese Technik?

Ich habe hart an meinen Außenristschüssen und an den Pässen gearbeitet. Heutzutage trainieren die Spieler das möglicherweise nicht mehr so intensiv, arbeiten aber natürlich an anderen Dingen. Für mich war das damals kein Problem, eine oder sogar anderthalb Stunden nach Trainingsende auf dem Platz zu bleiben und verschiedene Schusstechniken von verschiedenen Positionen zu trainieren.

Ihr ehemaliger Mitspieler Fabian Lustenberger hat neulich in einem Interview erzählt, dass Sie montags manchmal nicht die größte Lust hatten zu trainieren. Dann haben Sie sich mit Rückenschmerzen abgemeldet. "Trainer, I have a pain in my back" ist seither bei Hertha ein geflügeltes Wort...

Könnte schon sein, dass ich eine oder zwei Trainingseinheiten verpasst habe - aber immer mit einer legitimen Begründung. Zu der Zeit haben wir in Berlin nur mit einem Stürmer gespielt - in der Offensive hing vieles von mir ab. Ich wurde von den gegnerischen Verteidigern richtig beackert. Ich war unserem Team sehr verbunden, von daher hätte ich es nie leiden lassen, weil ich aus Müdigkeit oder ähnlichem Trainingseinheiten verpasst habe.

Wir haben nicht nur die Champions-League-Quali verpasst, sondern auch den Meistertitel.

Marko Pantelic

Lustenberger hat auch gesagt: "Wenn Marko auf dem Platz war, konnten wir immer ein Tor schießen." Wie haben Sie diese Torgefahr ausgestrahlt?

Wie gesagt, Sieg oder Niederlage hingen von dem ab, was ich in der Offensive veranstaltete. Ich war absolut fokussiert darauf, der Mannschaft dabei zu helfen, Tore zu erzielen und Punkte zu holen. Nach meinem ersten Jahr bei Hertha hat das Team mir absolut vertraut. Ich habe immer versucht, meinen Teamkollegen Selbstvertrauen zu geben - nicht nur was das Toreschießen angeht. Sondern auch im Umgang mit tabellarischen Situationen oder mit den Fans.

Haben Sie noch Kontakte nach Berlin?

Ich habe viele Freunde in Berlin und verbringe gerne Zeit in der Stadt. Es ist ein bisschen so, als wäre ich nie weg gewesen.

Verfolgen Sie Hertha in der Bundesliga?

Natürlich, ich schaue immer noch jedes Spiel. Die momentane Form und die Tabellensituation tun mir sehr leid. Hertha hat definitiv Besseres verdient. Aber das ist in dieser Saison einfach nicht so.

Was sind denn Ihre Gedanken zur momentanen Situation des Vereins?

Erstmal muss Hertha alles dafür tun, um zu überleben. Als Hauptstadtklub mit einer tolle Fanbase, verdienen sie es oben in der Bundesliga mitzuspielen. Hertha hat mit dem neuen Investor vieles dazugewonnen. Jetzt brauchen sie eine klare Strategie und eine Vision. Hertha wird in den kommenden Jahren oben in der Bundesliga mitspielen. Und im Anschluss können sie sogar nach den Titelgewinn streben.

Vedad Ibisevic (52 Tore) und Salomon Kalou (53 Tore) stehen beide kurz davor, Ihre persönliche Bestmarke von 56 Treffern für Hertha zu brechen. Schaffen sie es noch in dieser Saison?

Bestmarken sind da, um gebrochen zu werden - positiv wie negativ. Ich hab nie zu viel über all das nachgedacht. Es ist viel wichtiger, was du für den Verein getan hast und wie sich die Menschen an dich erinnern. Heute, nach meinem Karriereende, freue ich mich darüber, dass mich sowohl die gegnerischen Fans als auch die Fans der Klubs, in denen ich spielte, für das respektieren, was ich geleistet habe.

Haben Sie Kontakt zu Ante Covic und wie bewerten Sie seine kurze Phase als Hertha-Trainer gesehen?

Ich habe hin und wieder mit ihm kommuniziert, ja. Aber seitdem er Cheftrainer bei Hertha geworden ist, haben wir nichts mehr voneinander gehört. Es ist immer schwer, über die Arbeit eines Trainers zu sprechen - schlussendlich wird er nach den Ergebnissen bewertet. Ich mache gerade bei der UEFA meinen Trainerschein und kann jetzt besser beurteilen, was die Schwierigkeiten bei diesem Job sind.

Marko Pantelic (rechts) schaut dem Ball hinterher auf dem Weg ins Tor. Bild: imago/Camera 4Der Knipser: Marko Pantelic schaut dem Ball hinterher auf dem Weg ins Tor.

Was halten Sie vom neuen Hertha-Trainer Jürgen Klinsmann? Kann er die Berliner aus der Abstiegszone führen?

Er ist einer der größten Namen im Weltfußball. Er ist mutig, hat Sachverstand und ist engagiert. Ich bin davon überzeugt, dass er sein Bestes geben wird, um Hertha zurück in die Erfolgsspur und in der Tabelle weiter nach oben zu führen.

Vielen Dank für das Gespräch!

 

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