Cottbus-Trainer Pele Wollitz (imago images/Steffen Beyer)
Bild: imago images/Steffen Beyer

Energie Cottbus und die Trainerfrage - Wollitz zögert Entscheidung hinaus

Bleibt Claus-Dieter Wollitz über die Saison hinaus Trainer in Cottbus oder nicht? Eigentlich wollte der 54-Jährige an diesem Wochenende seine Entscheidung bekanntgeben. Doch es sieht so aus, als würde es damit noch dauern. Weshalb, erklärt Andreas Friebel.

Für Außenstehende scheint es kaum nachvollziehbar. Energie Cottbus steht auf Platz eins in der Regionalliga-Tabelle und Trainer Wollitz fühlt sich, nach eigener Aussage, in der Lausitz sehr wohl. Eine Vertragsunterschrift scheint da eine Formalie zu sein. Ist es aber nicht.

"Ich mache diese Entscheidung nicht vom Tabellenplatz abhängig. Ich weiß, was auf uns zukommt. Und unter diesen Rahmenbedingungen ist es nicht selbstverständlich, dass Cottbus Erster ist", so Wollitz am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen die zweite Mannschaft von Hertha BSC (Samstag um 13:30 Uhr).

Mit Rahmenbedingungen meint Wollitz in erster Linie den finanziellen Rahmen. Diese Saison konnte nur durch verschiedenste Spendenaktionen und das Bayernspiel im DFB-Pokal abgesichert werden. Das alles gibt es in der nächsten Spielzeit aber nicht mehr. Die Chance eine halbwegs schlagkräftige Mannschaft zusammenzubekommen, ist damit ziemlich gering. Deshalb sprachen Claus-Dieter Wollitz und Präsident Werner Fahle zuletzt häufiger miteinander.

"Er würde mir gern mehr Geld zur Verfügung stellen. Das geht aber nicht, weil sich der Verein entschieden hat, ein Nachwuchsleistungszentrum zu unterhalten", sagt Wollitz und fügt an: "Die U17 und U19 sollen in der Bundesliga spielen. Und auch die Nachwuchstrainer sollen alle festangestellt sein. Das alles nimmt uns Volumen. Ich sage aber, dass das Aushängeschild eines Klubs die Profimannschaft sein sollte."

Keine Selbstverständlichkeit

Neben dem Richtungsstreit über die sportliche und finanzielle Ausrichtung des Nachwuchses, kostet auch das Stadion der Freundschaft richtig Geld. Zu Bundesligazeiten gekauft, beträgt der jährliche Unterhalt weit über eine Million Euro. Für die vierte Liga normalerweise unbezahlbar. "Das ist alles auf erste und zweite Liga konzipiert. In der dritten Liga, wo es wenig Fernsehgelder gibt oder in der vierten Liga, wo es gar kein Geld gibt, ist so was zu unterhalten sehr schwierig."

Schon länger laufen Gespräche mit der Stadt, den Klub zu entlasten. Aber das dauert. Dass trotz dieser wirtschaftlichen Probleme Energie inzwischen den ersten Tabellenplatz in der Regionalliga übernommen hat, ist nicht selbstverständlich. Spricht aber für die gute Arbeit, die Wollitz leistet. "Ich habe nach wie vor Bock auf den Fußball hier. Man muss dafür aber auch die Möglichkeiten haben. Denn diese Mannschaft ist gut, man kann aber nicht erwarten, dass sie Erster wird."

Konkurrenzangebot für Wollitz

Noch hat Wollitz Hoffnung, dass sich mit Blick auf die neue Saison finanziell  etwas bewegt.  Deshalb deutet viel darauf hin, dass es an diesem Wochenende doch noch keine Entscheidung seine Zukunft betreffend gibt. Denn Stand jetzt würde Wollitz den unterschriftsreifen Zweijahresvertrag ablehnen.

Den hatte der Verein ihm Ende November angeboten. Er gilt für die Regionalliga und die dritte Liga. Wie der 54-Jährige am Donnerstag erklärte, gab es vor dem Vertragsangebot von Energie eine konkrete Anfrage eines anderen Klubs ihn zum 1.1.2020 zu verpflichten. Energie Cottbus hat ihm für einen Wechsel aber keine Freigabe gegeben.

Sendung: rbbUM6, 12.12.2019, 18:15 Uhr

Beitrag von Andreas Friebel

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8 Kommentare

  1. 8.

    "Vorzeige-JammerOSSI" ???
    Wikipedia hilft!

    Energetische Grüße aus CB!

    PS: Richtig, seinen Arbeitgeber diffamiert man nicht in der Öffentlichkeit! Trotzdem: Seine "Arbeit" trägt Früchte. WER soll denn sonst dieses Amt unter DIESER Führung übernehmen?

  2. 7.

    Wer sich die eigene Nachwuchsförderung absägt, hat langfristig verloren.
    Kurz- bis höchstens mittelfristig könnte Peles Konzept Früchte tragen, aber es ist ein va-banque-Spiel, auf welches sich der Verein meiner Meinung nach nicht einlassen sollte.
    Das Wichtigste ist immer, dass der Verein am Leben bleibt, erstmal unabhängig von der aktuellen Spielklasse. Und das Zweitwichtigste, dass man nicht mehr Geld ausgibt, als man eingenommen hat. So kann - mit einer gesunden Jugendabteilung als Fundament - zukünftig eventuell wieder mehr entstehen.

  3. 6.

    Na ja, Wollitz hat insoweit recht, als dass im Bestreben des Aufstiegs (und spätestens dann) eine Budgeterhöhung nötig wäre - was den Verantwortlichen aber sicher auch bewusst ist. Selbst die 'kleinsten Clubs' in der 3. Liga, wie z. B. der Insolvens-verwaltete CFC, haben über 1,5 Mio mehr als der FCE 'auf der Uhr'.

  4. 5.

    Da hast du absolut recht. Zumal es die Entscheidung des Vereins ist, wie
    es mit dem Fußball in Cottbus weiter geht. Auch die Entscheidung, mit welchen ,angestellten Trainern im Nachwuchsbereich und bei der 1.Mannschaft. Er selbst sagte kürzlich, für Amateurfußball steht er nicht zur Verfügung.

  5. 4.

    Diese Einstellung von Pelle Wohlwitz zeigt, wie limitiert er zwischen den Ohren zu sein scheint. Die von dir aufgezählten Spieler retten ihm sportlich derzeit den Ars... bzw. haben in den letzten Jahren viel Geld in die klammen Vereinskassen gespült. Wieviel Geld will er denn noch bekommen? 2,5 Mio € für die erste Mannschaft sollen nicht ausreichend sein? Dem Vernehmen nach beträgt der Gesamtetat von Lichtenberg 250.000 €. Babelsberg leistet sich angeblich "nur" noch 300.000 € für die erste Mannschaft. Da bringen sie in Cottbuss in gut zwei Monaten den Jahresetat der Genannten durch. Herr Wohlwitz sollte mal auf dem Boden bleiben und seine Energie nicht mehr als Vorzeige-Jammerossi verschwenden sondern in seine Arbeit stecken. Auch er ist nur ein kleines ersetzbares Puzzleteil des Vereins, nicht mehr.

  6. 3.

    Moment mal, hat Herr Wollitz wirklich gesagt das ihm die U 17 und U 19 das Volumen nimmt? Doch nicht wirklich. Woher bekommt er denn die ganzen richtig gut ausgebildeten Spieler(Eisenhut, Broschinski,Geisler,Schneider,Karbstein,Spahic,Kleindienst,Bittencourt usw.)? Richtig , aus dem Nachwuchszentrum. Er hat auch immer wieder betont wie wichtig es ist, dass Cottbus dieses NWL-Zentrum hat.Auf einmal soll das falsch sein? Klar ist es ein schwieriger Job, aber meint er denn das es woanders einfacher wird. Richtig ist, das dass Aushängeschild die 1. Mannschaft ist. Das ist aber nicht nur in Cottbus so und trotzdem wird in anderen Vereinen nicht am Nachwuchs gespart. Im Gegenteil. Viele große Vereine investieren mehr denn je in die eigenen NWL-Zentren, weil sie wissen wie wichtig das ist.
    Also Herr Wollitz, einfach mal auf dem Teppich bleiben.

  7. 2.

    Als ex-Cottbuser hängt auch mein Herz an diesem Verein. Aber Pele hin, Pele her: Kein Verein der Welt (und schon gar keiner, der vielleicht mal wieder im Profibereich mitspielen will), kann sich vom Trainer "erpressen" lassen. Wenn er das Angebot tatsächlich hat, wird er eh gehen, da sollte sich keiner irgendwelchen Illusionen hingeben. Profifußball in der 3. oder 2. BL hat ab dem Moment in CB keine Zukunft mehr, wenn sich Leipzig, Magdeburg und Dresden wieder dauerhaft etabliert haben. Ist in Brandenburg/H. wegen der Nähe zu Berlin und Potsdam ähnlich: Keine (bezahlbare) Infrastruktur, keine Groß-Sponsoren und immer der Druck der großen Nachbarn. Ich weiß auch gar nicht, was dieser Unsinn mit dem Ausbildungszentrum und der U17/U19-BL soll?! Mit denen kann man nicht das Stadion füllen. Wenn es tatsächlich das Ziel des FC Energie sein soll, den Fußballnachwuchs für die BL auszubilden, dann wäre das schon ziemlich Gaga.

  8. 1.

    Da kann einem Himmel, Angst und Bange werden, wenn man das liest. Man kann nur hoffen, daß es den "Verantwortlichen" bewußt wird, was da in Cottbus alles dranhängt. Die Region braucht einfach diese erste Mannschaft. Ich selbst bin seit den siebziger Jahren mit dem Verein verbunden und habe schon viele Trainer kommen und gehen sehen. Pele Wollitz ist für Cottbus ein Segen. Was muss denn wieder erst passieren, um zu erkennen wer hier Trainer bleiben muß! Verfallt bitte nicht in alte Zeiten des Herrn Krein. Warum wird das Stadion nicht vermarktet? Ist denn das Stadion der Freundschaft noch zeitgemäß, 30 Jahre nach der Wende? Ich glaube alle Anhänger des FCE wollen weiter diesen Verein und nicht das ewige Gejammer! Handelt endlich, macht es für eine gesamte Region und Fangemeinde.

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