Bob Hanning schaut nachdenklich nach oben (Quelle: imago images/Bernd König)
Audio: Inforadio | 29.12.2019 | Johannes Mohren | Bild: imago images/Bernd König

Jahresrückblick | Füchse Berlin - Ein Jahr im Zeichen der Zukunft

Nicht unzufrieden, aber auch nicht euphorisch blicken die Füchse auf das Jahr 2019 zurück. Die Berliner haben es in zwei Finals geschafft, zur Spitzenmannschaft fehlt aber noch etwas. Das soll sich im nächsten Jahr ändern - mit neuen Gesichtern. Von Lisa Surkamp

Das emotionale Highlight:

Für Fabian Wiede war es "ein Megagefühl", Trainer Velimir Petkovic war "richtig stolz". Die Freude war unübersehbar, die Spieler lagen sich in den Armen. Ja, am 12. Dezember gelang den Füchsen tatsächlich etwas, was ihnen in der Bundesliga zuvor nur ein einziges Mal geglückt war. Sie gewannen gegen den großen THW Kiel: den Tabellenführer und Rekordmeister. Mit 29:28 siegten sie gegen die Norddeutschen. Ein Erfolg, der viel mehr war als ein normaler Ligasieg.

Torhüter Martin Ziemer bejubelt den Sieg gegen den THW Kiel (Quelle: imago images/Camera 4)
Torhüter Martin Ziemer bejubelt mit Frederik Simak den Sieg gegen den THW Kiel. | Bild: imago images/Camera 4

Denn die Füchse waren - mal wieder - mit großen Verletzungssorgen in das Duell gegangen. Weil beide Stammtorhüter ausfielen, musste Martin Ziemer einspringen. Und er wurde vom regelmäßigen Tribünengast zum Held des Abends. Auch dank seiner zehn Paraden in der zweiten Halbzeit schafften es die Füchse, den Fünf-Tore-Rückstand aus der Halbzeit noch aufzuholen. Ein fast schon historischer Tag für die Berliner.

Simon Ernst (Quelle: imago images/Camera 4)
Hat den dritten Kreuzbandriss erlitten: Simon Ernst. | Bild: imago images/Camera 4

Der Tiefpunkt des Jahres:

"Das war tatsächlich der schwärzeste und traurigste Moment, den ich in den 15 Jahren hatte", sagt Manager Bob Hanning, wenn er sich an jenen Tag im Oktober zurückerinnert, als Füchse-Spielmacher Simon Ernst sich - mal wieder - schwer verletzte.

Bereits zum dritten Mal riss sich der 25-Jährige das Kreuzband. Ein Schock für den Berliner - und eine enorme Schwächung für die Füchse. Gerade erst hatte der Rückraumspieler sein Comeback gefeiert.

"Die Art und Weise, wie er sich wieder rangekämpft hat, war einzigartig. Wenn du alles dafür tust, wieder gesund bist und dann passiert sowas, dann ist das sicherlich extrem traurig", so Hanning.

Der Typ des Jahres:

Er hat schon 2007 seine aktive Karriere beendet - und ist trotzdem der wohl spektakulärste Transfercoup, der den Füchsen in diesem Jahr gelungen ist. Stefan Kretzschmar wurde Anfang September als neuer Sportvorstand vorgestellt, ab Januar ist er bei den Berlinern für die Bereiche Leistungssport, Kommunikation und Sponsoring verantwortlich.

"Ich habe das Gefühl, nach Hause zurückzukommen", sagte Kretzschmar, der beim SC Dynamo Berlin ausgebildet wurde, bei seiner Vorstellung. Mit der Handball-Legende habe der Klub künftig "einen Visionär an der Spitze", freut sich Manager Bob Hanning. Gemeinsam mit dem neuen Trainer Jaron Siewert hofft Hanning, "gemeinsam noch einmal eine deutlich positive Veränderung bewirken" zu können.

Die Rückkehr des Handball-Punks

Die Lehre des Jahres:

Unzufrieden sind sie bei den Füchsen nicht mit dem Jahr 2019. Im Gegenteil. "Es war grundsätzlich ein erfolgreiches Jahr. Wir haben uns wieder für Europa qualifiziert, waren in beiden Finals", bilanziert Bob Hanning. "Nichtsdestotrotz müssen wir ehrlich sein und sagen, dass wir es nicht zur absoluten Spitze geschafft haben. Das ist ja auch der Grund, weshalb wir für die neue Saison so gravierende Veränderungen vorgenommen haben." Denn was den Füchsen fehlte in diesem Jahr, war die Konstanz.

Gegen Topteams wie Kiel oder Magdeburg feierten sie Siege. Gegen Minden und Erlangen dagegen gab es enttäuschende Niederlagen. "Wir haben ein paar Punkte verloren gegen Mannschaften, die nicht auf unserem Niveau sind", ärgert sich auch Trainer Petkovic.

Die Prognose:

Die Füchse müssen also wieder zuverlässiger punkten - vor allem gegen die vermeintlich schwächeren Teams. Wenn das gelingt, ist aber einiges möglich. Denn die Liga ist so eng wie lange nicht mehr. Als Tabellensechster fehlen den Berlinern nur vier Punkte auf Tabellenführer Kiel. Die Top drei sind also durchaus möglich.

Sendung: Inforadio, 30.12.2019, 14.15 Uhr

Beitrag von Lisa Surkamp

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