Jessic Ngankam (Hertha BSC Berlin/Mitte)am 05.01.2018 beim Mercedes-Benz JuniorCup 2018 Deutschland, Sindelfingen. (Quelle: imago images/Robin Rudel)
Video: rbb UM6 | 10.12.2019 | Interview mit Paul Keuter | Bild: imago images/Robin Rudel

Spiel gegen Lok Leipzig - Sportgericht ermittelt nach rassistischem Vorfall bei Hertha II

Die Regionalliga-Partie von Hertha BSC II gegen Lok Leipzig hat ein Nachspiel: Nachdem Jessic Ngankam von Gäste-Fans mit Affenlauten rassistisch beleidigt worden sein soll, ermittelt das Sportgericht. Der Klub äußerte sich deutlich zu dem Vorfall - wenn auch spät.

Beim Regionalliga-Spiel von Hertha II gegen Lok Leipzig am Freitag soll der Berliner Nachwuchsspieler Jessic Ngankam von Gästezuschauern rassistisch beleidigt worden sein - nun läuft ein Sportgerichtsverfahren. Das bestätigte der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV) am Dienstagvormittag auf Nachfrage von rbb|24.

Beide Klubs seien zu Stellungnahmen aufgefordert, hieß es. Weitere Angaben - etwa zu konkreten Inhalten und auch dem zeitlichen Ablauf - wollte der NOFV nicht machen. Man kommentiere laufende Verfahren grundsätzlich nicht.

Hertha BSC verurteilt Vorfall "aus Schärfste"

Nach Berichten des MDR sollen Fans aus dem Block von Lok Leipzig Ngankam mit Affenlauten bedacht haben. Zudem steht der Vorwurf im Raum, dass auch ein Spieler der Gäste aus Sachsen den 19-Jährigen mit dem Wort "Affe" rassistisch beleidigt habe. Kurz vor der Pause unterbrach der Schiedsrichter die Partie für mehrere Minuten - und vermerkte den Vorfall auch im Spielbericht. Der Anstoß für die Ermittlungen.

Hertha BSC hatte am späten Montagabend auf Twitter reagiert - und somit erst drei Tage nach dem Spiel. Man verurteile die "rassistischen Anfeindungen" gegen Ngankam "aufs Schärfste". Weiter heißt es dort: "Als Verein stehen wir hinter Jessic."

Die Klubführung räumte ein, dass man mit einer öffentlichen Stellungnahme zu lange gewartet habe. "Ja, wir hätten schneller reagieren müssen", twitterte Paul Keuter - seit 2016 Mitglied der Geschäftsleitung bei Hertha BSC. Gleichzeitig bekräftigte er: "Aber an unserem sehr ernst gemeintem Einsatz gegen Rassismus sollte keiner zweifeln."

Diesen betonte auch der Verein in seiner Twitter-Stellungnahme. "Hertha BSC verurteilt jegliche Art von Rassismus und Diskriminierung", heißt es dort. "Das machen wir als Verein stets deutlich und dafür setzen wir uns in und mit zahlreichen Aktionen ein."

Zuvor hatte bereits Hertha-Profi Jordan Torunarigha auf den Vorwurf reagiert, der Klub habe sich zu lange nicht geäußert, und betont, dass Hertha "100 Prozent gegen Rassismus" sei: "Man sollte nicht darüber streiten, warum mein Verein erst jetzt ein Statement dazu abgibt."

Ngankam: "Hautfarbe Mensch"

Ngankam selbst hatte sich nach der Partie gegenüber dem MDR geäußert: "Natürlich wird man geschult, nicht so emotional darauf zu reagieren. Aber es trifft einen trotzdem", sagte der Offensivspieler. Später postete er auch noch einen Beitrag auf seinem privaten Instagram-Account. Darin dankt er seiner Mannschaft, Familie, Freunden und Fans für die Unterstützung. "Rassismus hat sowohl auf als auch neben dem Platz nichts zu suchen! Hautfarbe Mensch." 

Lok Leipzig hatte sich von rassistischem Verhalten distanziert und in einem Artikel auf der eigenen Homepage auf die Werte des Clubs verwiesen. "Zur Klarstellung: Auf dem Gelände in der Connewitzer Straße (Vereinsgelände von Lok Leipzig, Anm. d. Red.) kicken Spieler, die ihre Wurzeln in insgesamt 32 Nationen haben. In seiner täglichen Arbeit als Sportverein vermittelt ihnen der 1. FC Lok Werte wie Fairness, Respekt und das Miteinander", heißt es dort - und weiter: "Rassismus hat bei uns keinen Platz und das wissen alle! Falls es aber immer noch Menschen geben sollte, die sich als blau-gelbe Anhänger bezeichnen und das nicht kapiert haben, muss ihnen klar sein, dass Probstheida keine Heimat für sie ist."

Sendung: rbbUM6, 10.12.2019, 18 Uhr

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