Arne Maier und Niklas Stark bei einem Bundesligaspiel. (Quelle: imago images/Matthias Koch).
Audio: Inforadio | 29.01.2020 | 08:15 Uhr | Dennis Wiese | Bild: imago images/Matthias Koch

Der Umbau unter Klinsmann und seine Folgen - Hertha droht, ein Stück Identität zu verlieren

Der Umbruch bei Hertha BSC löst Unruhe aus. Arne Maier, Salomon Kalou und Niklas Stark haben sich zuletzt unzufrieden mit ihrer aktuellen Situation gezeigt. Mit Maier würde der Verein mehr verlieren als nur einen talentierten Fußballspieler. Von Christian Dexne

Zwei Monate nach seiner Entlassung saß Jürgen Klinsmann bei "Stern TV". Wie immer entspannt lächelnd, blickte er im April 2009 zurück auf seine Zeit als Trainer beim FC Bayern München. "Mein größter Fehler war es, den Kader ohne Veränderungen zu übernehmen. Schließlich hatte die Mannschaft im Jahr zuvor schon gegen Getafe und St. Petersburg versagt. Ich hätte drei bis vier neue Spieler fordern müssen", sagte der heutige Hertha-Trainer damals in der Auswertung.

Ob es die Erkenntnisse aus seiner erfolglosen Bayern-Zeit sind, lässt sich nur erahnen. Sicher ist: In Berlin hat er die Forderung nach neuen Spieler nicht nur einmal gestellt. Und wenn neue Spieler kommen sollen, fühlt sich das Establishment zumindest in Teilen zwangsläufig in Frage gestellt. "Das sind Entscheidungen, wenn man die für jemanden trifft, dann tut man anderen auch weh, aber das gehört mit dazu", erklärt Klinsmann.

Maier, Kalou und Stark äußern sich unzufrieden

Nach Arne Maier, der sich offensiv einen schnellen Vereinswechsel wünscht, haben sich inzwischen auch Salomon Kalou und Niklas Stark mit kritischen Tönen zu Wort gemeldet. Kalou beklagt fehlenden Respekt. "Ich bin nicht erst fünf Tage oder Monate hier, sondern fast sechs Jahre - und habe immer meine Tore gemacht. Ich brauche deswegen keine Sonderbehandlung. Aber es geht mir um Respekt. Und der fehlt massiv", beklagte der Stürmer, der zuletzt Einzeltraining absolvieren musste und am Mittwoch beim Training gar nicht zu sehen war, in der "Berliner Zeitung".

Niklas Stark führte zwar zuletzt in Wolfsburg Herthas Mannschaft noch als Kapitän auf das Feld, doch auch er äußerte sich jetzt unzufrieden. Gegen Schalke droht ihm erneut der Platz auf der Ersatzbank, da der zuletzt gelbgesperrte Boyata wieder eingesetzt werden kann. "Mit mir hat der Trainer noch nicht gesprochen", sagte der Verteidiger der "Berliner Morgenpost". Schon zu seiner Aussortierung im Dezember habe der Trainer ihm nichts erklärt. "Das hätte ich mir anders gewünscht", sagte Stark am Mittwoch dazu.

Herthas potenzielle Zukunft ist unzufrieden

Kalou, Maier und Stark - es sind keine Randfiguren, die sich da zu Wort melden, sondern wichtige Spieler. Wobei die Lage bei Kalou anders zu bewerten ist als bei Maier und Stark. Der Altstar hat seinen sportlichen Zenit sicherlich überschritten. Es war abzusehen, dass seine Zeit in Berlin sich dem Ende entgegen neigt.

Anders verhält es sich bei Maier und Stark. Maier, der Junge aus der eigenen Jugend, sollte das Gesicht von Hertha BSC werden. Stark reifte in seinen fast fünf Jahren in Berlin zum Nationalspieler und war auch aufgrund seines eloquenten Auftretens der prädestinierte Kapitän der Zukunft. Nun sind beide unzufrieden und fühlen sich unter Wert verkauft. Maier äußert sich derart offensiv zu einem möglichen Wechsel, dass die übliche Floskel "liebäugeln" fast schon niedlich wirkt.

35 Millionen Euro für Konkurrenten von Arne Maier

Insgesamt 35 Millionen Euro hat Hertha BSC in diesem Winter für zwei Konkurrenten von Maier im defensiven Mittelfeld ausgegeben. Santiago Ascacibar ist unter Klinsmann schon jetzt gesetzt und wenn Lucas Tousart im Sommer kommt, wird der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte wohl kaum als Ergänzungsspieler vorgesehen sein.

So stellt sich für Maier tatsächlich die Frage nach einer Perspektive. Michael Preetz betonte zwar Anfang der Woche in der Sendung "Wontorra on Tour" bei "Sky", man denke überhaupt nicht darüber nach, Arne Maier abzugeben, sondern wünsche sich den Jungen topfit und gesund auf dem Platz - doch angesichts der auch danach wiederholten Wechselabsichten deutet vieles eher auf eine Trennung hin.

Maier - der Beste aus dem Jahrgang 1999

Damit wäre der größte Hoffnungsträger des Jahrgangs 1999 Geschichte. 2018 wurden die A-Junioren des Vereins erstmals Deutscher Meister. Die 99er galten als die größte Ansammmlung von Talenten, die es in Herthas jüngerer Vergangenheit gab. Der damalige Cheftrainer Pal Dardai kannte viele noch aus seiner Zeit als Jugendtrainer und ließ sie immer wieder am Training mit den Profis teilnehmen, einige reisten sogar mit in die Trainingslager. Etablieren konnte sich im Profikader dennoch nur Arne Maier. Palko Dardai, Florian Baak, Dennis Smarsch und Julius Kade kamen nur zu wenigen Einsätzen.  

Der große Wunsch nach Durchlässigkeit, also geringen Hürden zwischen Talenten aus dem eigenen Internat und der Profimannschaft, eint die Verantwortlichen so ziemlich aller Bundesligisten. Selbst ausgebildete Spieler sind günstig, Fans können sich mit ihnen identifizieren. Dazu winken bei Transfers einträgliche Renditen. Die Voraussetzungen dafür waren zu Dardais Zeiten besser als heute, wo der Verein eher auf teure Neuverpflichtungen setzt. Im Fall von Arne Maier könnte Hertha zumindest noch gutes Geld verdienen.  

Hertha muss für den sportlichen Neubau Opfer bringen

Doch verlieren würde der Verein gleichzeitig ein Stück Identität. Maier kam in der E-Jugend zu Hertha BSC. Axel Kruse, Herthas ehemaliger Kapitän, forderte im "Hauptstadtderby", dem rbb Fußball-Podcast: "Ich glaube, Klinsi muss ein bisschen vorsichtig sein. Vielleicht wäre es ganz gut, wenn Michael Preetz mal dazwischen kloppen würde. Arne Maier abzugeben, der das Gesicht von Hertha werden sollte: Das geht gar nicht."

Damit spricht Kruse vielen Hertha-Fans aus dem Herzen. Doch gleichzeitig wird durch die Diskussion um Arne Maier auch deutlich: Hertha muss für den sportlichen Neustart Opfer bringen. Vielleicht sogar eines der größten Talente.   

Rotes Signal für den eigenen Nachwuchs

Das wiederum wäre auch ein Zeichen in Richtung der vielen jungen Fußballer, die aktuell in Herthas Akademie ausgebildet werden. Allerdings wäre das Signal eher Rot als Grün. Mit Maximilian Mittelstädt und Jordan Torunarigha gäbe es dann nur noch zwei Spieler aus der Hertha-Jugend, auf die Jürgen Klinsmann setzt. Und die jüngsten Entwicklungen deuten eher darauf hin, dass es in Zukunft für den eigenen Nachwuchs noch schwerer wird, sich einen Platz in Herthas Profikader zu sichern.

Sendung: Inforadio Sport, 28.01.2020, 8:15 Uhr

Beitrag von Christian Dexne

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21 Kommentare

  1. 21.

    Maier mosert, obwohl monatelang verletzt. Stark mosert, obwohl überschaubare Leistungen. Kalou mosert (schon unter Covic keine Chance mehr),obwohl selber um Freistellung gebeten. Dagegen hört man kein Gemotze oder viel Positives von Plattenhardt, Torunarigha, Mittelstädt oder Jarstein. Selbst Esswein hat sich rangekämpft. Kann man ja mal drüber nachdenken, ob es nicht an einem selbst liegt.

  2. 19.

    Alfred Neumann...
    Nennen Sie mir einen Fußballverein, der ohne Geldeinnahmen in der Bundesliga spielt. Auch ihr geliebter Verein aus Köpenick nimmt Geld von Sponsoren. Heißt aber ja Sponsor und nicht Investor und ist dann natürlich viel besser. Weil Kult und so.
    Warum Hertha deswegen nichts mehr mit Berlin zu tun haben soll, verstehe ich auch nicht. Übrigens: Sie wollen Hertha ja immer als "Charlottenburger Verein" und Union als Berliner Verein darstellen. Vielleicht mal mit dem eigenen Verein beschäftigen, der sich selbst als Köpenicker Kiezverein vermarktet. Hertha hingegen wurde im Prenzlauer Berg gegründet, hat seine Heimat im Wedding und spielt jetzt in Charlottenburg. Eben ein Gesamtberliner Verein.

  3. 18.

    Der Charlottenburger Verein wird durch unzählige Millionen zu Hertha Windhorst BSC umgebaut. Warum eigentlich nicht gleich nach dem Mäzen umbennen? Mit Berlin bzw. Authentizität hat das dann nichts mehr zu tun. Die Berlin-Touristen schauen dann aber sicher gern mal im Stadion vorbei.
    Beliebig austauschbares Konstrukt. RB lässt grüßen...

  4. 17.

    Ich finde das richtig gut wie Hertha hier mit Qualität aufrüstet, nur um Maier würde es mir etwas leid tun.
    Wichtig ist auch endlich ein neues Stadion zu bauen.

  5. 16.

    Auch wenn diese Herren im Moment nicht spielen,rollt der Rubel trotzdem weiter und das ist doch das wichtigste. Was soll also das Gejammer?

  6. 15.

    Wenn ein Verein plötzlich über sehr große Geldmittel verfügt und damit natürlich auch die sportlichen bzw. Erfolgs-Ansprüche steigen, gibt es immer Unruhe im Kader, da (vermeintlich) höherklassige Konkurrenz eingekauft wird.

    Klinsmann sollte m. E. nur aufpassen, dass er mit seinem unbedingten Erfolgswillen, der manchesmal auch etwas rücksichtslos durchgedrückt wird, keinen Scherbenhaufen hinterlässt, den der folgende Trainer dann wegkehren muss.

  7. 14.

    Maulende Spieler geht gar nicht. Noch dazu im unteren Drittel der 1. Liga befindliche. Hier ist der Trainer ihr Chef. Um das umzusetzen, was er will, dafür stehen sie auf dem Platz - sofern sie es sich im Training verdient haben. Und dafür bekommen sie ihr Gehalt. Nicht für's rummaulen und schlechte Stimmung verbreiten. Wenn der Trainer sich nicht mehr auf sie verlassen kann - ist das nichts. Der Trainer trägt die Verantwortung.

  8. 13.

    Kalou, war das nicht dieser "TROUBLE-MAKER", mit dem grossen Ego, der schon bei Ajax Amsterdam versucht hat ueber den Verein die Regierung unter Druck zu setzen , um einen NL-Pass zu bekommen (wurde abgelehnt, gut so!)J.Cruiff, der damalige Trainer, hat sich zwar fuer ihn eingesetzt, aber nur um die staendige Unruhe aus dem Verein zu nehmen. In England war es auch nicht so toll - oder? Wenn der (vermeintlich) tolle "Herr Fuss-Ball-Treter" jetzt von ,,,,Respekt.... spricht, sollte er sein eigenes Auftreten hinterfragen (Team-Player???!!) .Have a nice day, Trainer Klinsmann , ist es in Huntington Beach nicht viel schoener , ohne Stress und Quelereien (fast wie bei den". Ko........brocken " aus Bayern!

  9. 12.

    Was hat Union damit zu tun? Mminderwertigkeitskomplexe, weil es einmal nicht um Köpenick geht?

  10. 8.

    Wenn Identitätsverlust bedeutet das man das pupsige Mittelmaß verlässt , die traditionelle Verachtung der bayerisch und NRW geprägten Sportjournalisten konterkariert, dann begrüße ich das. Ausserdem haben sie sich einmal die letzten Monate von Maier angeschaut ..... schwach und blass. Stark ? Eigentore, Elfmeter .... und gegen Tischkanten rennen

  11. 7.

    Hertha BSC wird das neue HSV.. Schade das von dem Weg der Talente abgewichen wird und Herr Preetz macht das alles mit.
    Pal Dardai war genau der richtige Trainer für unsere Hertha, der dem Nachwuchs eine Chance gab.
    An Hr. Maier seiner Stelle würde ich auch den Verein wechseln, wenn ich das Gefühl bekomme, dass mit mir nicht mehr geplant wird.
    Hertha BSC, wie es Leibt und Lebt. Höhe Ziele und am Ende der tiefe Fall...

  12. 6.

    Es scheint, dass die tolle Nachwuchsarbeit bei Hertha nicht mehr als Basis genutzt wird, und man lieber auf Geld schießt Tore setzt. Was passiert, wenn der windige Horst sein Interesse an seinem Spielzeug verliert, weil es nicht die Rendite bringt? Dann muß man sich wieder gesund sparen.....das gab es alles schon mal.....

  13. 4.

    @Klausi
    Was hat das hier wieder mit dem Stadtteil Verein aus Köpenick zutun???
    @Berta
    Volkommen richtig geschrieben, Arne Maier ist doch ständig verletzt, wann hat N. Stark zuletzt mal 5 Spiele konstant gut gespielt?
    Wenn die sogenannten Top Nachwuchs Spieler Leistung bringen würden sie auch spielen?

  14. 3.

    Ich muss sagen, dass mich Stark, Duda und Meier - nur als als Beispiele - ziemlich nerven mit ihrem aktuellen Gehabe. Sie haben teilweise eine gute Veranlagung, aber sie machen im Spiel noch viel zu viele Fehler. Bei der Hertha - ohne Finanzspritze - kann man eventuell damit durchkommen und trotzdem Stammspieler sein. Jetzt, wo es mit mehr Geld qualitativ eine Leiterstufe nach oben gehen soll kann man sich sowas kaum mehr erlauben. Sonst drehen wir uns im Kreis und kommen nicht voran. Das geht ja schon ein paar Jahre so. Dardai hat grundsätzlich gute Arbeit geleistet, die Hertha stabilisiert. Viel mehr ist mit den Köpfen aber nIcht zu erwarten. Alleine der Spielaufbau mit unglaublich vielen Fehlpässe ist ein Indiz, dass es an Qualität fehlt. Ich bin absolut einverstanden mit der Hertha-Führung hier deutlich was ändern zu wollen. Arne Maier würde aber erst einmal behalten, der hat das Zeug dazu es zu schaffen. Hatte Michael Preetz vor kurzem im Sky Interview bestens erklärt.

  15. 2.

    Der falsche Trainer, gut für UNION

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