Eisbären-Torwart Justin Pogge (Quelle: imago images/Bernd König)
Bild: imago images/Bernd König

Porträt | Eisbären-Goalie Justin Pogge - Gekommen, um zu bleiben

Mit der Verpflichtung von Justin Pogge haben die Eisbären den Konkurrenzkampf ums Tor entfacht. Vollends überzeugen konnte der Kanadier bisher aber nicht. In den kommenden Wochen muss er sich steigern, wenn es mit seinem großen Wunsch klappen soll. Von Lisa Surkamp

Justin Pogge gleitet zum rechten Pfosten hinüber, streckt seine Hand aus und schnappt mit dem Fanghandschuh zu. Gerade hat er im Training einen Schuss abgefangen und hält die kleine schwarze Scheibe fest. Für einen Moment noch verharrt er in dieser Position, als wäre er eingefroren. Als würde er allen zeigen wollen: Seht her, ich habe den Puck sicher.

Dahm und Pogge als "tolles Team"

Seit er von den Eisbären Berlin Ende Dezember unter Vertrag genommen wurde, stand der 33-jährige Kanadier in jedem Spiel im Tor. Vollends überzeugen konnte er bislang aber noch nicht. Dabei haben ihn die Verantwortlichen des Vereins als Verstärkung für die Torhüterposition geholt, die bis dahin überwiegend der Däne Sebastian Dahm besetzte.

Beide Goalies verstehen sich gut, als Konkurrenten sehen sie sich nicht, sagen sie. "Ich denke, dass wir ein gutes Team sein werden. Wir sprechen jeden Tag miteinander und lernen uns kennen. Er ist ein toller Typ", lobt Pogge den Dänen. Und auch mit den anderen Teammitgliedern versteht sich der 1,93 Meter große Goalie bisher gut. Stürmer Pierre-Cedric Labrie kennt er schon aus seiner Zeit in Amerika.

Einst hoch gehandeltes Talent

Etwas weiter nördlich, in Kanada, genauer gesagt in Vancouver, ging der Stern des damals 19-jährigen Pogge auf. Bei der U20-Weltmeisterschaft, einem der wichtigsten Turniere im Eishockey, gewann er 2006 mit seiner Mannschaft den Titel. Als bester Torhüter und wertvollster Spieler wurde Pogge damals ausgezeichnet, galt als eines der größten Torhüter-Talente des Landes. Eine große Karriere in der besten Liga der Welt wurde ihm prophezeit.

Der Kanadier Justin Pogge pariert bei der U20-WM 2006 einen Schuss (Quelle: imago/UPI Photo)Bei der U20-Weltmeisterschaft 2006 wurde Pogge als bester Torhüter ausgezeichnet.

"Berlin ist eine überwältigende Stadt"

Doch dann kam alles anders. Lediglich sieben Spiele absolvierte Pogge in der National Hockey League (NHL) für die Toronto Maple Leafs. "Ich hätte mir natürlich gewünscht, dass manche Dinge anders verlaufen wären. Aber ich bin dankbar für jede Chance, die ich bekommen habe", resümiert er bescheiden. Seit 2012 macht er stattdessen bei verschiedenen europäischen Klubs Station, nun eben in Berlin. "Es ist eine überwältigende Stadt, groß und wunderschön. Meine Familie ist sehr glücklich, hier zu sein", sagt er.

"Ich würde gerne länger bleiben"

Mit seiner Frau und seinem zweijährigen Sohn hat er seine neue Nachbarschaft rund um den Checkpoint Charlie schon erkundet. "Wir sind begeistert von der Food-Szene hier, es gibt so viele kleine Restaurants und Cafes, wir lieben das", verrät der Hobby-Koch.

Begeistert war er aber vor allem von der Atmosphäre in der Arena am Ostbahnhof. "Es hat mich umgehauen. Es war eine tolle Erfahrung. Ich habe nicht mehr vor so einer Kulisse gespielt, seit ich in Nordamerika war", schwärmt er geradezu. Sein erstes Spiel absolvierte er beim 3:2 gegen Tabellenführer München.

Berlin und die Eisbären gefallen Justin Pogge. "Ich würde sehr gerne länger hier bleiben", sagt er. Ob er sich bei den Hauptstädtern sportlich etablieren kann, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Eines aber steht fest: Er hat es - wortwörtlich - selbst in der Hand.

Sendung: Inforadio, 12.01.2020, 14:15 Uhr

Beitrag von Lisa Surkamp

Kommentar

Bitte füllen Sie die Felder aus, um einen Kommentar zu verfassen.

Kommentar verfassen
*Pflichtfelder

Mit Nutzung der Kommentarfunktion stimmen Sie unserer Netiquette sowie unserer Datenschutzerklärung (Link am Ende der Seite) zu. Die Redaktion behält sich vor, einzelne Kommentare nicht zu veröffentlichen.

Das könnte Sie auch interessieren

Collage: Spieler Lukas Piszczek (BVB), Borussia Trainer Lucien Favre (BVB), Spieler Nico Schulz (BVB). (Quelle: imago images/R. Ibing/Witters/foto press)
imago images/R. Ibing/Witters/foto press

Ex-Herthaner beim BVB - Aus Berlin ins Ruhrgebiet

Wiedersehen im Ruhrpott: Wenn Borussia Dortmund am Samstag Hertha empfängt, treffen gleich drei BVB-Profis auf ihren Ex-Verein. Zwar ist bei allen die Zeit in Berlin schon etwas her, wichtige Karriereschritte gingen sie bei Hertha trotzdem. Von Jonas Bürgener