Neven Subotic geht mit dem Trikot von Dortmunds Mats Hummels über der Schulter auf Ehrenrunde (Quelle: imago images / Contrast)
Audio: Inforadio | 30.01.2020 | 08:15 Uhr | Johannes Mohren | Bild: imago images / Contrast

Interview | Union-Verteidiger Neven Subotic - "Die Wertschätzung der Fans werde ich immer im Herzen tragen"

Am Samstag kehrt Neven Subotic mit Union Berlin zu seinem Herzensverein zurück. Im rbb|24-Interview erklärt der Verteidiger, warum er in Dortmund in die falsche Kabine gehen könnte und was die Köpenicker mit dem BVB gemeinsam haben.

rbb|24: Sie haben nach dem letzten Spiel, in dem Sie eine Gelbe Karte kassiert haben, gesagt: "Bloß keine Rote Karte. Ich habe nächste Woche etwas vor." Wie groß ist die Vorfreude vor diesem Spiel?

Neven Subotic: Sie wächst täglich. Ich glaube, im Endeffekt ist es das größte Erlebnis, vor Ort zu sein. Gewissermaßen freue ich mich, als Unioner da aufzutreten gegen eine der besten Mannschaften. Und für mich ist das auch eines der schönsten Stadien, wobei ich natürlich auch die Alte Försterei dazuzählen muss. (lacht) Natürlich folgt dann auch ein Highlight nach dem Abpfiff, wenn ich die Möglichkeit habe, das Stadion auch wirklich zu genießen. Während des Spiels wird das schwer. Da gibt es viel zu viele Aufgaben, die uns Dortmund stellen wird.

Sie sprechen die Situation nach dem Spiel an. Man muss kein großer Prophet sein um zu erahnen, dass die Dortmund-Fans Sie feiern könnten. Wie besonders ist das für Sie als Spieler, sich bei einem Verein etwas geschaffen zu haben, was geblieben ist und offensichtlich auch über das Sportliche hinaus geht?

Es gibt meiner Person sicherlich einen ganz besonderen Sinn, denn der Erfolg, den wir gemeinsam mit den Fans in den 2010er Jahren erlebt haben, ist etwas, was unendlich ist. Und sich das nochmal vor Augen zu führen, diese Wertschätzung von den Fans, das ist etwas, was ich für immer im Herzen tragen werde und was meiner fußballerischen Karriere und meinem persönlichen Dasein eine ganz besondere Wertung gibt. Ich kenne kaum Spieler, bei denen das auch so ist. Wenn ich fünf aufzählen müsste in der gesamten Fußballwelt, dann könnte ich das nicht. Das spricht für sich und ich bin mehr als stolz, dass ich den Fans das bedeute.

Sie leben immer noch in Dortmund, haben dort auch Ihre Stiftung. Inwiefern war und ist Dortmund für Sie als Person prägend?

Es war sehr prägend, weil ich dort mit 19 angekommen bin und mit 29 dann weitergegangen bin. Dementsprechend waren diese Jahre entscheidend, denn ich bin als Junge oder Teenie angekommen und als Mann gegangen. Diese formativen Jahre haben ja nicht nur zur Stiftungsgründung geführt, sondern auch dazu, dass ich mich in der Stadt und in der Gesellschaft vor Ort verfestigt und dementsprechend auch ein Zuhause habe. Wer meine Lebensgeschichte kennt, der wird wissen, dass ich immer wieder umgezogen bin. Das war wirklich das erste Mal, dass ich Fuß gefasst habe, was auch nochmal für die Bedeutung des Ganzen spricht.

Neven Subotic applaudiert bei seiner Verabschiedung den Fans (Quelle: imago/DeFodi)
Neven Subotic applaudiert den Dortmunder Fans bei seiner Verabschiedung. | Bild: imago/DeFodi

Sie waren schon mit Köln als Gastspieler in Dortmund und kennen das Gefühl. Jetzt machen Sie das mit Union ein zweites Mal mit. Inwiefern ist das immer noch ungewohnt als Gast zu diesem Verein zu kommen, der irgendwie der Eigene ist und der einen geprägt hat?

Mein Instinkt sagt mir immer: Geh in die Kabine und du weißt wo dein Platz ist und wo dein Trikot ist. Dieses Mal muss ich in die andere Kabine gehen und da meinen Platz suchen. Aber das gehört zum Fußballerleben dazu, dass man so eine Situation auch annimmt und das Beste daraus macht. Klar ist, dass ich da während der 90 Minuten als Unioner auftrete und mit dem Abpfiff dann auch einfach nur noch Neven bin, der Unioner aber auch Dortmunder ist.

Union ist natürlich auch was die Alte Försterei angeht zahlenmäßig eine andere Größenordnung als Dortmund. Gibt es trotzdem Punkte, zum Beispiel in der Emotionalität, wo Sie sagen würden, da kann man die beiden Vereine auch ein Stück weit vergleichen?

Ja, auf jeden Fall. Ich glaube, es gibt nicht besonders viele Vereine in der Bundesliga, die eine so emotionale Atmosphäre erzeugen. Dass jede Mannschaft die da hinkommt, egal ob die Alte Försterei oder eben das Westfalenstadion, weiß, das ist etwas Besonderes. Die Spieler, die zu Gast sind, wünschen sich das bei sich zu Hause. Wir waren ja auch zu Gast in anderen Stadien und merken manchmal: Ohne unsere Fans wäre das Ding hier tot. (lacht) Umso schöner, dass unsere Fans auch mit dabei sein werden.

Sie haben damals mit Köln 0:0 in Dortmund gespielt. Was muss passen, damit so ein Ergebnis im Stadion vor dieser gelben Wand auch mit Union möglich ist?

Erstmal brauchen wir von uns eines der besten Spiele der Saison. Anders wird es nicht gehen. Und dann brauchen wir noch ein bisschen Glück, dass die nicht ihren besten Tag des Jahres haben. Wenn das passt, entscheidet noch der liebe Fußballgott, wer das nötige Glück bekommt. Das haben wir auch hier im Heimspiel gesehen. Wir waren die ganze Zeit dran, konnten eine kluge Ecke machen und am Ende auch gut kombinieren, Fehler beim Gegner erzeugen. Wenn wir das auch in Dortmund schaffen, werden wir die Möglichkeit haben, dass es positiv für uns ausgeht.

Auf Sie und die Abwehr wird mit Erling Haaland der im Moment vielleicht torsicherste Stürmer der Bundesliga zulaufen. Ist das etwas, auf das man sich besonders vorbereitet oder sich als Verteidiger vielleicht sogar freut oder wie geht man mit dieser Situation um?

Wenn du mich fragen würdest: Hast du mehr Lust, dass Haaland auf dich zukommt oder Sancho oder Reus. Da gibt es keinen Liebling, den ich mir auswählen würde. Das sind alles Top-Spieler, die auf Weltniveau spielen. Eine besondere Vorbereitung gibt es in der Hinsicht, dass wir als Mannschaft agieren müssen. Ich persönlich kann die Jungs nicht aufhalten, keiner von uns kann das. Aber gemeinsam als Union haben wir die Möglichkeit dazu.

Sie haben vor ein paar Tagen gegen Augsburg das Tor geschossen. Ist das etwas, wo Sie sagen: Da bin ich jetzt auf den Geschmack gekommen und das könnte demnächst öfter passieren und was passiert, sollte es in Dortmund klappen?

Ich bin auf den Geschmack gekommen, ja. Ich war es auch schon davor, aber es ist nicht so einfach als würde man in ein Restaurant gehen und ein Tor bestellen. Wenn es dann am Samstag so sein sollte, dass ich ein Tor schieße dann freue ich mich vor allem innerlich, aber natürlich werde ich dann auch respektvoll mit der Situation umgehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Johannes Mohren, rbb Sport. Es handelt sich um eine redigierte und gekürzte Fassung.

Sendung: Inforadio, 30.01.2020, 8:15 Uhr

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2 Kommentare

  1. 2.

    Neven ist ein sehr sympathischer Mensch, der auch mit seiner Stiftung viel Gutes bewirkt. Die nächsten Spiele werden sehr hart für den FCU und ich befürchte, dass wir erstmal nicht so viele Punkte holen werden. Union muss zum Ende der Saison nochmal richtig aufdrehen und mindestens die Heimspiele gegen Mainz, Paderborn und Düsseldorf gewinnen - alles weitere wird man sehen . . .

  2. 1.

    Natürlich werden sie Neven in Dortmund feiern, weil er nicht irgendein Fußballspieler ist. Habe ihn selbst schon in Berlin an einer Straßenbahnhaltestelle stehen sehen.
    Natürlich sind wir mal wieder klarer Außenseiter, haben aber die letzten beiden male dort immer gut ausgesehen.Wenngleich sie mit dem neuen Winderknaben sicher noch stärker sind.

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